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Air Defender 2023: Neues Nato-Mitglied will sich bei Manöver beweisen

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Von: Maximilian Gang

Im Juni findet in Deutschland die größte Luftwaffenübung seit Bestehen der Nato statt. 25 Nationen nehmen an „Air Defender“ teil, darunter: ein Nato-Neuankömmling.

Köln – Was schon bald im deutschen Luftraum passieren wird, kann getrost als gigantisch bezeichnet werden. Vom 12. bis zum 23. Juni findet hierzulande die größte Luftoperationsübung in der fast 75-jährigen Historie der Nato statt: Air Defender 2023. Bis zu 10.000 Soldatinnen und Soldaten werden an dem Manöver teilnehmen. Die Streitkräfte reisen mit insgesamt 220 der modernsten Flugzeuge und Kampfjets der Welt an – dazu gehören auch Eurofighter und Tornado-Kampfbomber der Bundeswehr. 25 Nationen sind beteiligt – darunter: das neue Nato-Mitglied Finnland.

Air Defender 2023: Kurz nach Nato-Beitritt nimmt Finnland an gigantischem Kampfjetmanöver teil

Der Eintritt der Skandinavier in das Verteidigungsbündnis liegt erst wenige Wochen zurück. Am 4. April 2023 wurde Finnland offiziell in die Nato aufgenommen – in einer Rekordzeit von nicht einmal einem Jahr nach Antragsstellung. Dabei spielten auch die Entwicklungen rund um den Ukraine-Krieg für das Nachbarland Russlands eine große Rolle. Und auch wenn Air Defender 2023 bereits seit 2018 geplant wurde, sorgte der Konflikt an der östlichen Nato-Flanke wohl auch dafür, dass sich immer mehr Staaten an dem Manöver beteiligen. So nun auch die Finnen.

Neues Nato-Mitglied Finnland bei Air Defender 2023 dabei – mit klaren Zielen

Nach Angaben der finnischen Luftwaffe hat ihre Teilnahme am Air Defender 2023 ein klares Ziel: die Entwicklung von Kampftaktiken und die Verbesserung der Zusammenarbeit mit den neuen Verbündeten in der Nato. „Wir werden am Air Defender 2023 teilnehmen, um unser schon jetzt hohes Level der Zusammenarbeit mit deutschen, US-amerikanischen und anderen Luftwaffen noch weiter zu verbessern“, sagte General Timo Herranen, Staabschef der finnischen Luftwaffe.

Zudem will das Neumitglied praktische Erfahrung in der Planung und Ausführung multinationaler Luftoperationen mit den Verbündeten der Nato sammeln, so Herranen. Deshalb senden die finnischen Luftkräfte mit Zustimmung des Verteidigungsministeriums insgesamt vier Kampfjets des Typs „F/A-18 Hornet“ vom US-Hersteller McDonnell Douglas zum Fliegerhorst Hohn in Schleswig-Holstein.

Generalleutnant Ingo Gerhartz zu Air Defender 2023: Übung soll Zusammenarbeit demonstrieren

Die Bündnisziele bei dem von der deutschen Bundeswehr geführten Manöver kommen den finnischen Zielen sehr nah. So sagte Generalleutnant Ingo Gerhartz, der Inspekteur der Luftwaffe, vor kurzem im Interview mit der Deutschen Welle: „Wir können als Luftstreitkräfte nur dann gemeinsam agieren, wenn wir unsere Systeme miteinander vernetzen können. Wir nennen das interoperabel sein.“ Air Defender solle eine Übung werden, bei der die Luftwaffen der Nato-Mitglieder zeigen können, dass amerikanische Luftstreitkräfte sehr schnell nach Europa verlegt werden können.

Air Defender 2023: Finnland schickt vier Kampfjets nach Deutschland – die USA ganze 100

Im Vergleich zu anderen Nato-Mitgliedern ist die Anzahl der teilnehmenden finnischen Kampfjets jedoch recht gering. Der Löwenanteil stammt dabei aus Übersee: Fast jeder zweite Flieger im Luftraum der Bundesrepublik wird aus den USA kommen – darunter unter anderem Kampfflieger der Typen F-35, F-16 und F-15. Vom Fliegerbestand der deutschen Bundeswehr werden 62 Flieger an Air Defender teilnehmen:

Flugverbote während Air Defender 23 sorgen für Einschränkungen im zivilen Flugverkehr

Die Vorbereitungen bei der Bundeswehr laufen indes auf Hochtouren. Unter anderem bekam ein Airbus der Luftwaffe ein besonderes Design. Doch nicht nur dort man sich vorbereiten müssen: Während Air Defender 2023 wird es in vielen Regionen zu Flugverboten kommen. Nicht einmal Drohnen dürfen in den Sperrzeiten geflogen werden. Aktuell stimmen sich die Luftstreitkräfte noch über die möglichen Übungsszenarien ab, weshalb noch unklar ist, in welchem Ausmaß das Manöver für Ausfälle im zivilen Flugverkehr sorgen wird, wie ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf jüngst im Gespräch mit 24RHEIN sagte.

US-amerikanischen Kampfjets fliegen durch die Luft
Über 200 Kampfjets aus 25 Nationen werden im Juni in Deutschlands Luftraum unterwegs sein. (Archivbild) © South Korea Defense Ministry/AP/dpa

Auch in Nordrhein-Westfalen muss mit Einschränkungen gerechnet werden, auch wenn die Hauptübungsräume von Air Defender nur zu einem Bruchteil in NRW liegen, wie der Flughafensprecher sagte: „Aufgrund der daraus resultierenden verlängerten Flugwege und Verkehrsverdichtungen wird es nach derzeitigem Stand zu Beeinträchtigungen des Luftverkehrs im deutschen und europäischen Luftraum kommen.“

Air Defender 2023: Drei Fliegerhorste sorgen auch in NRW für Fluglärm

Dadurch, dass auch im Umkreis von Militärflugplätzen der Bundeswehr mit Flugbetrieb gerechnet werden muss, wird man auch im Westen Deutschlands mit erhöhtem Fluglärm rechnen müssen, denn: Drei Fliegerhorste liegen in NRW. Mit dem Fliegerhorst Nörvenich liegt sogar ein besonders wichtiger Flugplatz im bevölkerungsreichsten Bundesland: Der Standort ist einer von nur vier Eurofighter-Standorten in Deutschland. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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