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Jobbörse für Ukraine-Flüchtlinge – das steckt hinter „Job Aid Ukraine“

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Von: Benjamin Stroka

Vater, Mutter und Kind - Flüchtlinge aus der Ukraine bei der Ankunft in Berlin
„Job Aid Ukraine“ will Geflüchteten bei der Job-Suche helfen. © Riedl/dpa & teamwork & Panthermedia / Imago

Die neue Jobbörse „Job Aid Ukraine“ will Geflüchteten aus dem Ukraine-Krieg bei der Jobsuche in Deutschland und Europa helfen. So funktioniert das Projekt.

Köln – Nur mit dem nötigsten, was sie gerade noch packen konnten, kommen momentan täglich tausende Menschen aus der Ukraine in Deutschland und anderen europäischen Ländern an. Sie fliehen vor dem Krieg in der Ukraine. Laut UN-Angaben hat die russische Invasion bereits über eine Million Menschen in die Flucht aus ihrem Heimatland getrieben. Plötzlich in einem fremden Land stehend, sind viele Ukraine-Flüchtlinge auf Hilfe angewiesen.

Krieg in der Ukraine: Jobbörse „Job Aid Ukraine“ will Flüchtlingen helfen

Und die Hilfsbereitschaft ist groß – auch in Deutschland. Es werden Spenden gesammelt, viele Privatpersonen nehmen Geflüchtete auf oder liefern wie der Kölner Marc Lanzerath auf eigene Faust Hilfsgüter an die ukrainische Grenze*. Das Schicksal der Menschen bewegt Millionen. Doch auch wenn viele Flüchtlinge hier nun in Sicherheit sind, wurde ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt. Weitergehende Schritte sind nötig, um den Menschen zu helfen, ihre Existenz zu sichern.

Die Europäische Union hat am Freitag (4. März) in einem Beschluss den schnellen und unkomplizierten Schutz von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine formell beschlossen. Durch diese neue Regelung fällt ein langwieriges Asylverfahren für die Vertriebenen weg. Außerdem haben sie unter anderem sofort das Recht auf Unterkunft, Bildung, Sozialleistungen und eine Arbeitserlaubnis. Das gilt zunächst für ein Jahr, kann aber auf zwei Jahre verlängert werden. Aber nur, weil jemand arbeiten darf, heißt das nicht unbedingt, dass er oder sie auch sofort eine Stelle finden, besonders in einem fremden Land. Um den Geflüchteten bei ebendieser Jobsuche zu helfen, wurde in Deutschland vor wenigen Tagen eine neue und besondere Jobbörse ins Leben gerufen: „Job Aid Ukraine“.

Was ist „Job Aid Ukraine“? Wer steckt hinter der Jobbörse für Geflüchtete?

„Job Aid Ukraine“ ist ein Pro-Bono-Projekt der Unternehmer Marcus Diekmann und Christian Weis in Zusammenarbeit mit der Initiative „Händler helfen Händlern“. Das Portal ist zweisprachig aufgebaut und richtet sich direkt an die Geflüchteten aus der Ukraine. Standardsprache ist Englisch, aber mit nur einem Klick wird die Sprache auf Ukrainisch umgestellt. Auf der Plattform können Arbeitgeber Stellenanzeigen schalten. Die Geflüchteten aus der Ukraine können dort wiederum auf Jobsuche gehen und im Optimalfall die für sie passende Stelle finden.

„Das läuft komplett kostenlos. Wir wollen damit kein Geld verdienen. Der Sinn und Zweck dahinter liegt einzig und allein in der Unterstützung der Menschen“, erklärt Mitinitiator Christian Weis im Gespräch mit 24RHEIN*. Er betont, wie gut Integration und das Lernen einer fremden Sprach über den Job zu schaffen sind. „Das bringt einem Normalität, Hoffnung und Sicherheit für die Zukunft.“ Und das Angebot kommt bereits sehr gut an. Fast im Minutentakt finden sich neue Stellenanzeigen bei „Job Aid Ukraine“ – auch von sehr großen Arbeitgebern.

Portal „Job Aid Ukraine“ : Große Firmen schalten Stellenanzeigen für Ukraine-Flüchtlinge

„Wir sind selbst extrem überrascht, wie viele große Marken sich gemeldet und Stellenanzeigen geschaltet haben. SAP hat direkt sehr viele Anzeigen online gebracht, aber auch Marken wie Zalando, Bogner, Xing, Trigema, BabyOne oder Check24“, berichtet Weis. Am Montagabend ging das Portal erstmals online – seitdem wurden schon mehr als 500 Stellenanzeigen veröffentlicht. Die Stellenanzeigen werden administriert, das heißt, es wird überprüft, ob alles seriös und passend ist. „Bislang war da noch kein Mist dabei“, sagt Weis. Man wolle einen „hohen Qualitätsstandard sicherstellen“.

Marcus Diekmann und Christian Weis – die Macher hinter „Job Aid Ukraine“

Marcus Diekmann ist ein erfolgreicher Unternehmer und aktuell Geschäftsführer IB Company bei Peek & Cloppenburg sowie Gesellschafter bei Rose Bikes. Er hatte ursprünglich die Idee, den Geflüchteten Menschen bei der Jobsuche zu helfen. Mitinitiator Christian Weis ist Geschäftsführer des Business-Publishingportals business-on.de. Mit seinem Team hat er den Aufbau des Portals technologisch unterstützt. Beide Mitgründer hinter „Job Aid Ukraine“ kommen aus Nordrhein-Westfalen*.

„Job Aid Ukraine“: Wie kam die Idee zustande?

Die Idee zu „Job Aid Ukraine“ stammt direkt von Diekmann und Weis. Schon wenige Tage nach Kriegsausbruch in der Ukraine haben sie sich entschlossen, die Plattform aufzubauen. In Zusammenarbeit mit der Initiative „Händler helfen Händlern“ sei das Ganze dann ins Rollen gekommen. Und das ging richtig schnell. Zwischen Idee und dem Launch der Website habe nur knapp ein Tag gelegen. „Dieser extreme Spirit hinter dem Projekt hat mich sofort begeistert“, betont Weis gegenüber 24RHEIN*.

Die Initiative „Händler helfen Händlern“

Die Pro-Bono-Initative „Händler helfen Händlern“ wurde im März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie ins Leben gerufen. Damals mussten nicht systemrelevante Geschäfte schließen. Durch die Initiative wurden tausende Unternehmen miteinander vernetzt, um sich gegenseitig zu unterstützen. Mittlerweile zählt die Gruppe mehr als 4600 Mitglieder.

Schnell stießen noch andere Unterstützer dazu, um beim Aufbau von „Job Aid Ukraine“ zu helfen. „Es ist total rührend zu sehen, wie viele Menschen sich melden und uns unterstützen und das Projekt vorantreiben wollen. So hat das in der kurzen Zeit auch schon sehr viel Aufmerksamkeit generiert“, so Weis.

„Job Aid Ukraine“: Pro-Bono-Jobbörse will große Kampagne starten

Wer die Stellenanzeigen durchschaut, bemerkt schnell, dass sie sich nicht nur auf Deutschland beschränken. Das Portal kann und soll daher auch international genutzt werden. Genaue Zahlen, wie viele Ukrainer sich über „Job Aid Ukraine“ bereits für eine Stelle beworben haben, kennt der Mitgründer nicht. Die Bewerbungen laufen nämlich nicht direkt über die Jobbörse, sondern die Bewerber werden innerhalb der Stellenanzeige über einen Button auf die Unternehmensseite geführt.

„Aber die Leute müssen natürlich erst mal ankommen, sich hier einrichten. Ich gehe davon aus, dass das in den nächsten Tagen zunehmen wird“, betont Weis im Hinblick auf die Bewerberzahlen. Um „Job Aid Ukraine“ noch bekannter zu machen, starten die Macher der Jobbörse jetzt auch eine Marketingkampagne mit Ads auf Ukrainisch. „Die werden nicht nur nach Deutschland geschaltet, sondern auch in andere Länder, wie beispielsweise Polen, Bulgarien oder Rumänien“, berichtet Weis. Es gibt auch Ideen, das direkt mit Plakaten an Bahnhöfen zu machen. In vielen ukrainischen Facebook-Gruppen werde die Jobbörse zudem bereits geteilt.

„Job Aid Ukraine“: Jobbörse für Geflüchtete soll Verein werden

Als nächster großer Schritt soll „Job Aid Ukraine“ zu einem Verein werden. „Das Projekt soll nicht abhängig von ein paar Personen sein, sondern weiterhin pro bono bleiben“, betont Weis. „Wir suchen jetzt Leute, die im Verein Positionen übernehmen oder das ganze Projekt mit ihrem Knowhow weiterbringen können. Wir reden von einer hohen Anzahl von Flüchtlingen und wollen das ganze auch nicht auf Deutschland beschränken. Alle anderen Länder können sich daran auch beteiligen.“

Als Verein sollen dann auch Spendengelder akquiriert werden, um das Projekt und die dazugehörigen Kampagnen zu finanzieren. Denn: Bislang wurde das meiste aus eigener Tasche bezahlt. (bs) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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