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Trotz Lieferstopp aus Russland: Deutsche Gasspeicher zu 90 Prozent gefüllt

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Von: Anika Zuschke

Die Technik vom Astora Gasspeicher in Rehden.
Deutschland trotzt dem Gas-Lieferstopp aus Russland – denn die Gasspeicher sind jetzt schon zu 90 Prozent gefüllt. (Symbolbild) © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Russland hat die Gaslieferungen über Nord Stream 1 erneut gestoppt. Trotzdem gibt es gute Neuigkeiten: Deutsche Gasspeicher sind schon zu 90 Prozent gefüllt.

Frankfurt – Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch für Deutschland enorme Folgen. Wladimir Putin stürzte die Bundesrepublik in eine ernste Gaskrise, die die Abhängigkeit von russischem Erdgas unangenehm deutlich machte. Doch entgegen anfänglich großer Sorgen, dass Deutschland nicht warm über den Winter kommt, lassen sich nun wieder einmal gute Nachrichten vermelden: Trotz des russischen Gas-Lieferstopps sind die deutschen Speicher bereits zu 90 Prozent gefüllt.

Gute Nachrichten in der Gaskrise: Deutsche Gasspeicher zu 90 Prozent gefüllt

Wie aus Daten der europäischen Speicherbetreiber hervorgeht, erreichten deutsche Gasspeicher bereits am Sonntag, 18. September 2022, einen Füllstand von 90,07 Prozent. Die Angaben werden stets mit etwas Verzögerung gemeldet. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zufolge habe Deutschland mit den Einspeicherungen die Chance, „gut über den Winter zu kommen“ – doch liegt Habecks Betonung dabei auf dem Wort „Chance“, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet.

Denn dafür müssten deutsche Bürger im Winter weiterhin fleißig Gas sparen und man brauche „ein bisschen Glück mit dem Wetter“. Doch immerhin lässt sich Habeck überhaupt zu einer solchen Aussage hinreißen – eigenen Angaben zufolge hätte er sich das vor einigen Monaten noch nicht getraut.

Dass die Deutschen versuchen, Habecks Anforderungen gerecht zu werden, beweisen derzeit zahlreiche Internettrends: Unter anderem die Erfindung des Teelichtofens, die als vermeintliche Wärme-Alternative eine Heizung ersetzen soll. Ob bei solchen „Erfindungen“ aber tatsächlich das Gassparen oder vielmehr das Geldsparen im Vordergrund steht, lässt sich nicht sagen.

Neues Ziel in Deutschland: Gasspeicher zum 1. November zu 95 Prozent füllen

Sorgen um eine kalte Wohnung aufgrund von fehlendem Gas müssen sich die Deutschen aber offenbar nicht machen. Denn das angesammelte Gas aus den Speichern soll im Winter zur Verfügung gestellt werden. „Das heißt aber auch, dass die Speicher dann am Ende des Winters wieder leer sein werden, in diesem Fall richtig leer, weil wir das Gas nutzen werden“, lenkt Habeck laut Tagesschau ein. Dann müsse man schnell wieder einspeichern.

Vorerst lautet das nächste Ziel der Bundesregierung aber, die Gasspeicher bis zum 1. November zu 95 Prozent gefüllt zu haben. Denn diese dienen als Puffer für den Gasmarkt und sollen Schwankungen beim Verbrauch ausgleichen. An besonders kalten Wintertagen werden bis zu 60 Prozent des Gasverbrauchs durch ebenjene Gasspeicher abgedeckt. Die Zwischenziele von 75 und 85 Prozent konnten Mitte August und Anfang September bereits früher als geplant erreicht werden.

Russland stoppt Gaslieferungen durch Nord Stream 1 – Deutschland wirft Putin Energiekrieg vor

Genau wie die beiden Zwischenziele kam auch das Erreichen der 90-Prozent-Marke für einige aber überraschend. Denn seit dem 31. August fließt zum wiederholten Male kein Gas mehr durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 – die einst als wichtigste Verbindung von Russland nach Deutschland galt. Von russischer Seite wurde das mit technischen Problemen begründet, die angeblich aufgrund der Sanktionen nicht gelöst werden können. Die Regierung hält das jedoch für vorgeschoben und wirft Putin vor, einen Energiekrieg gegen Europa zu führen.

Doch kam nun offenbar wieder etwas Bewegung in die Ostsee-Pipeline. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, habe es vor wenigen Tagen das erste Mal seit drei Wochen wieder sogenannte Nominierungen für Lieferungen russischen Gases durch Nord Stream 1 seitens der deutschen Abnehmer gegeben. Dabei beruft sich Reuters auf deutsche Pipeline-Daten. Bei Nominierungen handelt es sich zwar zunächst nur um Anfragen für Gaslieferungen, nicht um tatsächliche Gasdurchflüsse – doch tut sich immerhin etwas.

Maßnahmen gegen einen Gasmangel im Winter – auch ohne russisches Gas

Um im Zweifel aber auch ohne russisches Gas warm über den Winter zu kommen, hält die Regierung weiterhin an anderen Maßnahmen fest. Derzeit bezieht die Bundesrepublik Erdgas über Pipelines aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien und zum Jahreswechsel sollen schließlich an der Nordseeküste die ersten beiden Flüssiggas-Terminals in Betrieb genommen werden. Auf diese Weise will die Regierung möglichst hohe Füllstände in den Gasspeichern zu Beginn der Heizsaison garantieren. (Anika Zuschke)

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