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Laschet nach Unwettern: „Wiederaufbau wird Monate, ja Jahre dauern“

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Armin Laschet besucht Notunterkunft in Erftstadt.
Armin Laschet besuchte eine Notunterkunft in der vom Hochwasser stark betroffenen Gemeinde Erftstadt. © Oliver Berg/dpa

Neben den bedrückenden Bildern aus den Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen gibt es vereinzelte Lichtblicke. Doch der Wiederaufbau wird Jahre dauern.

Düsseldorf – Schier endlose Schuttberge, zerstörte Autos, riesige Löcher im Boden und ganze Häuser weggespült: In Nordrhein-Westfalen bleibt die Lage in der Hochwasserkatastrophe bedrückend. Mindestens 46 Menschen verloren in dem Bundesland im Zusammenhang mit den schlimmen Unwettern ihr Leben. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) verdeutlichte am Sonntagabend in einer Fernsehansprache im WDR, dass dem Land ein Kraftakt bevorstehe. Die Wunden dieser Tage werde man noch lange spüren. „Der Wiederaufbau wird Monate, ja Jahre dauern.“ Das Land tue alles, um die direkten Auswirkungen der Katastrophe in den Griff zu bekommen.

Er kündigte an, noch in dieser Woche mit den Kommunen über Finanzhilfe zu sprechen. Auch mit dem Bund werden Gespräche geführt. „Eine Katastrophe von nationaler Tragweite braucht auch eine schnelle nationale Antwort“, sagte der Kanzlerkandidat der Union. „Daran arbeite ich unter Hochdruck mit den Kolleginnen und Kollegen in der Landes- und der Bundesregierung.“ Außerdem wolle er mit den Kommunalvertretern zusammenkommen, „um zu beraten, wie wir die Finanzhilfen ausgestalten, um schnell unsere Heimat wiederaufzubauen“. Die Krisenstäbe tagten rund um die Uhr.

Laschet will Schutz gegen Extremwetter vorantreiben – Finanzhilfe für Kommunen

Als Konsequenz aus der Hochwasserkatastrophe fordert er mehr Vorsorge gegen Extremwetter. „Wir müssen Dämme bauen, Rückhaltebecken, Wasserreservoirs, Flächen renaturieren – Schutz nicht nur am Rhein, sondern auch an den großen und den vielen kleinen Flüssen überall im Land“, sagte Laschet. „Kurz: Natur, Umwelt, Leib und Leben schützen – quasi das Immunsystem unserer Heimat stark machen, damit wir besser gegen Wetterextreme gewappnet sind.“ Die Häufigkeit und die Wucht solcher Katastrophen seien auch eine Folge des Klimawandels, bekräftigte Laschet. „Den müssen wir hier und weltweit schneller und konsequenter bekämpfen. Das Klima gewährt keinen Aufschub.“

Flutkatastrophe: Zahl der Toten in NRW stieg Sonntagnachmittag auf 46

Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe stieg in NRW bis Sonntagnachmittag um eine Person auf 46, wie eine Sprecherin des Innenministeriums am Sonntag mitteilte. Am Sonntagabend berichtete die Kölner Polizei von einem weiteren Toten. Das Unwetteropfer sei in Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) bei der Suche nach Vermissten von Einsatzkräften gefunden worden.

Naturkatastrophe in NRW: 34 Personen im Rhein-Erft-Kreis noch vermisst

Bei der Zahl der noch Vermissten gab es einen leichten Rückgang, und auch bei den Pegelständen vermeldeten die Behörden positive Zahlen. In der vom Hochwasser besonders betroffenen Ortschaft Erftstadt suchen zahlreiche Menschen nach Angehörigen. 34 Menschen wurden bei der „Personenauskunftsstelle“ der Stadt mit ungewissem Aufenthaltsort gemeldet, wie ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Sonntag sagte. Am Samstag hatte die Zahl der Gesuchten bei 59 gelegen. „Es konnten zum Glück schon einige gefunden werden“, sagte der Sprecher. Einige Menschen hätten zeitweise kein Telefonnetz oder Handy gehabt und sich inzwischen gemeldet. Unter den Gesuchten waren Bewohner einer am Samstag evakuierten Altenpflegeeinrichtung.

Trotz der Evakuierung des Ortsteils Erftstadt-Blessem haben am Sonntag viele Menschen versucht, aufgrund von Falschmeldungen in ihre Häuser zurückzukehren. „Das ist auf keinen Fall möglich“, warnte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. Es bestehe Lebensgefahr.

Erftstadt: Experten untersuchen Abbruchkanten eines Erdrutsches – Wohnhäuser eingestürzt

Am Sonntagmorgen begannen Fachleute damit, die Stabilität des Untergrunds nach der Unwetterkatastrophe zu überprüfen. Die Experten sollten nach Angaben der Stadt die Abbruchkanten eines Erdrutsches untersuchen. In Blessem war durch die Wasserfluten ein riesiger Krater entstanden, mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein.

Hilfsbereitschaft nach Überflutungen in NRW ist groß

In den düsteren Zeiten der Unwetterkatastrophe gibt es Lichtblicke: Die Hilfsbereitschaft angesichts der Not der Anwohner in den Hochwasser-Gebieten ist groß. Die Lager mit Lebensmittel- und Kleiderspenden seien gut gefüllt, berichteten am Sonntag die Kreise Euskirchen und Rhein-Erft. Beide Kreise haben Konten für Hochwasser-Hilfen eingerichtet und bitten um Geldspenden. Sachspenden gebe es derzeit genug.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer besuchte Erftstadt

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) besuchte am Sonntag Erftstadt und sprach dort auch mit Soldatinnen und Soldaten. Danach zeigte sie sich bestürzt: „Es fehlen mir ein bisschen die Worte“, sagte die CDU-Politikerin WDR5. Sie habe mit Soldatinnen und Soldaten gesprochen, die beim Oderhochwasser oder viel im Ausland gewesen seien. „Alle haben mir gesagt, so etwas wie hier haben sie noch nie erlebt, alle sind tief betroffen.“

Wassenberg/Kreis Heinsberg: Wassermassen können zunehmend wieder über Kanalisation aufgenommen werden

Nach dem Bruch eines Damms der Rur gibt es noch keine Entwarnung in Wassenberg im Kreis Heinsberg. Zwar seien sinkende Wasserpegel in allen Ortsteilen zu beobachten, und die Wassermassen könnten zunehmend wieder über die Kanalisation aufgenommen werden. Im teilweise unter Wasser stehenden Stadtteil Ophoven könnten aber weitere Dammbrüche noch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, teilte die Stadt am Sonntag mit.

Überflutung: Unwetterkatastrophe hat auch bei der Bahn große Schäden verursacht

Die Unwetterkatastrophe in Deutschland hat auch bei der Bahn gravierende Schäden hinterlassen, die in den nächsten Tagen weiterhin Folgen für die Reisenden und Pendler haben werden. Nach einem ersten Lagebild gab es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz „massive Beschädigungen“ an 80 Stationen und Haltepunkten sowie an Gleisen auf mehr als 600 Kilometern Länge, wie die Deutsche Bahn mitteilte.

Flutkatastrophe in NRW: Fernverkehr läuft teilweise wieder

Beim Fernverkehr meldete das Unternehmen Fortschritte: Der ICE fährt wieder von Köln nach Brüssel, Bonn ist wieder an den Fernverkehr angeschlossen, und die Fahrt von Berlin nach Köln und Düsseldorf ist wieder möglich. Zum Start in die neue Woche rechnet die Bahn mit „einer weiteren Normalisierung des Fernverkehrs für Ziele in NRW“. (dpa/lnw)

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Dieser Artikel wurde am 19. Juli um weitere Zitate aus der Fernsehansprache ergänzt.

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