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Afghan Diary: Afghanistans besiegte Geisterarmee – „Sie wollten Rache, doch einen weiteren Plan gab es nicht“

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Die Welt beobachtete mit Schrecken, in welch rasanter Geschwindigkeit Afghanistan an die Taliban fiel. Natalie Amiri, internationale Korrespondentin, will wissen, warum die Armee kaum Widerstand leistete.

Kabul/Kandahar – Ein großes Problem, das zur fatalen Fehleinschätzung der Lage in Afghanistan führte, war, dass sich die internationale Staatengemeinschaft immer auf Kabul fokussierte. Und die dortigen Regierungen genau wussten, was sie zu sagen hatten, damit sie den Westen bei Laune und im Geldfluss hielten. Ich nenne das die rosarote Kabul-Blase. Doch Kabul ist nicht Afghanistan – so sehr sich der Westen das vielleicht gewünscht hätte und schönredete.

Wer sind die Millionen Menschen außerhalb Kabuls? Wie denken sie über die Machtübernahme der Taliban? Über die Situation der Frauen? Darüber, wer Schuld an der jetzigen Situation hat, wer sich freut, oder verstecken muss?

Ich möchte raus aus Kabul. Im Flugzeug nach Kandahar frage ich den Stewart, ob ich den Platz wechseln kann, weil ich gerne aus dem Fenster filmen würde. Ein Mann, eine Reihe vor mir, wird vom Stuart gefragt, er steht auf und sagt mir, weil ich Gast in seinem Land sei, mache er das gerne. Ich setze mich ans Fenster. Der junge Mann neben mir begrüßt mich mit „Hi. How are you?“, in perfektem Englisch.

Afghan Diary: Die besiegte Armee Afghanistans – und die fatale rosarote Kabul-Blase

Ich frage ihn, ob er zu Besuch sei und warum genau in dieser Zeit. Nein, er wäre mit seiner Mutter in San Francisco aufgewachsen, mit 17 Jahren wieder zurück nach Afghanistan gekommen, denn sein Vater hätte ihn gerufen. Sein Vater ist General der Armee gewesen. Er selbst sei 2019 in die afghanische Armee eingetreten. Er fliegt zum ersten Mal nach Kandahar. Dort werde er aber nicht lange bleiben. Am nächsten Tag ginge sein Flug in den Iran. Dort oder in irgendeinem anderen Land werde er sich dann niederlassen. Irgendwo, aber nicht mehr in Afghanistan*. In seinem Land, für das er sein Leben in den USA aufgegeben hat, ist kein Platz mehr für ihn.

Noman, so sein Name, sagt mir: „Sie finden einen. Der pakistanische Geheimdienst hat gleich in den ersten Tagen nach dem Sturz der Regierung Ghani, den Machtergreifern die Datenbanken der Armee übergeben. Jetzt haben die Taliban alle Namen, inklusive Fingerabdrücken. Die Datenbanken sind mit den Scannern am Kabuler Flughafen verbunden. Du gehst also zum Flughafen, denkst, du kommst raus, dann wird dein Fingerabdruck genommen, sie ziehen Dich raus und dir wird ein schwarzes Tuch über den Kopf gezogen. Und dann verschwindet die Person, oder wird getötet. Sie lassen dich nicht am Leben. Einige meiner Freunde sind deshalb jetzt tot.“

Im vierten Teil ihres Afghan Diary reist Natalie Amiri nach Kandahar und begibt sich auf die Spuren der afghanischen Armee.
Im vierten Teil ihres Afghan Diary reist Natalie Amiri nach Kandahar und begibt sich auf die Spuren der afghanischen Armee. © N. Amiri/N.Bruckmann/M. Litzka/afp

Laut Human Rights Watch haben Taliban-Kräfte in Afghanistan seit der Übernahme des Landes am 15. August 2021 trotz einer verkündeten Amnestie allein in vier Provinzen mehr als 100 ehemalige Polizei- und Geheimdienstbeamte standrechtlich hingerichtet oder gewaltsam verschwinden lassen. Und das sind nur die Fälle, die HRW bekannt sind. Sein Vater wird ziemlich sicher auf der Liste stehen, sagt mir Noman noch. Er versteckt sich im Moment. Versucht über den Landweg rauszukommen.

Ankunft am Flughafen in Kandahar: Ehemalige Polizistin verbrannte Uniformen nach Taliban-Machtübernahme

Unser Fahrer, der uns in Kandahar am Flughafen abgeholt hat, war auch Polizist. Jetzt hat er seinen Job verloren, nicht nur das, er hat Angst, dass ihn die Taliban erkennen, ihn zur Rechenschaft ziehen, so wie es Tausenden geht, die im afghanischen Sicherheitsapparat gearbeitet haben. Er bringt mich am Stadtrand zu einem einfachen Lehmhaus. Wir treten in den Innenhof, dann geht es weiter ein paar Treppen hoch, aus allen Fenstern, die in den Innenhof gehen, sehen mich Kinder an.

Ich schiebe einen Vorhang zur Seite, stehe in einem kleinen Raum, sechs Menschen sitzen dort. Eine junge Frau ist die ehemalige Kollegin des Polizisten, sie wird mir vorgestellt. In der Nacht als die Taliban Kandahar eingenommen haben, hat sie ihre Uniform, ihre Abzeichen, ihre Sterne, alles im Innenhof verbrannt. Sie wurde respektiert von ihren Kollegen, als sie als Polizistin in Kandahar arbeitete. Ich frage ihre Mutter, wie sie diese Situation empfindet, dass ihre Tochter nun keinen Job mehr hat, sich verstecken muss. Die Mutter sagt mir: „Ich war auch Polizistin, wir haben beide für Sicherheit gesorgt, gegen die Taliban gekämpft und haben jetzt alles verloren.“ 

Afghanistans Armee: Fehleinschätzung der Motivation – und fiktive Zahlen der Truppenstärke

Auf der Seite des Auswärtigen Amtes steht: „Unser Ziel ist es, dass Afghanistan sich mittelfristig selbst helfen kann. Wir müssen es in die Lage versetzen, seine junge Demokratie aus eigener Kraft gegen die Angriffe seiner Gegner zu verteidigen. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Land wieder in extremistische Hände fällt. Das würde auch die Sicherheit der Menschen hier in Deutschland gefährden. Deswegen hilft Deutschland ganz besonders beim Aufbau der afghanischen Polizei und Armee.“

Unsere Regierung hat immer nur an Geld gedacht, das war das einzige, an das sie dachten. Ihre Motivation war Geld. Deshalb haben sie das Land verkauft und dann sind sie gegangen und haben uns geopfert.

Noman, ehemaliger afghanischer Soldat

Der jetzige Zustand ist exakt der, den man verhindern wollte – und nicht in der Lage war, es zu tun. Aus mehreren Gründen. Wie der Fehleinschätzung der Motivation der afghanischen Soldaten, die nie so zahlreich waren, wie sie von den Generälen angegeben wurden. 300.000 Soldaten sollen nicht in der Lage gewesen sein, gegen circa 60.000 Taliban-Kämpfer zu gewinnen. Jetzt kommt ans Licht: Es waren nie aktiv 300.000 Soldaten im Einsatz.

Als ich Noman frage, ob die Generäle fiktive Zahlen nannten, um mehr Geld zu kassieren, antwortet er: „Ich kann nicht für die gesamte Armee sprechen. Aber ich kann sagen, dass in den Einheiten, in denen ich war, es einige gab, die ihre Familienangehörigen in die Armee brachten, die zwar nie im Einsatz waren, aber das Gehalt kassierten. Unsere Regierung hat immer nur an Geld gedacht, das war das einzige, an das sie dachten. Ihre Motivation war Geld. Deshalb haben sie das Land verkauft und dann sind sie gegangen und haben uns geopfert.“

Treffen in Kabul mit dem Enkel des letzten Königs von Afghanistan: Das Geld der USA

„Ich denke, die vergangenen 20 Jahre waren eine unglaubliche goldene Möglichkeit, die wir Afghanen verpasst haben.“ Wer ist „wir“, frage ich den Enkel des letzten Königs von Afghanistan, Sardar Muhammad Nadir Naeem, den ich in seinem Haus in Kabul treffe. „Die afghanische Bevölkerung, Afghanistan.“

Er richtet sich auf. „Lassen Sie mich eine Geschichte erzählen. Ex-Präsident Karzai kam alle zwei, drei Tage zu meinem Großvater und unterrichtete ihn über die Entwicklung im Land. Ich erinnere mich insbesondere an einen Besuch. Er kam ins Zimmer gestürmt, Karzai hatte immer einen schnellen Schritt drauf, glücklich“, schildert mir Sardar Muhammad Nadir Naeem. „Er sagte: Eure Majestät, er sprach meinen Großvater Zahir Schah immer noch mit seinem Titel an. Er kam also reingestürmt und sagte: Eure Majestät, ich habe großartige Nachrichten für Sie. Mein Großvater sagte, setzten Sie sich erstmal“, berichtet der Enkel des letzten afghanischen Königs weiter.

„Karzai saß kaum, da legte er los: Ich komme gerade aus den USA zurück und wissen Sie, was Sie mir versprochen haben? Mein Großvater antwortete: Nein. Karzai sagte: Fünf Milliarden Dollar. Mein Großvater sah ihn an und sagte, aha, fünf Millionen Dollar. Und Karzai antwortete: Nein nein, fünf MILLIARDEN Dollar. Mein Großvater sagte: Können Sie das wiederholen? Und er drehte sich zu mir um, das machte er öfter, wenn er hundertprozentig sicher sein wollte und fragte: Was sagte er gerade? Ich sagte; Sir, der Präsident sagte fünf Milliarden. Das heißt Fünftausend Millionen“, so Sardar Muhammad Nadir Naeem Schilderungen.

Sein Großvater habe daraufhin gesagt: „Jetzt kann Afghanistan wirklich reich werden.“ Genau in diesem Augenblick wird es dunkel in Sardar Muhammad Nadir Naeems Haus, Stromausfall. Der Enkel des Schahs und ich sehen nicht einmal mehr die eigene Hand vor uns. Es ist für einen kurzen Moment sehr still, bis der Generator anspringt.

Wo ist das Geld hingeflossen? Keine Afghanistan-Strategie, aber immer mehr Lügen

Fünf Milliarden war nur ein Bruchteil der Summen, die ins Land flossen, schier endlos. Trillionen kamen in Afghanistan an – oder auch nicht. „Wo ist das Geld“, frage ich Sardar Muhammad Nadir Naeem: „Ich denke, ziemlich viele Afghanen haben dieselbe Frage,“ antwortet er mir. „Wissen Sie was, die Realität sieht so aus, dass dieses Geld überhaupt nie in Afghanistan ankam, nur ein Bruchteil. Aber das Geld half, dass Afghanistan zu einem der korruptesten Staaten der Welt wurde. Die Korruption fand aber nicht nur auf afghanischer Seite statt. Auch auf der Geberseite gab es genauso Korruption in hohem Maße. Häufig wird die Summe, die nach Afghanistan floss, mit der verglichen, die der Marshallplan für Europa vorsah und ausgab.“

Als die Taliban aus Kabul und Kandahar vertrieben waren, sogar aus dem Land, hatte das US-Militär keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Wie verhilft man einem Land zu mehr Stabilität? Wie stellt man die Grundversicherung sicher? Wie trägt man zur Modernisierung des Landes bei? Es gab keine klaren Anweisungen, was wir tun sollten.

Ryan Crocker, US-Botschafter von 2011-2012 in Afghanistan

„Das war eine geringere Summe,“ erwidere ich. „Der große Unterschied besteht darin, dass der Marshallplan gleichzeitig mit einer Vision einherging und auf eine gebildete Bevölkerung traf. Afghanistan kam aus einem drei Jahrzehnte andauernden Krieg. Es gab nichts. Kabul war dem Erdboden gleich. Und es gab keine Vision. Die USA reagierten auf den Terroranschlag am 11. September. Sie wollten Rache. Sie bekämpften Al-Qaida, doch einen weiteren Plan gab es nicht“ sagt Sardar Muhammad Nadir Naeem und ich höre den Generator brummen. Afghanistan hat keinen eigenen Strom, er muss aus Usbekistan importiert werden. Stromausfälle gibt es täglich, für mehrere Stunden. Auch bei Menschen, die sich keine Generatoren leisten können.

Keine Afghanistan-Strategie. Aber immer mehr Lügen. Das analysiert der US-Journalist Craig Whitelock in seinem Insider Report, den gerade veröffentlichten „Die Afghanistan Papers“.

Die Rolle der USA: Keine klaren Pläne, das Land zu modernisieren – außer Geld zu geben

Ryan Crocker, US-Botschafter von 2011-2012 in Afghanistan, sagte in einem Interview: „Als die Taliban* aus Kabul und Kandahar vertrieben waren, sogar aus dem Land, hatte das US-Militär keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Wie verhilft man einem Land zu mehr Stabilität? Wie stellt man die Grundversicherung sicher? Wie trägt man zur Modernisierung des Landes bei? Es gab keine klaren Anweisungen, was wir tun sollten.“

Außer Geld zu geben. 90 Prozent des afghanischen Staatshaushaltes wurden bis zum August 2021 von der internationalen Gemeinschaft finanziert. Allein die USA zahlten 145 Milliarden Dollar, um das Land aufzubauen. Zusätzlich flossen vom US-Verteidigungsministerium für den US-Krieg in Afghanistan 837 Milliarden US-Dollar. 2443 amerikanische Soldaten starben im Einsatz, 1144 Soldaten der alliierten Truppen. Die Zahl auf afghanischer Seite war weitaus größer. Mindestens 66.000 afghanische Soldaten wurden getötet.

Erklärung von Australien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, der EU, Finnland, Frankreich, Japan, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Nordmazedonien, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Spanien, Ukraine, des Vereinigten Königreichs und den Vereinigten Staaten:

Wir sind zutiefst besorgt über die Berichte über außergerichtliche Tötungen und das gewaltsame Verschwindenlassen ehemaliger Angehöriger der afghanischen Sicherheitskräfte, die von Human Rights Watch und anderen dokumentiert wurden.

Wir betonen, dass die in Frage stehenden Taten schwere Menschenrechtsverletzungen darstellen und im Widerspruch zu der von den Taliban angekündigten Amnestie stehen. Wir fordern die Taliban auf, die Amnestie für ehemalige Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte und ehemalige Regierungsbeamte wirksam durchzusetzen, um sicherzustellen, dass sie im ganzen Land durchgängig eingehalten wird.

Die dokumentierten Fälle müssen unverzüglich und transparent untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Diese Schritte müssen öffentlich bekannt gemacht werden, um als unmittelbare Abschreckung für weitere Tötungen und das Verschwindenlassen von Personen zu dienen.

Wir werden die Taliban weiterhin an ihren Taten messen.

Sigar – der US-Untersuchungsausschuss für Afghanistan, der seit 2008 bisher elf Berichte veröffentlichte – kommt in seinem abschließenden und elften Bericht zu folgenden Schlussfolgerungen:

„Die US-Regierung bemühte sich ständig, eine kohärente Strategie für das zu entwickeln und umzusetzen, was sie erreichen wollte. 2. Die US-Regierung hat den Zeitaufwand für den Wiederaufbau Afghanistans konsequent unterschätzt und unrealistische Zeitpläne und Erwartungen geschaffen, die den Ausgaben schnelle Priorität einräumen. Diese Entscheidungen erhöhten die Korruption und verringerten die Wirksamkeit der Programme. 3. Viele der von den Vereinigten Staaten gebauten Institutionen und Infrastrukturprojekte waren nicht nachhaltig. 4. Kontraproduktive Maßnahmen und Praktiken des zivilen und militärischen Personals vereitelten die Bemühungen. 5. Die anhaltende Unsicherheit hat die Wiederaufbaubemühungen ernsthaft untergraben. 6. Die US-Regierung verstand den afghanischen Kontext nicht und versäumte es daher, ihre Bemühungen entsprechend anzupassen. 7. US-Regierungsbehörden führten selten eine ausreichende Überwachung und Bewertung durch, um die Auswirkungen ihrer Bemühungen zu verstehen.“

Die geschlagene Armee Afghanistans: Der chaotische US-Truppenabzug – und korrupte Generäle

„Unsere Armee wurde in den letzten 20 Jahren nie ausgebildet, um einen Guerillakrieg zu führen, – aber wir hatten einen Guerilla-Kampf, so Sardar Naeem zu mir. „Nur die Spezialkräfte kamen mit den Taliban zurecht, das Handikap schlechthin war, dass die afghanische Armee keine Luftwaffe besaß, das wollten die Amerikaner nicht und die Pakistanis. So waren die Afghanen bis zuletzt abhängig von der amerikanischen Luftwaffe.“

Der bedingungslose Abzug von US-Präsident Joe Biden* habe den Afghanen unmissverständlich klar gemacht: Wir werden euch nicht mehr unterstützen. „Die Generäle wussten, dass ihnen in diesem Moment die Rückendeckung wegbricht. Gleichzeitig wurden alle militärischen Contructors abgezogen, die hatten vor allem jahrelang die Luftwaffe unterstützt“, so Sardar Naeem weiter.

„Ein enormes Problem innerhalb der Armee war auch hier die Korruption“, erzählt mir der Enkelsohn von Zahir Schah. „Es flossen Milliarden in die Armee und du schaffst es nicht einmal, dem Soldaten eine frische Flasche Wasser zu geben, der gerade kämpft? Dann hast du ein Problem.“ Die Soldaten seien nicht dumm, „sie sahen, während sie einen Krieg führten, an den sie nicht mehr glaubten, ihre Generäle in Luxus schwelgen und sie wussten, dass, wenn sie auf dem Schlachtfeld sterben, es die Generäle nicht interessieren würde. Denn bei einer Niederlage wären sie in Sekunden weg, im Flugzeug sitzend, raus aus Afghanistan.“ Und genau so war es.

„Sicher war unsere Armee nicht 300.000 Mann stark, wie es immer gesagt wurde. Wir hatten eine Geisterarmee. Geisterlehrer, enorme Korruption überall. Die Frage, die ich mir stelle ist: Wussten das die USA? Sie hatten doch die SIGAR-Reporte. Europa wusste es auch. Warum hat man diese Fakten nicht als Druckmittel gegen die afghanische Regierung benutzt?“

Der Soldat Noman sieht mich an und ich sehe in diesen jungen Augen eine Tiefe, ein Wissen über das Geschehen auf der Welt, wie ich es in Europa nur bei sehr alten Menschen bemerke: „Dein Land zu verlieren, ist, wie deine Mutter zu verlieren“, sagt mir Noman noch zum Abschied und postet auf seiner Facebook-Seite: „Good Bye Afghanistan“. (Natalie Amiri) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

7 Tage in Afghanistan: Afghan Diary von Natalie Amiri 

Uns allen sind die tragischen Bilder der Tage um den 30. August 2021 noch vor Augen, die den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan begleiteten. Tausende Menschen versuchten verzweifelt am Flughafen von Kabul in eines der Flugzeuge gen Westen zu gelangen, um auszureisen. Sie wollten nicht in einem wieder von den Taliban regierten Afghanistan leben. Die Wenigsten hatten das Glück, einen Platz an Bord zu bekommen. 

Seitdem regieren die Taliban das zerrissene und verarmte Land, dem nicht wenige Beobachter für diesen Winter eine humanitäre Katastrophe voraussagen. Natalie Amiri, internationale Korrespondentin, hat während ihres jüngsten Recherche-Aufenthaltes für ihr neues Buch (erscheint am 14.03.2022 ) in Afghanistan ein eindrucksvolles Tagebuch geführt. IPPEN.MEDIA veröffentlicht das Tagebuch ihrer Reise in sieben Teilen sowohl online als via Print in einigen Titeln wie dem Münchner Merkur oder der Frankfurter Rundschau.

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