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„Partyurlaub“ auf Mallorca? Scharfe Kritik an NRW-Ministern nach Flutkatastrophe

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Von: Oliver Schmitz

Montage: Links ein Bild von einem Strand in Mallorca und rechts ein Bild von NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. (Montage)
NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser war wegen eines Mallorca-Urlaubs in die Kritik geraten. (Montage) © Westend61/Imago & Federico Gambarini/dpa

Neben Ursula Heinen-Esser waren auch zwei weitere NRW-Minister kurz nach der Flutkatastrophe auf Mallorca. Der Grund: Ein Geburtstag. Die SPD reagiert entsetzt.

Düsseldorf/Mallorca – Rund zehn Tage nach der Flutkatastrophe im Juli in Nordrhein-Westfalen war nicht nur die Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf der Urlaubsinsel, sondern auch weitere Mitglieder der Landesregierung. Offenbar haben diese zusammen Geburtstag gefeiert. Die SPD übte umgehend scharfe Kritik und erklärte, diese sei „nicht mehr länger tragbar“. Am 12. April ist dann klar: Auch CDU-Staatssekretär Jan Heinisch war während der Flut im Urlaub.

Mallorca-Urlaub: CDU-Minister und Staatssekretärin flogen nach Flut zu Geburtstagsfeier

Laut einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeiger sollen für die Geburtstagsfeier des Ehemanns von Heinen-Esser auch NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach, Europaminister Stephan Holthoff-Pförtner und die damalige Staatssekretärin Serap Güler nach Mallorca geflogen sein. Alle drei sind Mitglieder der CDU. „Ich bestätige das“, sagte Heinen-Esser am Donnerstag gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur. Alle drei hätten am 23. Juli an der Feier teilgenommen. Das Umweltministerium und auch das Bauministerium äußerten sich zu einer dpa-Anfrage zunächst nicht.

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin steht bereits seit Längerem in der Kritik, weil sie ihren Mallorca-Urlaub nach dem Hochwasser am 14. Juli zwar kurz unterbrochen, dann aber fortgesetzt hatte. Diesen Schritt hatte sie damit begründet, sie habe ihre minderjährige Tochter zurückholen müssen, die mit Freundinnen auf der Insel zurückgeblieben war. Von einer Geburtstagsfeier hatte sie auch im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss bisher nichts mitgeteilt. Heinen-Esser wird am 22. April im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe erneut zu ihrer Reise aussagen.

Flutkatastrophe in NRW

Mitte Juli 2021 zog ein schweres Unwetter über Westeuropa und Nordrhein-Westfalen. Dabei entstanden verheerende Schäden im zweistelligen Milliarden-Bereich. Der Bund hatte 30 Milliarden Sondervermögen für den Wiederaufbau bereitgestellt. Allein in NRW gab es 49 Todesopfer.

NRW-Minister auf Mallorca: SPD übt Kritik an „Partyurlaub“ – Kühnert gehässig, Kutschaty entsetzt

Die Landtags-Opposition in Form der SPD übte scharfe Kritik. In einem Twitter-Post sprach die Partei von einem „Mallorcagate“, denn gleich mehrere CDU-Minister und eine Staatssekretärin seien während der Hochwasserkrise „in den Partyurlaub geflogen“. Nun fordert die SPD Aufklärung. Bundes-Generalsekretär Kevin Kühnert kommentierte den Vorfall derweil mit einem spöttischen Kommentar.

SPD-Landeschef Thomas Kutschaty zeigte sich derweil schockiert: „Ein solch instinkt- und pietätloses Verhalten ist durch nichts zu rechtfertigen“. Er kritisierte, dass mit Heinen-Esser und Scharrenbach gerade die Ministerinnen auf Mallorca waren, die bei der Flutkatastrophe für die Landesregierung fachlich zuständig gewesen wären. „Das ist ein absoluter Skandal, der mich fassungslos macht“, sagte der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in NRW abschließend.

Mallorca-Urlaub: Hendrik Wüst hält an NRW-Umweltministerin fest

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst hält trotz der unstimmigen Aussagen weiterhin an Umweltministerin Ursula Heinen-Esser fest. Wüst erklärte Ende März auf die Frage, ob er als Regierungschef nicht Konsequenzen ziehen müsste: „Die Ministerin hat gegenüber dem Parlament und auch gegenüber der Öffentlichkeit Auskunft gegeben. Das hat sie bisher getan und sie wird das auch in Zukunft tun.“

Auf die Frage, ob er angesichts der Verärgerung der Bürger in den Flutgebieten wirklich noch hinter seiner Ministerin stehen könne, sagte Wüst: „Die Ministerin hat ja selber um Entschuldigung gebeten.“ Sie habe auch Verständnis für die Verärgerung gezeigt. „Und ich teile das.“ (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wurde am 12. April inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Info zu Jan Heinisch Urlaub ergänzt.

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