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Luisa Neubauer will Lützerath verteidigen – und zieht über Mona Neubaur und Robert Habeck her

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Von: Peter Sieben

Klimaaktivistin Luisa Neubauer sitzt am Tagebau Garzweiler
Klimaaktivistin Luisa Neubauer in Lützerath am Tagebau Garzweiler. (Archivbild) © David Young/dpa

Lützerath soll bald geräumt werden. Jetzt schaltet sich Klimaaktivistin Luisa Neubauer ein – und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Grünen.

Köln – In Lützerath spitzt sich der Konflikt weiter zu: RWE will den Ort abreißen, rund 100 Aktivistinnen und Aktivisten wollen das verhindern und besetzen den Ort illegal. Aktuell kommt es immer wieder zu kleineren Rangeleien mit der Polizei in Lützerath. Jetzt schaltet sich auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer ein. Sie ruft via Twitter zur Verteidigung des Dorfes am Tagebau Garzweiler auf – und geht dabei mit ihrer eigenen Partei, den Grünen, hart ins Gericht. Vor allem NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck bekommen ihr Fett weg.

Luisa Neubauer: Die Grünen machen in Lützerath „einen großen Fehler“

„In Lützerath beginnt die Räumung. Die Grünen machen damit einen großen Fehler“, schreibt Neubauer. „Die Grünen (Habeck & Neubaur) haben ihre Entscheidung gegen Lützerath auf Zahlen gestützt, die von RWE kommen. Die Zahlen sollen auch im Sinne der Grünen „Klimavorteile“ belegen, sind aber nachweislich falsch.“

Fünf Dörfer gerettet – doch Lützerath wird geopfert

Neubaur und Habeck hatten sich mit RWE auf den vorgezogenen NRW-Kohleausstieg 2030 verständigt. Dafür werden die fünf Orte Keyenberg, Berverath, Kuckum, Ober- und Unterwestrich vor dem Abriss bewahrt. Lützerath aber wird geopfert. Mona Neubaur hatte erst vor wenigen Wochen argumentiert, dass die Lützerath-Räumung und der Abriss des Ortes aus energiepolitischer und tagebauplanerischer Sicht unumgänglich sei.

Das allerdings widerlegt eine Studie zum Tagebau Garzweiler, an der unter anderem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Europa-Universität Flensburg, der TU Berlin und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beteiligt sind. Demnach wird die Braunkohle unter Lützerath nicht benötigt, um die Energieversorgung in Deutschland sicherzustellen.

RWE: „Notorisch unglaubwürdiger Kohlekonzern“

Luisa Neubauer kommentiert das bei Twitter so: „Im Falle von Lützerath sind es also auf einmal Grüne Spitzenpolitiker:innen, die Grundsatzentscheidungen an widerlegten Zahlen eines notorisch unglaubwürdigen Kohlekonzerns orientieren.“ Der „Deal zwischen Grünen und RWE“ solle als fairer Kompromiss gelten, den die Klimabewegung gut finden müsse, doch der Deal sei die Unterwanderung eines Kompromisses, so Neubauer.

Denn der Grund-Kompromiss, an den die Regierung sich zu halten habe, sei das Pariser Klimaabkommen und das das 1,5-Grad-Ziel. „Damit DE seinen gerechten Beitrag dazu leisten kann, muss die Menge an Kohle, die in DE noch verbrannt wird, drastisch reduziert werden“, schreibt die Klimaaktivistin. Lützerath werde deshalb auch als deutsche 1,5-Grad-Grenze bezeichnet.

Neubauer will Lützerath gegen Räumung verteidigen

„Kurzum, die Grünen haben ein Ziel der Klimabewegung genommen (Kohleausstieg 2030), komplett entkernt (in dem man den Zeitraum bis 2030 mit Kohleverbrennung derart vollgestopft hat, dass mehr CO2 produziert wird als ohne Deal) und fordern die Klimabewegung nun auf zu klatschen“, empört sich Neubauer.

Zum Schluss des Twitter-Threads ruft sie zur Verteidigung von Lützerath auf: „Wer gesellschaftlichen Frieden und Klimaschutz will, der setzt sich politisch für ein Räumungsmoratorium von Lützerath ein – oder verteidigt mit uns zusammen das Dorf. Jeder Tag zählt, es ist 2023 und wir haben kein weiteres Dorf mehr zu verlieren. Wir sehen uns in Lützerath.“

Innerhalb von zwei Stunden wurde der Tweet bereits hunderte Male geteilt. Am Sonntag (8. Januar) will Luisa Neubauer Lützerath besuchen. (pen)

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