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Ursula Heinen-Esser und Anne Spiegel scheitern an sich selbst

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Von: Michael Hirz

Ursula Heinen-Esser (CDU), Anne Spiegel (Grüne), beide angespannt
Mussten zurücktreten: Ursula Heinen-Esser (CDU), Anne Spiegel (Grüne). © dpa

Sowohl Ursula Heinen-Esser als auch Anne Spiegel haben durch ihre späte Einsicht ihre Karrieren geschreddert und ihren jeweiligen Parteien geschadet, meint unser Gastautor Michael Hirz.

Köln – Vermutlich ist die wirkungsvollste Zerstörung die Selbstzerstörung. Das zeigt das Beispiel der Unionspolitikerin Ursula Heinen-Esser* aus Köln*, die in ihrem ganz offensichtlich erzwungenen Rücktritt vom Amt der Umweltministerin und dem Verzicht auf ein Landtagsmandat ihre langjährige – durchaus nicht erfolglose – Karriere geschreddert hat.

Mallorca-Affäre: trittsicheren Ursula Heinen-Esser kam der Kompass abhanden

Mit ihrem geradezu erschreckenden Mangel an Gespür und Einfühlungsvermögen, ihrer trotzigen Uneinsichtigkeit, fadenscheinigen Begründungen, die nur unter großem Druck zugegebene Wahrheit – Heinen-Esser bedient komplett das Zerrbild von einem Politiker-Typus, der im Amt nur einen persönlichen Vorteil, aber keinerlei Verpflichtung sieht. Freunde wie Feinde der bislang so trittsicheren Politikerin rätseln, warum Heinen-Esser so der Kompass abhandenkommen konnte. Aber vielleicht fragt sie sich das inzwischen selbst. Die Zeit dazu hat sie jetzt.

Landtagswahl NRW: Muss Hendrik Wüst auch andere Kabinettsmitglieder vor die Tür setzen?

Für Ministerpräsident Hendrik Wüst* und die CDU* ist der von Heinen-Esser angerichtete Scherbenhaufen kurz vor der wichtigen Landtagswahl NRW* im größten Bundesland ein gewaltiger Schaden. Denn das mit Abstand wichtigste Ereignis der vergangenen Jahre, die Flutkatastrophe im Juli 2021 mit ihren vielen Toten, zerstörten Häusern und menschlichen Dramen, gehörte zu den Bewährungsproben der Politik, in der sie das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler rechtfertigen muss.

Ein Verhalten der zuständigen Umweltministerin, die auf dem Höhepunkt der schrecklichen Ereignisse, mit anderen Kabinettsmitgliedern auf Mallorca eine Sause feiert*, ist nicht zu vermitteln, denn gleichzeitig wurden Leichen geborgen, standen Freiwillige und Hilfskräfte im schlammigen Wasser, um zu retten, was noch zu retten ist. Muss sich Hendrik Wüst angesichts solcher Pflichtvergessenheit nicht fragen, ob er nicht auch die anderen beteiligten Kabinettsmitglieder vor die Tür setzt, weil er sonst nicht als Ministerpräsident, sondern als leerer Anzug wahrgenommen wird?

Anne Spiegel: „Mitleid kann man allerdings nur bedingt entwickeln“

Bundesweit überdeckt wird der Absturz Heinen-Essers von dem Rücktritt der Bundesfamilienministerin Anne Spiegel von den Grünen. Auch die mit übergroßem Amtshunger ausgestattete Politikerin befeuerte mit instinktlosem Verhalten, das mit Halb- und Unwahrheiten durchsetzten Erklärversuchen und einem in Deutschland bislang unvorstellbar desaströsen Medienauftritt sämtliche Vorurteile gegen die politische Klasse: Unfähig, uneinsichtig, amtsgeil. Für den Psychologen und Meinungsforscher Jens Lönneker hat die grüne Spitzenfrau das Maß beim Griff nach attraktiven Ämtern verloren. Sie habe sich zu viel aufgehalst und damit übernommen, statt etwas abzugeben.

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass die heillos überforderte Anne Spiegel in keinerlei Hinsicht den Anforderungen eines politischen Spitzenpostens gewachsen ist, dann war es ihr, man muss es so nennen, jammernder Auftritt in der „Tagesschau“. Für Jens Lönneker habe sie mit ihrem öffentlichen Statement signalisieren wollen, sie sei angesichts der vielfältigen Aufgaben das Opfer, das sich für die Allgemeinheit aufgerieben habe: „Mitleid kann man da allerdings nur sehr bedingt entwickeln.“

Jens Lönneker ist Gründer und Geschäftsführer von Rheingold Salon. Als studierter Tiefenpsychologe setzte er sich unter anderem damit auseinander, warum die Kölner Friedensdemo Karneval und Mitgefühl hervorragend vereinte*.

Unser Gastautor Michael Hirz vom Kölner Presseclub war bis vor kurzem Programm-Geschäftsführer des Politik-Senders Phoenix und hat u. a. den „Internationalen Frühschoppen“ moderiert. Jetzt ist Michael Hirz freier Journalist, Kommunikationsberater und sitzt im Vorstand des Kölner Presseclub. Dieser Beitrag stammt aus dem Presseclub-Newsletter, den Sie hier abonnieren können.

Möchte man, fragt man sich in solchen Augenblicken, sein Schicksal gerade in krisenhaften Zeiten in so zitternde Hände legen? Klar ist nur: Mit diesem missratenen Versuch einer Selbstrettung ging die Karriere Anne Spiegels in den freien Fall über. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Anforderungen an politisches Spitzenpersonal gewaltig sind: Intellektuell, mental, charakterlich. Wer nicht aus diesem harten Holz geschnitzt ist, wird früher oder später scheitern. Wie jetzt Ursula Heinen-Esser und Anne Spiegel.

Rücktritte von Heinen-Esser und Anne Spiegel: Auswirkungen auf Wahlverhalten?

Ob sich das alles auf das Wahlverhalten auswirken wird? Bislang offensichtlich noch nicht, meint Forsa-Chef Prof. Manfred Güllner. Im Bund hielte die SPD den Vorsprung vor CDU und CSU – trotz der nach wie vor schwachen Werte für Kanzler Olaf Scholz. Die Wahl von Friedrich Merz trage für die Union – zumindest bislang – keine Früchte. Bei einer Direktwahl läge Scholz mit 42 Prozent vor Merz, für den sich lediglich 18 Prozent der Stimmberechtigten entscheiden würden. Für eine Rolle als Hoffnungsträger definitiv zu wenig. (mh/IDZRW) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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