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UN-Sicherheitsrat: Russischer Botschafter wirft Ukraine „Krokodilstränen“ vor

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Von: Sandra Kathe

Russlands Botschafter im UN-Sicherheitsrat hat in einer Sondersitzung auch vage Drohungen gegenüber dem Westen ausgesprochen.
Russlands Botschafter im UN-Sicherheitsrat hat in einer Sondersitzung auch vage Drohungen gegenüber dem Westen ausgesprochen. © Ed Jones/AFP

Die riskanten Angriffe in der Umgebung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja haben auch den UN-Sicherheitsrat auf den Plan gerufen.

Kiew/New York - Seit Tagen geben sich Russland und die Ukraine gegenseitig die Schuld an dem riskanten Beschuss auf die Umgebung des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja. Nun haben die Botschafter beider Länder den Streit auch in eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats getragen. Das berichtete am Freitag (12. August) etwa die Süddeutsche Zeitung. Viele hatten sich vor dem mächtigsten UN-Gremium dafür eingesetzt, dass zeitnah ein Team aus Fachleuten nach Saporischschja reisen könnte, um eine Atomkatastrophe zu verhindern.

Zwar hatte der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, zunächst auf Basis verfügbarer Daten angegeben, dass das mehrfach beschossene größte Kernkraftwerk Europas derzeit kein Sicherheitsrisiko darstelle, gab jedoch zu bedenken, dass sich das auch jederzeit ändern könne.

Angriffe auf AKW in der Ukraine: Betreiberkonzern meldete erneut zehn Einschläge in der Nähe

So hatte es einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur zufolge nur wenige Stunden vor der von Russland beantragten Sitzung des Sicherheitsrats einen erneuten Beschuss des Atomkraftwerks gegeben. Nach nicht überprüfbaren Angaben der russischen Besatzungsbehörde sei aus Orten unter ukrainischer Kontrolle geschossen worden. Der ukrainische Konzern Enerhoatom berichtete von zehn Einschlägen in der Nähe des Kraftwerks.

Bereits im März, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs, war das Atomkraftwerk mit seinen sechs 1000-Megawatt-Reaktoren sowjetischer Bauart WWER unter russische Besatzung geraten. Für den Betrieb sorge Berichten zufolge nach wie vor ukrainisches Personal. Ob die Beschäftigten freiwillig mit den russischen Besatzern zusammenarbeiten, wurde zuletzt vielfach angezweifelt.

Atomkraftwerk Saporischschja: Gegenseitige Vorwürfe von Ukraine und Russland

Während der ukrainische Botschafter Sergej Kyslytsya Russland dazu aufforderte, die „Spielchen“ sein zu lassen und internationale Fachleute endlich zu dem Kraftwerk zu lassen, warf der russische Botschafter im UN-Sicherheitsrat, Wassili Nebensja, der Ukraine seinerseits „Krokodilstränen“ vor. Die Theorie der russischen Besatzer: Das „Kiew-Regime“ wolle eine Eskalation erzwingen und damit den Westen fester an seine Seite ziehen. Diesem warf der russische Diplomat vor, seit sechs Monaten einen „Krieg der Lügen zu führen“ und mit ihrer Unterstützung der Ukraine auch ihre eigenen Bürgerinnen und Bürger zu „gefährden“.

Nebensja stimmte der von Grossi geforderten Kooperation mit Fachleuten zwar zu, äußerte aber seinerseits Skepsis, ob die Ukraine eine solche Mission zulassen werde. Der IAEA-Chef hatte zuvor seine Bereitschaft angekündigt, „eine solche Mission zu leiten“. Zunächst abgelehnt hatte der russische Botschafter jedoch laut dpa-Bericht die Forderung nach einer Demilitarisierung des Kraftwerks, weil die das AKW anfällig für Provokationen und Terrorakte machen würde. Das ZDF dagegen berichtete am Freitag, dass Russland sich für einen eingeschränkten Abzug seines Militärs offen gezeigt hätte. (ska mit dpa)

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