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Gorbatschow-Beerdigung am Samstag: Ein deutscher Vertreter in Moskau dabei – Putin erweist vorher die Ehre

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Von: Astrid Theil, Andreas Schmid

Michail Gorbatschow wird am Samstag beerdigt. Wladimir Putin wird nicht dabei sein. CSU-Chef Söder ruft nach einem Gedenken in Deutschland – ebenso wie Gregor Gysi.

Update vom 3. September, 17.15 Uhr: Mehrere Tausend Menschen haben am Samstag in Moskau vom letzten sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow Abschied genommen. Vor dem Haus der Gewerkschaften in Sichtweite des Kremls bildete sich über Stunden eine lange Schlange, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. In dem Gebäude lag der Leichnam des ehemaligen Staats- und Parteichefs in einem großen Raum mit Säulen im offenen Sarg - so war das schon bei früheren Sowjetführern nach deren Tod üblich. Gorbatschows Tochter Irina nahm, schwarz gekleidet und mit dunkler Maske vor dem Mund, Beileidsbekundungen entgegen.

Michail Gorbatschow: Flaggen in Berlin auf halbmast

Update vom 3. September, 11.30 Uhr: Als Zeichen der Trauer um den russischen Friedensnobelpreisträger und früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow sind in Berlin Flaggen auf halbmast gesetzt worden. Vor dem Kanzleramt hingen am Samstag, dem Tag von Trauerfeier und Beerdigung in Moskau, Bundesflagge und Europafahne in Trauerbeflaggung.

In Erinnerung an Gorbatschow als Ehrenbürger Berlins hatte auch das Bundesland Trauerbeflaggung angeordnet. Damit sollten nach Angaben von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) die Verdienste Gorbatschows „für die politische Wende in der DDR“ angemessen gewürdigt werden. „Er hat mit der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrags den Weg zur Deutschen Wiedervereinigung und einem geeinten Berlin mitbereitet.“ Gorbatschow gilt als einer der Väter der Deutschen Einheit und als Wegbereiter für das Ende des Kalten Krieges.

Dimitri Medwedew: früherer russischer Präsident bei Trauerfeier

Update vom 3. September, 11.00 Uhr: Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew hat dem verstorbenen ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow die letzte Ehre erwiesen. Anders als der amtierende Präsident Wladimir Putin kam der heutige Vizechef des Sicherheitsrats zu der Trauerfeier in Moskau, wie russische Nachrichtenagenturen meldeten. Medwedew legte im Haus der Gewerkschaften unweit des Kremls Blumen am Sarg nieder.

Viktor Orban in Moskau: Teilnahme an Trauerfeier

Update vom 3. September, 10.00 Uhr: Der ungarische Regierungschef Viktor Orban hat eine Reise nach Moskau und seine Teilnahme an der Trauerfeier für den verstorbenen sowjetischen Ex-Präsidenten Michail Gorbatschow angekündigt. Orban wolle Gorbatschow „die letzte Ehre erweisen“, teilte das Außenministerium am Samstag auf Twitter mit. Der Kreml betonte umgehend, dass kein Treffen zwischen Orban und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geplant sei. Orban steht für seinen Russland-Sonderweg innerhalb der EU in der Kritik. Ihm wird eine zu starke Moskau-Nähe vorgeworfen. Unter anderem hat Ungarn als einziges EU-Land seit Beginn des Ukraine-Krieges den Gas-Bezug aus Russland erhöht.

Update vom 3. September, 09.27 Uhr: In Moskau hat am Samstag die Trauerfeier für den ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow begonnen. Hunderte Menschen versammelten sich am Haus der Gewerkschaften unweit des Kremls. Dort wurde der Leichnam des Friedensnobelpreisträgers aufgebahrt. Viele warteten mit Blumen in den Händen vor dem Gebäude. Gorbatschow war am Dienstag im Alter von 91 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben.

Am frühen Nachmittag soll der frühere Staats- und Parteichef auf dem Moskauer Prominentenfriedhof am Neujungfrauenkloster in der Nähe des Stadtzentrums neben seiner Frau Raissa bestattet werden. Ein Staatsbegräbnis gibt es nicht - anders als nach dem Tod des Präsidenten Boris Jelzin (1931-2007). Deutschland wird durch den Geschäftsträger der Botschaft in Moskau vertreten. Es reisten keine führenden Politiker aus dem Westen zu dem Begräbnis an. Grund hierfür sind die Sanktionen wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Russlands amtierender Präsident Wladimir Putin ist ebenfalls nicht anwesend - nach Angaben des Kremls aus Termingründen.

Update vom 2. September, 15 Uhr: Am Samstag findet die Trauerfeier von Michail Gorbatschow in Moskau statt. Vertreter der Bundesregierung sind nicht dabei. Deutschland wird aber durch einen hochrangigen Mitarbeiter der deutschen Botschaft repräsentiert. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, die Bundesregierung werde „durch den Geschäftsträger unserer Botschaft in Moskau vertreten sein“. Botschafter Géza Andreas von Geyr „kann aufgrund eines positiven Corona-Tests nicht selbst teilnehmen“, fügte er hinzu. „Deshalb wird sein protokollarischer Vertreter anwesend sein.“

Russlands Präsident Wladimir Putin wird derweil fehlen. „Der Zeitplan erlaubt es nicht“ (siehe Erstmeldung). Putin weilt derzeit in Kaliningrad, wo er übrigens ein neues Kriegsziel definierte. Der Kremlchef hatte sich am Donnerstag von Gorbatschow, dem letzten Präsidenten der Sowjetunion verabschiedet. Russische Medien veröffentlichten ein Video, dass Putin dabei zeigt, wie er sich vom im Sarg aufgebahrten Gorbatschow im Moskauer Zentralkrankenhaus verabschiedet. Putin legte einen Strauß Rosen nieder.

Gorbatschow-Beerdigung: Putin sagt ab - „Zeitplan erlaubt es nicht“

Erstmeldung vom 1. September: Moskau – Wladimir Putin wird nicht an der staatlichen Trauerfeier für den ehemaligen sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow teilnehmen. Die Beerdigung findet am Samstag (3. September) in Moskau statt. Putin hat allerdings keine Zeit, wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge sagte.

Putins sei auf Dienstreise in Kaliningrad und könne deshalb nicht teilnehmen. „Wir wissen, dass die Hauptzeremonie sowie die Bestattung am 3. September stattfinden – aber der Zeitplan des Präsidenten erlaubt es ihm nicht, anwesend zu sein“, sagte Peskow. Putin werde sich aber am Donnerstag persönlich im Moskauer Zentralkrankenhaus von Gorbatschow verabschieden. Dort war der letzte Präsident der Sowjetunion am Dienstag nach längerer Krankheit im Alter von 91 Jahren gestorben. Unklar ist derzeit, ob ausländische Politiker an dem Begräbnis teilnehmen werden.

In Deutschland gibt es derweil auch deshalb Rufe nach einer Gedenkveranstaltung für Gorbatschow. CSU-Chef Markus Söder forderte im Münchner Merkur einen „deutschen Trauerakt“. Deutschland habe Gorbatschow viel zu verdanken. „Er ist einer der Väter der Wiedervereinigung und hat Millionen Menschen ihre Freiheit geschenkt. Das muss Deutschland würdigen.“ Söder sagte weiter: „Gorbatschow stand für einen Weg zu Frieden und Freiheit und ist Vorbild gerade in der heutigen Zeit.“

Michail Gorbatschow ist Tod. Im Westen trauern die Staatschefs. Putin kondolierte den Angehörigen, doch der Zerfall der Sowjetunion ist nicht vergessen.
Michail Gorbatschow starb in Moskau im Alter von 91 Jahren. © Maksim Blinov/IMAGO

Gorbatschow: Söder und Gysi fordern deutschen Trauerakt

Ähnlich äußerte sich Linke-Politiker Gregor Gysi im Spiegel. „Es sollte ein besonderes Gedenken geben, weil Michail Gorbatschow einen wichtigen Beitrag zu Frieden, Abrüstung und der deutschen Einheit geleistet hat.“ Der langjährige Fraktionschef sprach von einer Gedenkveranstaltung, „auf der man den Unterschied zwischen Putin und Gorbatschow deutlich macht“. Dies solle dazu beitragen, dass „die scharfe Kritik an Putin nicht zu einer Ablehnung von Gesamtrussland führt“.

Während Politiker im Westen Gorbatschows Friedensverdienste und die Wiedervereinigung Deutschlands lobten, fielen die Reaktionen in Russland gemischt aus. Viele Politiker machten den ehemaligen Staatschef für den Zerfall der Sowjetunion verantwortlich. Putin hatte in einem Beileidstelegramm Gorbatschows Reformeifer und dessen langjährige humanitäre Aktivitäten gewürdigt.

Peskow erklärte, dass die Trauerfeier „Elemente eines Staatsbegräbnisses“ enthalten werde, beispielsweise eine Ehrenwache. Genauere Details nannte er nicht. Kanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Mittwoch, dass nicht der Zeitpunkt sei, um „über Reisen zu reden“. Er hoffe allerdings, „dass der russische Staat seinem früheren Staats- und Regierungschef die Ehre erweist, die ihm gebührt.“ (as/cd/dpa)

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