„Es war er, zu 100 Prozent“: Pianist behauptet, vermissten Arian gesehen zu haben – Polizei reagiert

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Von: Teresa Toth

Ein Pianist behauptet, er habe den vermissten Arian (6) in Bremervörde gesehen. Mehrere unterstellen ihm, mit der Geschichte lediglich Aufmerksamkeit generieren zu wollen.

Update vom 7. Mai 2024: Die Ermittlungen treten auf der Stelle. Erkenntnisse habe man seit dem Ende der großen Suche keine gewonnen, räumte ein Polizeisprecher am Montag (6. Mai) ein. „Es gehen immer noch Hinweise ein, aber es sind deutlich weniger geworden.“ Erstmals erklärte sich auch die Polizei zu Davide Martello, dem Pianisten, der Arian gesehen haben will. Auch diesen Hinweis habe die Ermittlungsgruppe Arian verfolgt und die Gegend nochmals mit Hunden abgesucht, sagte der Sprecher. Doch der Junge bleibt verschwunden.

Erstmeldung vom 5. Mai 2024: Bremervörde – Noch immer fehlt von ihm jede Spur: Der sechsjährige Arian gilt seit dem 22. April als vermisst. Zuletzt wurde er in seinem Heimatort Elm, Bremervörde, in Niedersachsen gesehen. Eine Woche lang suchten hunderte Einsatzkräfte und freiwillige Helfer nach dem Jungen. Inzwischen hat die Polizei die Suche eingestellt. Ein Klavierspieler aus dem Schwarzwald will Arian jedoch gesehen haben.

Der Klavierspieler wollte an allen Plätzen spielen, wo sich der vermisste Arian aufhalten könnte

Davide Martello betreibt den Instagramaccount „klavierkunst_“, wo er über 16.000 Follower (Stand: 5. Mai 2024) hat. Dort postet er hauptsächlich Videos, die ihn beim Klavierspielen zeigen. Nach dem Verschwinden von Arian verkündete er am Mittwoch (1. Mai) auf seinem Account, dass er sich entschlossen habe, im Raum Bremervörde überall dort Klavier zu spielen, wo sich der Sechsjährige potenziell aufhalten könnte. Nur einen Tag später erklärte er in einem neuen Post, er habe Arian gesehen.

„Ich wurde um kurz vor fünf von Raben oder Krähen aufgeweckt, während ich in meinem Dachzelt geschlafen habe und da habe ich Arian gesehen“, schreibt Martello. Dazu veröffentlichte der ein Foto des Platzes, auf dem er scheinbar übernachtet hatte. Arian hätte ausgesehen, als würde er nach etwas Essbarem suchen – sah aber „nicht irgendwie fertig aus, sondern wohlauf und ziemlich schnell“, so der Pianist.

Nach seiner angeblichen Begegnung mit Arian habe der Pianist seine Tour abgebrochen

Bis er seine Schuhe angezogen hatte, sei der Junge schon weg gewesen. Doch Martello ist sich sicher: „Es war er zu 100 Prozent.“ Seine Klaviermission habe Martello nach der vermeintlichen Begegnung abgebrochen, da „kein Klavier nötig [war], um ihm zu begegnen“. Stattdessen habe er die Polizei informiert und darum gebeten, Spürhunde an der entsprechenden Stelle suchen zu lassen. Bisher hätte diese jedoch nicht auf seine Bitte reagiert.

Die Reaktionen auf Instagram zu Martellos Erzählungen sind größtenteils kritisch: Viele unterstellen ihm, er hätte sich die Begegnung mit Arian lediglich ausgedacht. „Für mich ist das ganz klar eine Sache für Aufmerksamkeit und Follower sowie Likes generieren“, merkt ein User an. „Sorry, alles unglaubwürdig“, findet ein weiterer. Weitere kritisieren, dass es respektlos sei, den Eltern des Jungen falsche Hoffnungen zu machen. Doch es sammeln sich auch positive Kommentare unter Martellos Post, die ihm für seinen Einsatz danken.

Nach Angaben der Polizei gebe es derzeit keine neuen Hinweise zu dem Verbleib von Arian

Auch wenn die Suche nach Arian, bei der zum Teil auch ungewöhnliche Mittel zum Einsatz kamen, inzwischen eingestellt wurde, ermittelt die Polizei weiter. Ein fünfköpfiges Ermittlungsteam arbeitet derzeit an dem Fall. Zudem ist ein K9-Team im Einsatz, das unter anderem mit Labrador-Mix Knut nach dem Sechsjährigen sucht.

Am Sonntag (5. Mai) erklärte ein Polizeisprecher, bisherige Hinweise würden Stück für Stück abgearbeitet – derzeit gebe es allerdings keine neuen. Ob die Polizei auch den Hinweis des Klavierspielers erhalten hat oder seine Erzählung als unglaubwürdig einstuft, ist unklar. Sie war am Sonntagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sollten die Hinweise des Klavierspielers aus Sicht der Polizei stichhaltig erscheinen, kann aber davon ausgegangen werden, dass sie diesen nachgeht oder bereits nachgegangen ist.

Der Pianist streitet ab, sich die Geschichte zur Begegnung mit Arian nur ausgedacht zu haben

Die Ermittler haben unter anderem die Vermutung, dass das Kind in den Fluss Oste gefallen sein könnte – dort wurde bereits mit Booten und Tauchern gesucht. Vermissten-Experte Peter Jamin brachte im Gespräch mit IPPEN.MEDIA auch eine mögliche Entführung ins Spiel – wie auch der Ex-Mordermittler Axel Petermann, der aber auch einen Unfall nicht ausschließen wollte.

Martello selbst streitet ab, sich die Geschichte nur ausgedacht zu haben. „Ich bin nicht scharf auf Klicks oder Aufmerksamkeit. Ich bin hierhergekommen, damit ich ihn mit meiner Musik locke“, verteidigt er sich auf seinem Instagram-Account. Weil Arian ein Autist ist, bat die Familie allerdings eindringlich: „Sucht bitte nicht eigenständig nach Arian.“ Die große Sorge ist offenbar, dass laute Geräusche den Jungen verschrecken könnten, anstatt ihn anzulocken. (tt)

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