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Ukraine-Krieg: Friedensdemo statt Rosenmontagszug - Zehntausende in Köln erwartet

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Von: Max Schäfer, Nail Akkoyun, Delia Friess

Weltweit regt sich der Widerstand gegen den Ukraine-Krieg. Auch am Rosenmontag sind Proteste angekündigt. Allein in Köln werden über 30.000 Menschen erwartet.

Update vom Montag, 28.02.2022, 07.00 Uhr: Bunt und laut gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine: In der Narrenhochburg Köln werden am Rosenmontag (ab 10.00 Uhr) Zehntausende Menschen zu einer Friedensdemonstration erwartet. Aufgerufen dazu hat das Festkomitee Kölner Karneval - Kostüme sind ausdrücklich erwünscht. Angeführt werden soll der Zug von einem Persiflage-Wagen zum Thema Ukraine.

Zahlreiche Organisationen unterstützen die Demonstration, unter anderem Parteien, Gewerkschaften, der Bundesligist 1. FC Köln und die Band Brings. Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) will teilnehmen. Die Polizei hat sich auf einen Großeinsatz eingestellt. Über 30.000 Menschen werden erwartet.

Der Protestmarsch soll nach Angaben des Festkomitees über eine Strecke von 4,5 Kilometern durch die Innenstadt führen - vorbei an vielen der Motivwagen, die eigentlich für den Rosenmontagszug gebaut worden waren. Bei einer Kundgebung an der Severinstorburg in Köln,* wo normalerweise auch der Rosenmontagszug startet, soll unter anderem die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sprechen.

Zahlreiche Karnevalisten haben sich am Chlodwigplatz zur Friedensdemonstration am Rosenmontag versammelt.
Zahlreiche Karnevalisten haben sich am Chlodwigplatz zur Friedensdemonstration am Rosenmontag versammelt. © Oliver Berg/dpa

Ukraine-Krieg: Heftige Proteste in Tschechien - „Heute die Ukraine, morgen wir“

+++ 21.00 Uhr: Bei weiteren regierungskritischen Protesten sollen in Russland am Sonntag (27.02.2022) mehr als 2000 Menschen festgenommen worden sein, wie das Bürgerrechtsportal Owd-Info mitteilte. Landesweit gingen demnach in verschiedenen Städten Demonstranten sowohl gegen den Angriff auf die Ukraine als auch in Erinnerung an den vor sieben Jahren ermordeten Kreml-Kritiker Boris Nemzow auf die Straßen.

Owd-Info zählte bis zum Sonntagabend alleine in Moskau 993 Verhaftungen und 632 weitere in der Ostsee-Metropole St. Petersburg. Die russischen Sicherheitskräfte gehen brutal gegen Demonstranten vor. Die russischen Behörden drohten hohe Strafen für die Teilnahme an den Kundgebungen an.

Demonstrationen in Tschechien: „Heute die Ukraine, morgen wir“

Auch in mehreren Städten in Tschechien hat es am Sonntag friedliche Solidaritätskundgebungen für die Ukraine gegeben. Allein auf dem Wenzelsplatz in der Prager Innenstadt versammelten sich rund 80.000 Menschen, um für ein Ende des Angriffs Russlands auf die Ukraine zu demonstrieren. Die Demonstrierenden trugen ukrainische und tschechische Fahnen sowie Transparente mit Aufschriften wie „No War“ und „Heute die Ukraine, morgen wir“.

Der tschechische Ministerpräsident Petr Fiala und der ukrainische Botschafter in Prag nahmen auch teil. Tschechien gehöre zu den Ländern, die sich um die strengsten Sanktionen gegen Russland bemühten, versicherte der liberal-konservative Politiker den Demonstranten. Zuvor hatte die tschechische Regierung in einer Sondersitzung der Ukraine Waffenlieferungen zugesagt und um weitere 400 Millionen Kronen auf 580 Millionen Kronen (24 Millionen Euro) aufgestockt.

Menschen in Prag nehmen an einer Demonstration gegen Russlands Invasion in die Ukraine teil.
Menschen in Prag nehmen an einer Demonstration gegen Russlands Invasion in die Ukraine teil. © Øíhová Michaela / dpa

Ukraine-Krieg: Teilnehmer vor der ukrainischen Botschaft skandieren „Tod für Putin!“

+++ 11.27 Uhr: Weltweit demonstrieren die Menschen gegen den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Demonstrationen werden auch aus Teheran, Hauptstadt des Iran, gemeldet. Laut Angaben der Internetseite „Radio Free Europe“ skandierten Teilnehmer vor der ukrainischen Botschaft „Tod für Putin!“ (Death to Putin). Videos der Proteste gegen Russland in Teheran sollen die Meldung bestätigen.

Ukraine-Krieg: Heftige Proteste in Russland – Jetzt auch in New York

Update vom Sonntag, 27.02.2022, 06.45 Uhr: Mehrere Hundert Menschen haben auf dem New Yorker Times Square gegen den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine demonstriert. Fotos vom Samstag zeigten Menschen mit ukrainischen Flaggen und Schildern unter anderem mit der Aufschrift „Stop Putin - Help Ukraine“.

Auch in anderen Städten der USA, unter anderem vor dem Weißen Haus in Washington, gab es Berichten zufolge kleinere Proteste. In der Nacht zum Samstag war das Empire State Building in New York bereits als Geste der Solidarität mit Kiew in den ukrainischen Farben Blau und Gelb angestrahlt worden.

Ukraine-Krieg: Proteste in Russland dauern trotz Verbots an – Mehr als 3000 Menschen inhaftiert

+++ 21.19 Uhr: Bürgerrechtler gehen davon aus, dass bei den Protesten gegen die Invasion bereits mehr als 3000 Menschen in Russland festgenommen worden. Seit Donnerstag habe es mindestens 3052 Festnahmen bei Anti-Kriegs-Demonstrationen gegeben, erklärte die Nichtregierungsorganisation OVD-info am Samstagabend. Allein am Samstag wurden demnach mindestens 467 Demonstranten abgeführt. Trotz eines strikten Demonstrationsverbots gehen seit Tagen immer wieder Menschen in Russland aus Protest gegen die Invasion auf die Straße.

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In Moskau wurden bei Protesten über 3000 Menschen inhaftiert. © Evgeny Odinokov/imago

+++ 20.13 Uhr: Die russische Polizei hat am Samstag bei Anti-Kriegs-Demonstrationen in 30 Städten mindestens 325 Personen festgenommen, mehr als die Hälfte davon in Moskau, berichtet die Beobachtungsstelle für Menschenrechte OVD-Info.

+++ 17.12 Uhr: Bei Anti-Kriegs-Demonstrationen in ganz Russland soll es zu mindestens 187 Festnahmen durch die russische Polizei gekommen sein. Dies berichtet die Moscow Times mit Berufung auf die Beobachtungsstelle für Menschenrechte OVD-Info, die landesweite Proteste und Festnahmen bei Kundgebungen verfolgt.

Ukraine-Konflikt: Menschen in Russland fordern Kriegsende

+++ 14.20 Uhr: Auch in Russland demonstrieren tausende Menschen gegen Putins Ukraine-Einmarsch. Mehr als 2000 wurden in den vergangenen Tagen bei Protesten bereits festgenommen. Doch nicht nur auf der Straße regt sich Widerstand – immer mehr Russinnen und Russen rufen Kreml-Chef Wladimir Putin auch in Petitionen zur sofortigen Beendigung des Krieges gegen die Ukraine auf. „Wir, russische Ärzte, Krankenschwestern und Sanitäter, sind entschieden gegen kriegerische Handlungen, die von den russischen Streitkräften auf dem Gebiet der Ukraine vollzogen werden“, hieß es in einem Schreiben mit mehr als 300 Unterschriften.

Abgeordneter der Kommunistischen Partei – „Habe für Frieden gestimmt und nicht für Krieg“

Und auch ein Abgeordneter der Kommunistischen Partei forderte ein Kriegsende. Er habe mit seiner Stimme im Parlament zur Anerkennung der Volksrepubliken Donezk und Luhansk (DNR/LNR) als unabhängige Staaten keinen Krieg auslösen wollen. „Der Krieg sollte doch umgehend beendet werden. Indem ich für die Anerkennung der DNR/LNR votierte, habe ich für Frieden gestimmt und nicht für Krieg“, sagte Michail Matwejew. „Dafür, dass Russland ein Schutzschild wird, damit sie den Donbass nicht bombardieren – und nicht, um Kiew zu bombardieren.“

+++ Update 11.47 Uhr: Unter dem Motto „Nein zum Krieg“ kam es in Russland in den vergangenen Tagen zu heftigen Protesten. Insgesamt wurden bereits über 2000 Menschen festgenommen. Am Samstag (26.02.2022) scheint bislang alles ruhig zu bleiben.

Ukraine-Krieg: Heftige Proteste in Russland

Erstmeldung vom Samstag, 26.02.2022: Moskau – Weltweit reagieren Menschen mit Entsetzen auf den russischen Angriff auf die Ukraine. Auch in Russland regt sich Widerstand gegen das Handeln von Präsident Wladimir Putin. Seit Beginn der Invasion am Donnerstag (24.02.2022) kam es in zahlreichen Städten Russlands zu Anti-Kriegs-Protesten, die sich auch am Freitag (25.02.2022) fortgesetzt haben. „Nein zum Krieg“, lautete das Motto.

Nicht nur zahlreiche Menschen auf russischen Straßen zeigen Widerstand gegen die russische Aggression im Ukraine-Konflikt. Auch zahlreiche russische Prominente machen ihre Ablehnung deutlich. „Angst und Schmerz. Nein zum Krieg“, schrieb der russische Late Night Moderator Ivan Urgant auf Instagram. Comedian Maxim Galkin, Ehemann der russischen Pop-Ikone Alla Borissowna Pugatschowa, zeigte sich angesichts des Angriffskrieges fassungslos: „Wie ist all das möglich? Es darf keinen Krieg geben. Nein zum Krieg!“, zitiert ihn das amerikanische Nachrichtenportal Rawstory. „No War Please“ („Kein Krieg bitte“), schrieb der russische Tennisspieler Andrej Rubljow nach seinem Finaleinzug bei einem Turnier in Dubai am Freitag (25.02.2022) auf eine Kameralinse.

Ukraine-Konflikt: In Russland regt sich Widerstand gegen Putins Ukraine-Krieg

Auch in der russischen Medienbranche regt sich Widerstand. Elena Tschernenko, die für die Tageszeitung Kommersant über das russische Außenministerium berichtet, initiierte eine Anti-Kriegs-Petition. Diese wurde laut Berliner Zeitung bereits von 300 Journalistinnen und Journalisten unterzeichnet. Russische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler positionierten sich in einem offenen Brief gegen den russischen Angriff auf die Ukraine.

„Ich denke, es ist eine Katastrophe und ein Verbrechen“, sagte der russische Rapper Oxxxymiron in einer Videobotschaft. Er sei gegen diesen Krieg, „den Russland gegen die Ukraine entfesselt“. Der Musiker, dem mehr als zwei Millionen Menschen auf Instagram folgen, erklärte außerdem, er wisse, dass die meisten Menschen in Russland gegen diesen Krieg sind. „Je mehr Menschen ihre wahre Haltung gegenüber diesem Krieg aussprechen, desto eher können wir diesem Horror ein Ende bereiten“, so der Rapper.

Ukraine-Konflikt: Wladimir Putin fürchtet Opposition in Russland

Wladimir Putin befürchtet genau das: Eine breite oppositionelle Bewegung innerhalb Russlands. „Was Putin am meisten fürchtet, ist jede Art von Widerstand gegen ihn“, erklärte der amerikanische Journalist und Historiker David Remnick im Interview mit dem TV-Sender CNN. Trotz der ständigen Unterdrückung von Dissidenten, die seit Jahren laufe, hätten wir Proteste in Dutzenden russischen Städten gesehen. Das ist laut Remnick unerwartet.

Die Proteste in Russland gegen Putins Ukraine-Krieg seien kein massenhafter Aufstand, so Remnick. Der Historiker verweist jedoch auf die Protestbewegung in der Sowjetunion. Nach dem Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 hätten sechs Leute auf dem Roten Platz in Moskau Banner entrollt. Sie seien vom KGB festgenommen und eingesperrt worden. Jedoch sei diese kleine Aktion der Start der oppositionellen Bewegung gewesen, erklärte David Remnick auf CNN.

Ukraine-Konflikt: Kriegsgegner in Russland werden unterdrückt

Dass Wladimir Putin keine Opposition gegen seine Pläne im Ukraine-Konflikt zulassen will, zeigen auch die Reaktionen auf die Proteste. Am ersten Tag der Proteste waren mehr als 1700 Kriegsgegnerinnen und Gegner festgenommen worden. Am Freitag (25.02.2022) sind es laut Bürgerrechtsgruppe OVD-Info mindestens 500 Menschen, die in 26 Städten festgenommen wurden.

Anti-Krieg-Proteste in RusslandDonnerstag (24.02.2022)Freitag (25.02.2022)
Beteiligte Städte5626
Zahl der Festgenommenenmindestens 1700mindestens 500

Auch die prominenten Gegnerinnen und Gegner von Russlands Krieg in der Ukraine leiden nach ihren kritischen Äußerungen unter Repressalien. Ivan Urgants TV-Sendung sei am Freitagabend (25.02.2022) nicht wie gewohnt ausgestrahlt worden, berichtet das amerikanische Nachrichtenportal Rawstory. Die politische Situation ändere den Zeitplan, erklärte ein Sprecher des Senders der Nachrichtenagentur Interfax.

Wladimir Putin fürchtet Widerstand in Russland: Journalistin wird ausgeschlossen

Die Journalistin Elena Tschernenko ist laut eigenen Angaben wegen „mangelnder Professionalität“ aus dem Pressepool des Außenministeriums ausgeschlossen worden. Auf Telegram appellierte sie, andere Journalistinnen und Journalisten, die ihre Petition unterschrieben hatten, nicht zu sanktionieren.

Während die Sicherheitsbehörden den Widerstand im eigenen Land bekämpfen, wird es in der internationalen Politik immer einsamer um Wladimir Putin. (ms/nak mit dpa)*fr.de und 24rhein.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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