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NRW Wahl: Deutliche Verluste für die AfD – bleibt aber als schwächste Kraft im Landtag

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Von: Fabian Hartmann

Bei der Landtagswahl in NRW hat die AfD deutliche Verluste einstecken müssen. Trotzdem schafft sie knapp den Einzug ins Parlament.

Update vom 16. Mai, 00:45 Uhr: Die finalen Ergebnisse zur Landtagswahl in NRW zeichnen sich langsam aber sicher ab. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass es die AfD wohl wieder in den Düsseldorfer Landtag geschafft hat. Jedoch dürfte der Wiedereinzug relativ knapp gelingen. Die Partei kommt in den Hochrechnungen nach Mitternacht auf circa 5,4 Prozent der Stimmen. Das wären rund 2 Prozent weniger als bei der NRW-Landtagswahl 2017.

Landtagswahl in NRW: Wird es für die AfD auch im Westen eng?

Erstmeldung vom 14. Mai: Köln – Die AfD hat auch in Nordrhein-Westfalen schwach abgeschnitten. Laut erster Hochrechnung (ARD) kommt die Partei im Westen auf 5,9 Prozent. Ein Verlust im Vergleich zur Landtagswahl 2017. Da erreichte die AfD 7,4 Prozent. Für den Wiedereinzug in den Landtag sollte es aber reichen. Doch der Wert der Hochrechnung ist ohne Frage ein Dämpfer. Lange Zeit war es so: Die AfD feierte Erfolg um Erfolg. War die Partei einmal in ein Landesparlament eingezogen, hielt sie sich dort auch nach der nächsten Wahl. Bis Schleswig-Holstein kam. Am vergangenen Wochenende flog die Partei aus dem Landtag, erstmals reichte es nicht zum Wiedereinzug – ein Novum für die AfD.

Vor der Landtagswahl in NRW steigt die Anspannung in der Partei. NRW gilt nicht umsonst als „kleine Bundestagswahl“. Rund 13 Millionen Menschen sind zwischen Rhein und Ruhr zur Wahl aufgerufen. Damit ist NRW immer auch ein Stimmungstest für den Bund. Bei der Landtagswahl 2017 holte die AfD hier 7,4 Prozent. Die letzten Umfragen zur NRW-Wahl sahen die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Markus Wagner zwischen sechs und acht Prozent. Das sollte reichen. Eigentlich.

NRW-Wahl: Warum die AfD in Umfragen schlechter abschneidet

Dafür gibt es vor allem einen Grund: Die AfD schneidet in Umfragen traditionell schlechter ab, als es dann am Wahltag der Fall ist. Das liegt unter anderem daran, dass AfD-Wähler seltener an Umfragen teilnehmen und wenn sie es doch tun, ihre Wahlabsicht verschleiern. Sie geben die Antwort, von der sie glauben, dass der Gegenüber sie hören will. Je weiter eine Partei von der Mitte entfernt ist, desto häufiger tritt dieses Phänomen auf. Politikwissenschaftler sprechen von „Verzerrung durch soziale Erwünschtheit“ im Antwortverhalten.

Abschlussveranstaltung der AfD zur Landtagswahl: Spitzenkandidat Markus Wagner hält eine Rede.
Will den Wiedereinzug in den Landtag schaffen: AfD-Spitzenkandidat Markus Wagner © Roland Weihrauch/dpa

Liegt die AfD in Umfragen also bei acht Prozent, kann es gut sein, dass sie bei der Wahl auf zehn Prozent oder mehr kommt. Wird die NRW-Landtagswahl damit zum Selbstläufer für die Partei? Nun: Auch hier lohnt der Blick in Richtung Küste. Schleswig-Holstein hat mit vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten gebrochen. Im Norden lag die Partei vor der Wahl in Umfragen bei rund sechs Prozent. Am Ende hat es trotzdem nicht gereicht. Auch bei der Saarland-Wahl im März schnitt die AfD schlechter ab, sie schaffte es mit 5,7 Prozent gerade noch so in den Landtag.

Landtagswahl in NRW: AfD mit großer Nähe zu Russland

Womöglich schreckt es potenzielle Wähler ab, dass der Verfassungsschutz die Partei inzwischen als rechtsextremen Verdachtsfall ins Visier genommen hat. Die innerparteiliche Zerstrittenheit – Stichwort Umgang mit Russland – dürfte ein weiterer Grund für sinkende Zustimmungswerte sein. Auch in NRW ringt die Partei um ihren Kurs. Im Bundestag hat der NRW-Abgeordnete Roger Beckamp zuletzt für Waffenlieferungen an die Ukraine gestimmt – entgegen der Parteilinie. Doch Beckamp scheint eine Ausnahme zu sein. Recherchen von Correctiv haben gezeigt, dass es gerade in der NRW-AfD eine große Nähe zu Russland gibt.

NRW-Wahl: AfD-Parteichef Chrupalla zeigt sich optimistisch

Auffällig ist zudem, dass die Partei für Protestwähler offenbar weniger attraktiv geworden ist. Bei der Nord-Wahl 2017 bezeichneten sich noch 60 Prozent der AfD-Wähler als Protestwähler, am Sonntag waren es nur noch 45 Prozent. AfD-Parteichef Tino Chrupalla ist dennoch optimistisch, dass seiner Partei in NRW der Turnaround gelingt. Schleswig-Holstein sei eine reine Personen-Wahl gewesen mit großer Zufriedenheit mit der Landesregierung und dem Ministerpräsidenten. „In NRW sieht das ein bisschen anders aus.“ (fh) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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