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Gasspeicher füllen sich „schneller als gedacht“ – Doch es hagelt Kritik an Gasumlage

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Von: Sandra Kathe

Die Füllstände deutscher Gassspeicher nähern sich der 85-Prozent-Marke, was die Angst vor akutem Gasmangel im Winter etwas schrumpfen lässt. Doch es gibt auch Probleme.

Berlin – Mit 81,78 Prozent Füllstand liegen die Gasspeicher in Deutschland bereits Ende August kurz vor dem Ziel von 85 Prozent, die ursprünglich am 1. Oktober erreicht werden sollten. So kündigte das Wirtschaftsministerium gegenüber dem Spiegel an, dass die Marke wohl bereits mehrere Wochen früher als erwartet, Anfang September, erreicht werden könnte und die Füllstände bereits dann auf das 95-Prozent-Ziel für 1. November zusteuern würden.

Für Politik und Wirtschaft in Deutschland sind das zunächst gute Nachrichten, denn mit den hohen Füllständen der Gasspeicher verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland durch die Konfliktsituation mit Russland infolge des Ukraine-Konflikts im Winter in akute Notsituationen bei der Gasversorgung gerät. Anlass alle Warnungen aufzuheben sei die Entwicklung jedoch nicht, und auch aufgrund der geplanten Gasumlage regt sich aktuell wieder größere Kritik am Wirtschaftsministerium unter Grünen-Vizekanzler Robert Habeck.

Deutschland ist eins der Länder in Europa mit den größten Speicherquellen für Gas. Die hohen Füllstände stimmen deshalb verhalten optimistisch.
Deutschland ist eins der Länder in Europa mit den größten Speicherquellen für Gas. Die hohen Füllstände stimmen deshalb verhalten optimistisch. (Symbolbild) © Uwe Anspach/dpa

Höhe Füllstände von Gasspeichern trotz Krise: Wirtschaftsministerium ist verhalten optimistisch

Dieser zeigte sich mit Blick auf die Füllstände der Gasspeicher am Wochenende zwar verhalten optimistisch und sprach davon, dass Deutschland „als Land vorbereitet“ sei und „die Unternehmen dann über den Winter planmäßig ausspeichern können, um auch darüber Industrie und Haushalte zu versorgen“. Dennoch bleibe die Lage weiterhin anspruchsvoll und Einsparungen weiterhin nötig.

Für die Sparsamkeit beim Verbrauch könnte neben den Mahnungen aus der Politik auch ein finanziell spürbarer Faktor sorgen, der übers Wochenende erneut scharf in die Kritik geriet: die geplante Gasumlage, die die ohnehin steigenden Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher noch weiter in die Höhe treiben soll. Die Umlage soll die wegen knapper russischer Gaslieferungen stark gestiegenen Kosten von Großimporteuren ausgleichen, um diese vor einer Pleite und das Energiesystem vor dem Kollaps zu bewahren. Alle Gaskunden sollen zusätzlich 2,4 Cent pro Kilowattstunde bezahlen.

Kritik an Gasumlage als Folge von Energiekrise: Möglicher Profit für die Falschen

Kritisiert wird die geplante Preisanpassung auch vonseiten der Koalitionspartner von Habecks Regierungspartei in der Ampelkoalition, weil auch Firmen von der Umlage profitieren könnten, denen es wirtschaftlich gut geht, während wirtschaftlich schwache Privatpersonen und Firmen zur Kasse gebeten werden. Die Bundesregierung hat Korrekturen bei der Gasumlage in Aussicht gestellt, diese gelten jedoch als juristisch kompliziert.

Als positiv gewertet wird hingegen die Entwicklung, dass nach großer Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas die Anteile von russischen Gaslieferungen bei den Bezügen deutlich gesunken sind. Gerade einmal neuneinhalb Prozent des Gasverbrauchs im August seien laut Wirtschaftsministerium über die russischen Pipelines angekommen. Kompensiert würde etwa über neue Bezugsquellen, etwa aus Frankreich, Norwegen oder den Niederlanden.

Russland hatte zuletzt erneut angekündigt, die Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Vom 31. August bis zum 2. September werde wegen Wartungsarbeiten kein Gas nach Deutschland fließen. Danach sollten täglich wieder 33 Millionen Kubikmeter Erdgas geliefert werden. Das entspricht den 20 Prozent der täglichen Maximalleistung, auf die Russland die Lieferung schon vor einigen Wochen verringert hat. (ska mit AFP/dpa)

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