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„Passt nicht in die Zeit“: Wüst schießt gegen Veggieday – und erntet Kritik

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Von: Oliver Schmitz

Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sitzt in einem Trecker auf dem Bauernhof Meyer.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst plädiert dafür, die Landwirtschafts-Flächen „auszuschöpfen“. © Oliver Berg/dpa

Hendrik Wüst hat den Bund wegen seiner Landwirtschafts-Politik kritisiert. Grund ist der Ukraine-Krieg. Einen Veggie-Day hält er aktuell für unpassend.

Düsseldorf – Wie sicher ist die Nahrungsmittel-Versorgung in Nordrhein-Westfalen? Eine Frage, die im Zuge des Ukraine-Kriegs wieder präsent geworden ist. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich am Montag (11. April) bei einem Besuch auf einem Spargelhof in Willich (Kreis Viersen) zu diesem Thema informiert. Im Zuge dessen übte er auch scharfe Kritik an der aktuellen Landwirtschafts-Politik des Bundes und vor allem einigen Mitgliedern der Bundesregierung. Grund ist unter anderem ein Veggie-Day. Doch das kommt bei vielen nicht gut an.

Hendrik Wüst
Geboren/Alter19. Juli 1975 (46 Jahre), Rhede
ParteiChristlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
AmtMinisterpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2021)
Vorherige ÄmterMinister für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen (2017–2021)
StudiumRechtswissenschaft an der Westfälische Wilhelms-Universität Münster (1995–2000)

Hendrik Wüst Kritik: Veggieday „passt nicht in diese Zeit“

Im Zuge der Landtagswahl in NRW wird der Wahlkampf der Parteien langsam spürbar. Es wird zunehmend in alle Richtungen ausgeteilt. Auch die CDU von Hendrik Wüst ist das keine Ausnahme. Seine neueste Kritik geht allerdings über NRW hinaus. „Der Bund muss nun zügig konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Potenziale unserer heimischen Landwirtschaft auszuschöpfen. Dass Teile der Bundesregierung lieber einen Veggieday machen, passt nicht in diese Zeit“, schrieb Wüst am Montag auf Twitter. Die Ampelkoalition im Bund wird von SPD, Grüne und FDP geführt.

Wüst erklärte zwar, dass die Lebensmittelversorgung in Deutschland gesichert sei, aber „viele ärmere Länder“ nun wegen des Ukraine-Kriegs Versorgungsprobleme kriegen werden. „Es ist unsere ethische Verantwortung, unsere Flächen zu nutzen“, sagte der CDU-Politiker. Am Montag hatte Wüst erklärt, was ihn an seinem Job als NRW-Ministerpräsident nervt.

Was ist der Veggieday?

Ein Veggieday ist ein Wochentag, an dem es in Großküchen wie Kantinen kein Gericht mit Fleisch und somit nur vegetarisches Essen gibt. Diesen gibt es oft bei einzelnen Kommunen, in Schulen oder Unternehmen. Die Grünen hatten in ihrem Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2013 gefordert, diesen in allen öffentlichen Kantinen einzuführen. Dies hatte anschließend zu einer Kontroverse mit großer öffentlicher Debatte geführt.

Bund-Kritik von Hendrik Wüst: Viel Gegenwind auf Twitter

Einige der Äußerungen von Wüst kamen bei vielen Twitter-Usern nicht gut an. Insbesondere die Veggieday-Anmerkung sorgt für Kritik. Mehrere Tweets widersprachen dem NRW-Ministerpräsidenten klar, mit dem Verweis, dass Tiermast und Tierfutter einen Großteil der Landwirtschaftsflächen belegen und dementsprechend ein Veggieday nicht schaden, sondern sogar helfen könnte. „Schön weiter ablenken“, schrieb in dem Kontext ein User.

Andere bezeichneten Wüst als „maximal unseriös“ und warfen im gar „Hetze“ vor. „Machen Sie erstmal Ihre eigenen Hausaufgaben in NRW“, hieß es in einer Antwort. Einer wenigen Kommentare schrieb: „NRW ist das bevölkerungsreichste Land und die CDU hat hervorragende Erfolge erzielt in den vier Jahren ihrer Regierungszeit, nachdem das Land durch die SPD völlig ruiniert worden war“.

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Alle aktuellen Infos zu Umfragen, Wahlkampf, Entscheidungen, Fristen und mehr gibt es im News-Ticker zur NRW-Landtagswahl 2022.

Lebensmittel-Versorgung NRW: Hendrik Wüst will keine Landwirtschafts-Flächen stilllegen

Sechs Landwirte aus dem Bereich des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) berichteten Hendrik Wüst am Montag über ihre Arbeit aus den Geschäftsbereichen Ackerbau, Schwein, Öko-Landbau, Milch, Geflügel und Gemüse. Dabei ging es laut Mitteilung des RLV um steigende Kosten für Kraftstoffe und Dünger sowie eine drohende Futterknappheit.

„Der Krieg in der Ukraine stellt unser Land vor neue Herausforderungen. Und er hat Auswirkungen auf die Versorgung vieler ärmerer Länder weltweit mit Lebensmitteln. Wir müssen und können unseren Beitrag zur weltweiten Versorgungssicherheit auch bei Nahrungsmitteln leisten. Dafür müssen wir das ganze Potenzial der heimischen Landwirtschaft nutzen“, sagte Wüst laut Mitteilung. Flächenstilllegungen wären jetzt in dieser besonderen Situation falsch.

„Hamsterkäufe sind nicht nötig“, sagte RLV-Präsident Bernhard Conzen. Er verwies aber vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine auf täglich steigende Produktionskosten für die Landwirte. (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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