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NRW: Umfrage-Landtagswahl – schadet Heinen-Essers Rücktritt Wüst?

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Von: Max Müller

Die Silhouette einer Hand mit einem Wahlschein ist hinter der nordrhein-westfälischen Landesfahne zu sehen.
In Nordrhein-Westfalen wird am 15. Mai ein neuer Landtag gewählt. © Bernd Thissen/dpa

Es ist eines der dominierenden Themen vor der NRW-Landtagswahl: die „Mallorca-Affäre“ um Ursula Heinen-Esser. Umfragen zeigen, wie das die Wähler beeinflusst.

Köln – Der Rücktritt der ehemaligen NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser überschattet nach wie vor die NRW-Landtagswahl. Dabei stellt sich die Frage: Wie beeinflusst die Mallorca-Affäre eigentlich die Wähler in NRW? Der „NRW-Check“, eine Umfrage der nordrhein-westfälischen Tageszeitungen, zeigt, ob auch Ministerpräsident Hendrik Wüst und die gesamte CDU Schaden genommen haben und ob Thomas Kutschaty, Spitzenkandidat der SPD, profitieren konnte.

Landtagswahl in NRW: Wie groß ist das Interesse am Fall Heinen-Esser?

Zunächst wollten die Forscher wissen, wie groß das Interesse an der Causa Heinen-Esser überhaupt ist. Zur Erinnerung: Ursula Heinen-Esser feierte kurz nach der Flut auf Mallorca den Geburtstag ihres Mannes – und verstrickte sich in der Aufarbeitung in Widersprüche.

Für die Umfrage wurden Menschen gefragt, wie groß ihr Interesse an dem Thema grundsätzlich ist. Aufgeschlüsselt sind die Ergebnisse nach Parteienpräferenz. Dabei spiegeln die Ergebnisse der CDU-Anhänger ziemlich genau das wider, was auch der Querschnitt denkt: Etwa ein Viertel interessiert sich sehr für Heinen-Essers Rücktritt, knapp die Hälfte hat etwas Interesse und etwa ein Viertel interessiert sich nicht dafür.

BefragungsgruppeSehr großes InteresseEtwas InteresseKein Interesse
CDU-Anhänger28 Prozent48 Prozent24 Prozent
FDP-Anhänger14 Prozent55 Prozent31 Prozent
SPD-Anhänger34 Prozent46 Prozent20 Prozent
Grünen-Anhänger30 Prozent50 Prozent20 Prozent
AfD-Anhänger37 Prozent40 Prozent23 Prozent
Insgesamt29 Prozent48 Prozent23 Prozent

NRW-Landtagswahl: Sollten Ina Scharrenbach und Stephan Holthoff-Pförtner auch zurücktreten?

Zwar steht Ursula Heinen-Esser im Zentrum der „Mallorca-Affäre“, es gibt aber noch weitere Politiker, die an der umstrittenen Geburtstagsfeier von Heinen-Essers Mann teilgenommen haben. Bauministerin Ina Scharrenbach, Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner und Bundestagsabgeordnete Serap Güler (alle CDU) waren kurz nach der Flut ebenfalls auf Mallorca. Ob Holthoff-Pförtner und Scharrenbach wie Heinen-Esser zurücktreten sollten, wurde abgefragt. Das Ergebnis: Immerhin 24 Prozent aus der eigenen Partei sagen „Ja“.

BefragungsgruppeJa, sollten zurücktretenNein, können im Amt bleibenWeiß nicht
CDU-Anhänger24 Prozent67 Prozent9 Prozent
FDP-Anhänger26 Prozent69 Prozent5 Prozent
SPD-Anhänger43 Prozent50 Prozent7 Prozent
Grünen-Anhänger39 Prozent54 Prozent7 Prozent
AfD-Anhänger60 Prozent37 Prozent3 Prozent
Insgesamt36 Prozent56 Prozent8 Prozent

Das ist die Umfrage

Für den „NRW-Check“ befragte Forsa in der Zeit vom 4. bis 11. April insgesamt 1821 Wahlberechtigte in Nordrhein-Westfalen – 865 in der Zeit vom 4. bis 7. April (bis zum Rücktritt Heinen-Essers) und 956 vom 8. und 11. April (nach dem Rücktritt). Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtbevölkerung Nordrhein-Westfalens. Sie zeigt neben den Erkenntnisse zu Heinen-Esser: SPD und CDU liegen in NRW aktuell gleich auf.

Landtagswahl 2022: Welche Partei wird mit Problemen in NRW am besten fertig?

Interessanterweise fragten die Forscher ihre Ergebnisse bei drei Fragen in zwei Zeiträumen ab – zwischen 4. und 7. April und von 8. bis 11. April. Das ist insofern spannend, als der Rücktritt von Ursula Heinen-Esser am 7. April angekündigt wurde. Somit geben diese Daten einen Hinweis darauf, wie sich der Rücktritt unmittelbar auswirkt. Angesichts der Zahlen, welche Partei mit den Problemen in NRW am besten fertig wird, kann die CDU aufatmen: Sie bleibt bei 24 Prozent. Auch die anderen Parteien können kaum Gewinne erzielen.

ParteiNRW-Check Anfang MärzBefragung 4. bis 7 April8. bis 11. April
CDU21 Prozent24 Prozent24 Prozent
FDP16 Prozent23 Prozent23 Prozent
Grüne7 Prozent11 Prozent11 Prozent
FDP5 Prozent5 Prozent4 Prozent
Sonstige6 Prozent3 Prozent3 Prozent
Keine Partei45 Prozent34 Prozent35 Prozent

Zufriedenheit mit der NRW-Regierung – vor und nach der Affäre um Heinen-Esser?

Kleiner Veränderungen ergeben sich bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Regierung in Düsseldorf. Die Ergebnisse zeigen: Hatten sich in der Befragung „vor der Affäre“ noch 50 Prozent der Wählerinnen und Wähler mit der Landesregierung zufrieden gezeigt, waren es danach noch 48 Prozent. Korrespondierend dazu stieg der Anteil der Unzufriedenen von 47 auf 50 Prozent.

AntwortBefragung 4. bis 7 April8. bis 11. AprilDifferenz
Zufrieden mit NRW-Regierung50 Prozent48 Prozent– 2 Prozent
Unzufrieden mit NRW-Regierung47 Prozent50 Prozent+ 3 Prozent
Weiß nicht3 Prozent2 Prozent– 1 Prozent

Zufriedenheit mit den NRW-Spitzenkandidaten – vor und nach der Affäre um Heinen-Esser

Beim Direktvergleich zwischen den Kandidaten liegt Hendrik Wüst weiter vorn in der Wählergunst. Dennoch verlor er drei Punkte im Vergleich zum Wert vor Heinen-Essers Rücktritt. Thomas Kutschaty konnte vier Punkte aufholen.

MinisterpräsidentBefragung 4. bis 7 April8. bis 11. AprilDifferenz
Hendrik Wüst44 Prozent41 Prozent– 3 Prozent
Thomas Kutschaty30 Prozent34 Prozent+ 4 Prozent
Keiner26 Prozent25 Prozent– 1 Prozent

Wird das Ansehen von Hendrik Wüst durch den Rücktritt von Heinen-Esser beeinträchtigt?

Ministerpräsident Hendrik Wüst ist zwar nicht in die „Mallorca-Affäre“ verwickelt, trotzdem stellt die Opposition Fragen: Wann wusste Hendrik Wüst über Feier und Reise von Ursula Heinen-Esser Bescheid? Ob von den Verwerfungen in der CDU auch etwas negativ auf Wüst zurückfällt – darüber konnte bislang nur spekuliert werden. Konrad Adenauer (Urenkel des ersten deutschen Bundeskanzlers) äußerte im Zusammenhang mit dem Fall Heinen-Esser den Verdacht, dass Wüsts Werte sinken könnten. Tatsächlich sieht es jedoch so aus, dass überwiegende Teile der CDU anderer Meinung sind.

BefragungsgruppeSehr beeinträchtigtEtwas beeinträchtigtGar nicht beeinträchtigt
CDU-Anhänger9 Prozent50 Prozent41 Prozent
FDP-Anhänger13 Prozent48 Prozent39 Prozent
SPD-Anhänger20 Prozent48 Prozent32 Prozent
Grünen-Anhänger16 Prozent50 Prozent34 Prozent
AfD-Anhänger23 Prozent40 Prozent37 Prozent
Insgesamt16 Prozent49 Prozent35 Prozent

Wird das Verhalten von Heinen-Esser der CDU bei der NRW-Landtagswahl schaden?

Eng mit CDU-Spitzenkandidat Hendrik Wüst zusammen hängt natürlich auch die Frage, wie das Wahlergebnis der CDU beeinflusst werden könnte. Auch in diesem Punkt glauben nur 20 Prozent, dass der Fall Heinen-Esser einen großen Einfluss haben wird.

BefragungsgruppeSehr schadenEtwas schadenGar nicht schaden
CDU-Anhänger14 Prozent63 Prozent23 Prozent
FDP-Anhänger13 Prozent57 Prozent30 Prozent
SPD-Anhänger25 Prozent53 Prozent22 Prozent
Grünen-Anhänger19 Prozent60 Prozent21 Prozent
AfD-Anhänger33 Prozent40 Prozent27 Prozent
Insgesamt20 Prozent57 Prozent23 Prozent

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