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NRW-Wahl: Niedrigste Wahlbeteiligung aller Zeiten droht

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Von: Max Müller

Eine Wahlhelferin sortiert Stimmzettel auf einem Tisch zur Auszählung nach Parteien.
Wenn sich die ersten Prognosen bestätigen, haben die Wahlhelfer in NRW so wenig zu tun wie noch nie. © Philipp von Ditfurth/dpa

Die Wahlbeteiligung bei der NRW-Wahl könnte mit der niedrigsten Prozentzahl aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Ein starkes Indiz sprach eigentlich dagegen.

Düsseldorf – Seit 18 Uhr laufen die ersten Prognosen und Hochrechnungen der Landtagswahl in NRW über die Bildschirme. Im ersten Moment geht es vor allem um ein Thema: Welche Partei konnte wie viel Prozent der Stimmen holen? Über eine zweite Zahl wird, wenn überhaupt, erst in den Stunden und Tagen danach gesprochen. Das könnte diesmal anders sein, denn mit einer Wahlbeteiligung von 56 Prozent, so weisen es die ersten Prognosen aus, hätten die Wähler NRW einen neuen Negativrekord aufgestellt.

An der Wahlbeteiligung lässt sich sehr gut ablesen, wie viele Menschen sich für eine Wahl interessieren. Je mehr Wähler ihre Stimme nutzen, desto geringer ist die Politikverdrossenheit, so geht zumindest eine politikwissenschaftliche Lesart. Insgesamt bedeutet eine höhere Wahlbeteiligung in der Regel auch: Die repräsentative Demokratie wird von der Bevölkerung geschätzt.

Landtagswahl in NRW 2022: Wie viele Menschen wählten 2017?

Bei der vergangenen Landtagswahl 2017 haben in Nordrhein-Westfalen knapp zwei Drittel (65,2 Prozent) der 13,2 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Besonders interessant: Mit dem Alter wuchs dabei offensichtlich das Interesse, seine Stimme abzugeben. Während bei den 21- bis 24-Jährigen die Wahlbeteiligung nur bei gut der Hälfte der Wahlberechtigten lag (50,4 Prozent der Männer und 52,4 Prozent der Frauen) stieg sie bei den Altersgruppen ab 45 Jahren auf Werte über dem Landesschnitt. Am höchsten lag die Beteiligung mit 75,4 Prozent bei Männern ab 70 Jahren. Insgesamt war die Wahlbeteiligung laut IT.NRW von Männern mit 65,5 Prozent höher als die von Frauen (64,6 Prozent).

Wahlbeteiligung: Höchste Quote bei NRW-Wahl 1980 erreicht

Doch wie sind die Zahlen einzuschätzen, wenn man sie historisch einordnet? Bis ins Jahr 1947 sind die Wahlbeteiligungen ausgewiesen. Seitdem wurde in Nordrhein-Westfalen 17 mal gewählt. Legt man die Zahlen nebeneinander und zieht eine Kurve, fällt auf: Die Linie steigt zunächst langsam an, erreicht den Höhepunkt mit 86,1 Prozent im Jahr 1975 – und flacht in der Folge umso schneller ab. Besonders mager war das Jahr 2000 mit 56,7 Prozent, seitdem ging es wieder bergauf. Doch die Wahl im Jahr 2022 könnte die Latte nochmal etwas nach unten legen.

JahrWahlbeteiligung
194767,3 Prozent
195072,3 Prozent
195472,6 Prozent
195876,6 Prozent
196273,4 Prozent
196676,5 Prozent
197073,5 Prozent
197586,1 Prozent
198080 Prozent
198575,2 Prozent
199071,8 Prozent
199564 Prozent
200056,7 Prozent
200563 Prozent
201059,3 Prozent
201259,6 Prozent
201765,2 Prozent

NRW-Wahl: In diesen Wahlkreisen war die Quote 2017 am höchsten

Bei der letzten Landtagswahl 2017 konnte ein Kölner Wahlkreis das Rennen um die höchste Wahlbeteiligung gewinnen. Essen und Münster folgten auf den Plätzen 2 und 3.

  1. Köln II 75,0%
  2. Essen IV 74,2%
  3. Münster I 73,3%
  4. Rhein-Kreis Neuss III 73,0%
  5. Coesfeld I – Borken III 72,2%
  6. Rheinisch-Bergischer Kreis II 71,7%
  7. Bochum II 71,3%
  8. Rheinisch-Bergischer Kreis I 71,2%
  9. Rhein-Sieg-Kreis III 71,2%
  10. Coesfeld II 71,1%

Vor NRW-Landtagswahl 2022: Deutlich mehr Briefwahlanträge in Städten

Eigentlich gab es im Vorfeld ein Indiz für eine höhere Wahlbeteiligung: Tausende Menschen hatten nämlich bereits per Briefwahl abgestimmt. Viele große Städte meldeten deutlich mehr Briefwahlanträge als bei der Landtagswahl 2017. In Düsseldorf gingen zum Beispiel mit 123.668 Briefwahlanträgen bereits bis zum 6. Mai mehr Anträge beim Wahlamt ein als bei der gesamten Landtagswahl vor fünf Jahren.

Auch Köln meldete einen Briefwahl-Rekord: Etwa 254.000 Menschen hätten bisher schon die Briefwahl beantragt, so viele wie nie zuvor bei einer Landtagswahl, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Rund 65 Prozent der Unterlagen seien zudem bereits zurückgeschickt worden. Bielefeld, Dortmund und Essen verzeichnen ebenfalls höhere Zahlen. (mm) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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