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NRW-Wahl: Wüst spricht von Regierungsauftrag – Kutschaty macht Anspielung

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Von: Fabian Hartmann

Landtagswahl in NRW: Die CDU wird die stärkste Kraft, doch wie geht es jetzt weiter? Hendrik Wüst machte den Grünen indirekt schon ein Angebot.

Köln – Es war ein präsidialer Auftritt. Erleichterung – ja. Aber von Euphorie oder Überschwang keine Spur. CDU-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat den Wahlsieg sicherlich genossen. Doch im ZDF-TV-Studio mit den anderen Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien gab sich Wüst betont sachlich. „Wir haben von den Menschen in Nordrhein-Westfalen den Regierungsauftrag bekommen“, sagte der CDU-Politiker.

NRW-Wahl: An Hendrik Wüst scheint kein Weg vorbeizuführen

Klar ist: Wüst und seine Partei haben die Landtagswahl gewonnen. Auf 35,3 Prozent kommt die CDU in der Hochrechnung, ein Plus von 2,3 Prozentpunkten im Vergleich zur letzten Wahl. Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Thomas Kutschaty erreicht nur 27,4 Prozent – ein historisch schlechtes Ergebnis. An Hendrik Wüst scheint bei der Regierungsbildung kein Weg vorbeizuführen.

Die spannende Frage in Düsseldorf in den nächsten Tagen und Wochen ist nun: Mit wem macht‘s Wüst? Im TV-Studio vermied der Ministerpräsident es, sich auf eine bevorzugte Koalition festzulegen. Für sein schwarz-gelbes Bündnis reicht es nicht mehr. Denkbar wären eine Große Koalition, Jamaika oder: Schwarz-Grün – eine Koalition der Wahlsieger, denn auch die Grünen haben mit 18,3 Prozent ein starkes Ergebnis eingefahren. „Ich werde auf alle Parteien zugehen“, sagte Wüst in der ZDF-Runde.

Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen: Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im TV-Studio
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) im TV-Studio © Boris Roessler/dpa

Landtagswahl NRW: SPD-Spitzenkandidat Kutschaty wünscht sich „Fortschrittsregierung“

Das will auch Thomas Kutschaty. Der SPD-Spitzenkandidat hat zwar das schlechteste Ergebnis aller Zeiten in NRW geholt. Aber auch er könnte eine Regierung bilden. „Schwarz-Gelb ist abgewählt und jetzt müssen wir schauen, wie eine neue Mehrheit im Landtag zustande kommt“, sagte Kutschaty. SPD, Grüne und FDP hätten im Landtag eine Mehrheit. Es war sicherlich kein Zufall, dass Kutschaty im TV von einer „Fortschrittsregierung“ sprach – so bezeichnet sich die Ampel auch im Bund gerne selbst. Doch dafür müssten die Grünen mitspielen.

Die Ökopartei hat ihren Wahlkampf bewusst eigenständig geführt. Diese Linie gilt am Sonntag auch nach 18 Uhr. Spitzenkandidatin Mona Neubaur ließ sich im TV nicht in die Karten schauen. Sie wiederholte das, was sie landauf-landab im Wahlkampf schon gesagt hat: Die Grünen stehen für grüne Inhalte. „Wir wollen eine Landesregierung auf der Höhe der Zeit“, so Neubaur. Mit der CDU?

NRW-Wahl: Die CDU ist für die Grünen attraktiv

Ministerpräsident Hendrik Wüst formulierte in der Runde jedenfalls den Anspruch, dass die „Transformation des Industrielandes NRW“ sein vorrangiges Ziel sei. Umweltschutz und gute Industriearbeitsplätze müssen zusammen gedacht werden. So in etwa könnte eine gemeinsame schwarz-grüne Vision aussehen. Aktuell spricht viel dafür, dass CDU und Grüne zumindest Sondierungen aufnehmen – eine Koalition mit Wahlverlierern (SPD und FDP) dürfte auch der Ökopartei nicht schmecken.

Der Schock über das Ergebnis war NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) anzumerken. In der ZDF-Runde sprach er von einem bitteren Tag. Für die FDP wird sich in den nächsten Stunden entscheiden, ob sie überhaupt in den Landtag einzieht. Die letzten Hochrechnungen sahen die Partei bei genau fünf Prozent.

NRW-Wahl: AfD-Spitzenkandidat Markus Wagner sieht trotz Verlusten Erfolg

Keine Rolle spielen – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – die Linke und die AfD im neuen Landtag. Die Linkspartei ist mit zwei Prozent krachend gescheitert. Die AfD kommt auf 5,9 Prozent. Doch mit ihr will niemand regieren. Trotz Verlusten (minus 1,5 Prozent) will Spitzenkandidat Markus Wagner erkannt haben, dass sich seine Partei konsolidiert hat. „Wir sind zum zweiten Mal in den Landtag eingezogen, das ist ein Erfolg“, sagte er in der ARD. Auch so lassen sich Verluste positiv verkaufen.

Die wahren Gewinner – das wusste auch jeder im TV -Studio – waren an diesem Abend aber andere: Hendrik Wüst und Mona Neubaur (fh). Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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