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Corona in NRW: Lockerungen oder Verschärfungen? Politik uneins

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Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, steht in der Medizinischen Fakultät OWL (Campus Süd) an der Uni Bielefeld und trägt eine Mund-Nasen-Maske mit NRW-Wappen.
Während die FDP Lockerungen fordert, will die CDU weitere strenge Corona-Regeln in NRW (Symbolbild) © Friso Gentsch/dpa

Am 9. Februar läuft die aktuelle Corona-Schutzverordnung in NRW aus. Folgen Lockerungen oder Verschärfungen? CDU und FDP wollen in unterschiedlichen Richtungen.

Düsseldorf/Berlin – Die Abschaffung der Corona-Schutzmaßnahmen in einigen europäischen Nachbarländern haben einen Dominoeffekt: Auch in NRW steigt der Rechtfertigungsdruck auf die Politik in allen Bereichen. Die Koalitionspartner CDU und FDP wollen in unterschiedliche Richtungen.

Wüst gegen Corona-Lockerungen: Maßnahmen „erst nach Höhepunkt der Omikron-Welle“

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) schloss eine schnelle Rücknahme der Corona-Auflagen in Deutschland wie in vielen Nachbarländern aus. „Das kann natürlich erst möglich sein, wenn der Höhepunkt der Omikron-Welle überschritten ist, wenn wir sicher sein können, dass keine Überlastung des Gesundheitssystems droht“, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch, 2. Februar, in Berlin.

FDP-Landtagsfraktionschef Christof Rasche forderte dagegen von Wüst bereits vor den nächsten Länder-Beratungen mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am 16. Februar eine Abkehr von den strengen Schutzauflagen. „Die Corona-Politik muss sich insbesondere an der Situation der Intensivstationen ausrichten, weg von der Inzidenz“, sagte Rasche der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung.

„Wir wollen wieder mehr Normalität ermöglichen.“ Die Liberalen wollten die 2G-Regel im Handel, die Zutritt nur Geimpften und Genesenen erlaubt, „zügig abschaffen“. Das Ansteckungsrisiko im Bekleidungsgeschäft sei genauso gering wie im Supermarkt. Auch die Testpflicht für Geimpfte und Genesene in der Gastronomie solle fallen.

Wüst betonte bei der Klausur der CSU-Landesgruppe im Bundestag, dass eine Rücknahme von Einschränkungen gut vorbereitet sein müsse. Wünschenswert sei ein „möglichst breit getragenes, gemeinsames, konsistentes Vorgehen“. Schrittweise Lockerungen müssten zugleich durch einen „Basisschutz“ wie Maske oder Abstand abgesichert sein.

Diese Möglichkeit dürfe die Bundesregierung den Ländern nicht nehmen, warnte Wüst. „Wenn der Bundestag nicht handelt, wird am 19. März die Rechtsgrundlage für diese Basisschutz-Mechanismen entfallen. Das geht nicht.“ Es müsse mindestens eine einmalige Verlängerung bis zum Ende des Frühjahrs geben.

Corona-Politik in NRW: Koalitionspartner CDU und FDP wollen unterschiedliche Richtungen

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach sich im Fernsehsender RTL/ntv dafür aus, den für Mitte Februar prognostizierten Höhepunkt der Omikron-Welle zunächst abzuwarten. Der Moment sei erst dann erreicht, wenn der Trend bei der seit Wochen ansteigenden Neuinfektionsrate endlich wieder zurückgehe. „Diese hellseherischen Fähigkeiten, zu sagen, dann und dann können wir lockern, die habe ich nicht“, sagte Laumann. Daher bleibe er mit Öffnungsvorhersagen sehr vorsichtig.

Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp von der FDP forderte indes Lockerungen schon mit der zum 9. Februar anstehenden Aktualisierung der Corona-Schutzverordnung für NRW. Bei der Neufassung müsse es Anpassungen geben, sagte Stamp auf WDR 2. Beschränkungen für den Sport und die Jugendarbeit sollten auch für ungeimpfte Jugendliche aufgehoben werden.

Die Kontrollen der Zutrittsbeschränkungen im Einzelhandel sollten auf Stichproben beschränkt werden, damit vor allem kleinere Läden nicht mit zusätzlichen Personalanforderungen überfordert würden. Schon jetzt müssten Öffnungen schrittweise vorbereitet und die Reihenfolge der Lockerungen verabredet werden, um sofort handeln zu können, „wenn der Kipp-Punkt der Entwicklung erreicht ist“.

Corona in NRW: Mehr Zuschauer in Stadien – bis zu 10.000 Menschen erlaubt

Eine für den Fußball in NRW wichtige Änderung wurde allerdings schon am Mittwoch erwartet: Nach einem Beschluss der Chefinnen und Chefs der Staatskanzleien dürfen deutschlandweit Stadien und Hallen wieder mit mehr Zuschauern gefüllt werden. Bei überregionalen Großveranstaltungen im Freien dürfen bei einer maximalen Auslastung von 50 Prozent bis zu 10.000 Menschen dabei sein.

In Innenräumen liegt die zulässige Auslastung „bei maximal 30 Prozent der jeweiligen Höchstkapazität, jedoch nicht mehr als insgesamt 4000 Zuschauenden“, heißt es in dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Beschluss vom Mittwoch, der für die Bundesländer bindend ist, jeweils aber noch in die Corona-Verordnungen übernommen werden muss.

In NRW sollten die neuen Auslastungsregeln nach Angaben aus Regierungskreisen noch am Mittwoch umgesetzt werden. Außerdem gelte dann bei Großveranstaltungen die 2G-plus-Regel und Maskenpflicht. Bund und Länder hatten beschlossen, dass bis zum 9. Februar einheitliche Regeln für Großveranstaltungen und Stadien vereinbart werden sollen.

In NRW, woanders als etwa in Bayern bisher nur 750 Fans zugelassen waren, zogen die Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, 1. FC Köln und Arminia Bielefeld bereits vor Gericht. (dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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