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Armin Laschet: „Unverzügliche Prüfung“ des Buches dauert an – aber warum?

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Von: Peter Pauls

Armin Laschet 2009 bei der Vorstellung seines Buchs „Aufsteigerrepublik“.
Armin Laschet 2009 bei der Vorstellung seines Buchs „Aufsteigerrepublik“. © sepp spiegl / imago

Vor mehr als einem Monat kündigte Kanzlerkandidat Armin Laschet an, die Plagiatsvorwürfe gegen sein Buch „Die Aufsteigerrepublik“ prüfen zu lassen. Die Untersuchung dauert an – und Aufklärung scheint nicht deren Ziel zu sein, meint 24RHEIN-Gastautor Peter Pauls.

Köln – Wo bleibt die Aufklärung in eigener Sache, die Armin Laschet vor mehr als fünf Wochen angekündigt hat? Ihm war vorgeworfen worden, als Autor von „Die Aufsteigerrepublik“ verschiedentlich abgeschrieben zu haben, etwa im Online-Nachschlagewerk Wikipedia. Nun rückt der Wahltag näher - und ein Ergebnis liegt immer noch nicht vor. „Die Prüfung dauert an“, teilte ein Sprecher des Ministerpräsidenten jetzt auf Anfrage mit. Es sei besondere Sorgfalt angezeigt. Die Angelegenheit mag heikel sein. 2009, als das Buch erschien, rechnete niemand damit, dass sich sein Autor zwölf Jahre später anschickt, Bundeskanzler zu werden.

Es wäre interessant zu rekonstruieren, an welcher Stelle zwischen den Buchdeckeln Armin Laschet tatsächlich persönlich tätig geworden ist und wo man sich auf Beschäftigte aus dem Ministerium verlassen hat. Wie ich darauf komme? Für das Buch sei auch „auf Ausarbeitungen des Ministeriums Rückgriff genommen“ worden, hieß es sibyllinisch in einer Stellungnahme vom 30. Juli. Was immer das konkret bedeuten mag.

Plagiatsvorwürfe gegen Laschet: Aufklärung scheint nicht Ziel der Untersuchung zu sein

Wie mögen diese „Ausarbeitungen“ ausgesehen haben? Welchen Umfang haben sie gehabt? Vor allem: Enthielten sie die Plagiate? Hier könnte die Untersuchung Klarheit schaffen. Doch scheint das nicht deren Ziel zu sein. Zu benennen, wer wo und an welcher Stelle tätig wurde, gar ein ganzes Kapitel geschrieben habe, „erscheint zwölf Jahre nach Veröffentlichung nicht möglich“, teilt der Sprecher des Ministerpräsidenten weiter mit. Zur „Aufsteigerrepublik“ heißt es in der Biografie „Der Machtmenschliche“ von Tobias Blasius und Moritz Küpper, dass Laschet es als „Privatmann unter freundlicher Mitarbeit von Ministerialbediensteten geschrieben“ und damit für „Gerede gesorgt“ habe.

Offenbar wegen dieses „Geredes“ enthält das Laschet-Buch eine zweiseitige und erschöpfende Danksagung. Darunter finden sich hochkarätige Experten, die aufgrund ihres Sachverstands nie und nimmer irgendwo abgeschrieben hätten, indes politisch noch rot-grünen Vorgängerregierungen zuzurechnen waren. Viele fühlten sich dem neuen Minister Laschet verpflichtet, weil er sie im Amt beließ und nicht der Praxis folgte, sie für Parteifreunde auszutauschen. Für andere war die Materie „Integration“ neu. Ob das Internet für sie eine verführerische und trügerische Quelle war?

Unser Gastautor Peter Pauls

Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub.

Im Alltagsverständnis gehen wir davon aus, dass der Name eines Autors tatsächlich für dessen Autorenschaft steht. So habe ich es in der Schule gelernt. Abschreiben gehörte sich nicht. Im politischen Betrieb ist das bislang eher nicht die Regel gewesen. Da konnte es sein, dass ein Minister in großer Geste Linien vorgab und sein Stab schreibend schwitzen musste. Wer das nicht wollte, riskierte das Vertrauen des Chefs. Wie der Entwicklungshelfer, den ich vor mehr als 30 Jahren in Afrika traf. Er war seinen Posten als Ministeriumssprecher losgeworden weil er abgelehnt hatte, für seinen Minister ein Buch zu schreiben.

Warum schreiben Politiker? Eitelkeit ist oft Triebfeder. Gedanken materialisieren sich in Büchern und nehmen damit im Regal bleibende Gestalt an. Häufig sollen Politiker-Bücher auch programmatische Beiträge sein. Die „Aufsteigerrepublik“ ist so ein Fall. Der Autor stand mit seinem Namen für Zuwanderungsthesen, deren Notwendigkeit umstritten war, besonders in seiner Partei, der CDU. Man kann den Autorentitel also auch als unbequemes Bekenntnis werten. In Gesetzesvorlagen schlug sich der Eifer Laschets nicht nieder, vermerkten Integrationspolitiker. Aber er zeigte offen Haltung.

Bald darauf war der Minister wieder aus der Tür. Hannelore Kraft (SPD) wurde Ministerpräsidentin und die „Aufsteigerrepublik“ geriet zum „Weißt-Du-noch-Thema“. Beim Bier raunte mancher, der Ghostwriter für dieses oder jenes Kapitel gewesen zu sein. Schließlich geriet das Thema ganz in Vergessenheit. Dass es auf dem Seziertisch öffentlicher Wahrnehmung landet, hätte sich zwar niemand träumen lassen. Doch Unbekümmertheit setzt diese Art von Autorenschaft schon voraus. Man macht sich abhängig von anderen. Angela Merkel, die nüchterne Preußin, hat nie den Glanz des eigenen Buches gesucht.

„Die Aufsteigerrepublik“ finden sie, wenn sie hier klicken als PDF. Der Autor selbst habe es öffentlich bereitstellen lassen, sagte mir sein Verlag Kiepenheuer & Witsch, damit sich jeder ein Urteil bilden könne. (pp)

INFO: Armin Laschet und „Die Aufsteigerrepublik“

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