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Todenhöfer kritisiert TV-Debatten der großen Parteien – „konnten unsere Ideen nirgendwo vortragen“ 

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Von: Peter Pauls

Der Politiker Jürgen Todenhöfer, Gründer und Vorsitzender von „Team Todenhöfer – die Gerechtigkeitspartei“.
Der Politiker Jürgen Todenhöfer, Gründer und Vorsitzender von „Team Todenhöfer – die Gerechtigkeitspartei“. © Oliver Weiken/dpa

Der bekannte USA-Kritiker Jürgen Todenhöfer führt seinen Bundestagswahlkampf auch von Kabul aus. Für eine Überraschung sind er und seine „Gerechtigkeitspartei“ sicher gut, findet unser Gastautor Peter Pauls.

Köln – Spannend fand ich den Wahlkampf der vergangenen Wochen nicht. Als ginge man ins Theater, ständig würde dasselbe Stück mit den gleichen HauptdarstellerInnen aufgeführt und als sei man in einer Zeitschleife gefangen. Mit wem werden sie wie und wann und unter welchen Umständen koalieren? Ich kann die Frage nicht mehr hören. Keiner der Kandidaten konnte wirklich überzeugen und jede Umfrage bestätigt diesen Eindruck aufs Neue. Allein schon deshalb sehne ich die Bundestagswahl herbei.


Eigentlich wäre dies der Moment der kleineren Parteien. 40 von ihnen treten am Sonntag an, manche werben mit neuen Ideen und Konzepten. Aber haben sie überhaupt eine realistische Chance, sich Gehör zu verschaffen und die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden? „Kleine Parteien haben es schwer in diesem Land“, sagt einer, der das politische Leben aus allen Blickwinkeln kennt. Jürgen Todenhöfer war 28 Jahre lang CDU-Bundestagsabgeordneter, dann einer der einflussreichsten Medienmanager Deutschlands und schließlich engagierter Buchautor und Pazifist. Mit 80 Jahren trat er aus der CDU aus und gründete seine „Gerechtigkeitspartei“.

Jürgen Todenhöfer wünscht sich TV-Debatten für kleine Parteien


Der Publizist erlebt das parteipolitische Leben nun von unten und formuliert interessante Gedanken. Auch er kritisiert die ewigen TV-Debatten der Großen und regt Runden an, die ähnlich wie die Vorwahlen in den USA funktionieren: „Warum lassen wir nicht die Spitzenkandidaten neuer Parteien gegeneinander antreten und das Publikum entscheiden?„, fragt er und bemängelt: „Wir konnten unsere Ideen nirgendwo vortragen. Ständig sehen wir immer die gleichen Gesichter und hören die immer dieselben Schlagworte?“ Sein „Team Todenhöfer“, wie die Partei sich auch nennt, sei im Wahlkampf häufig behindert worden, wie in Frankfurt etwa, wo jeder seiner 700 Zuhörer einzeln fotografiert worden sei.

Team Todenhöfer: Wahlkampf aus Kabul


Das Gespräch mit dem Politik-Veteranen war von außergewöhnlichen Umständen begleitet. Meine SMS-Anfrage aus Köln* nach einem Interview wurde mit „Bin in Kabul“ beschieden. Ich schrieb darauf der Partei-Sprecherin Sarah El Jobeili meine Fragen und bekam anderntags vier lange Sprachnachrichten Jürgen Todenhöfers aus der Hauptstadt Afghanistans, unterlegt von fernem Sirenengeheul. Seit 1979 beschäftigt er sich mit Afghanistan und ist einer der führenden Kenner des Landes. Jetzt gelang es ihm, mit einer Militärmaschine dorthin zu reisen, Gespräche zu führen und sich zu wundern. Die Berliner Regierung habe abgeschobene Schwerverbrecher zurückgeholt, berichtete er, bevor er zu politischen Gesprächen weitereilte.

Unser Gastautor Peter Pauls

Peter Pauls ist Vorsitzender des Kölner Presseclubs. Zuvor war er lange Jahre Chefredakteur der Tageszeitung „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dieser Beitrag stammt aus dem Newsletter des Kölner Presseclub.


Deutschland habe in Afghanistan einen guten Ruf, hat Todenhöfer stets gesagt und das gilt auch für ihn, den Islam-Kenner. Hier schließt sich ein Kreis zur Bundestagswahl, denn die „Gerechtigkeitspartei“ zielt auf ein Publikum, das dem Islam offen gegenübersteht. Es sind junge Menschen, die sich von gleich zwei Seiten bedrängt sehen: von muslimischen Eiferern ebenso wie von Teilen der deutschen Gesellschaft, die sie argwöhnisch betrachten und unter Extremismus-Verdacht stellen. In Todenhöfer, dessen Groß-Veranstaltungen stets bis auf den letzten Platz besetzt sind, finden sie jemanden, der sie versteht und ihnen politisch eine Heimat gibt. Die „Gerechtigkeitspartei“ ist nicht von ungefähr gegen Rassismus, Antisemitismus und Anti-Islamismus. Inwieweit sich das in Stimmen niederschlagen wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber für eine Überraschung sind diese Partei und ihr Vorsitzender sicher gut. (pp)

Jürgen Todenhöfer & die „Gerechtigkeitspartei“

Jürgen Todenhöfer in den 1980er in Afghanistan.
Jürgen Todenhöfer in den 1980er Jahren in Afghanistan. © Todenhöfer

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