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Iran macht Salman Rushdie selbst für Messerattacke verantwortlich

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Von: Lucas Maier, Christian Stör, Sarah Neumeyer

Der mutmaßliche Angreifer Salman Rushdies sitzt in Untersuchungshaft. Der Zustand des Autors bessert sich. Der Iran will nichts von dem Angriff gewusst haben.

Update vom Montag, 15. August, 09.30 Uhr: Nach dem Messerangriff auf den Schriftsteller Salman Rushdie hat der Iran jegliche Verstrickung in die Tat zurückgewiesen. „Es gibt keine Verbindung zwischen dem Iran und dem Täter“, sagte Außenamtssprecher Nasser Kanaani am Montag (15. August), wie die iranische Nachrichtenagentur Isna berichtete. Rushdie habe mit seinem Werk nicht nur den Iran, sondern Muslime weltweit beleidigt, sagte Kanaani „Rushdie selbst ist für den Anschlag verantwortlich.“

Nach der Attacke spricht Salman Rushdie wieder. (Archivbild)
Salman Rushdie bei einer Veranstaltung in London. Der Schriftsteller soll sich nach der Messerattacke auf dem Weg der Besserung befinden. © Grant Pollard/Invision/pa

Der britisch-indische Autor war am Freitag (12. August) bei einer Veranstaltung im Westen des US-Bundesstaats New York von einem Mann angegriffen worden und wird seitdem in einem Krankenhaus behandelt. Rushdie wird seit Jahrzehnten von religiösen Fanatikern verfolgt, zu dem Angriff hat die Polizei aber noch kein Tatmotiv bestätigt.

Anschlag auf Salman Rushdie: Autor auf dem Weg der Besserung

+++ 21.50 Uhr: Nachdem am Morgen erste Berichte über eine Verbesserung des Gesundheitszustandes Salman Rushdie bekannt wurden, bestätigt sein Sohn nun diese. In Folge des Messerangriffs sei sein Vater zwar schwerwiegend und lebensverändernd verletzt worden, „sein üblicher kämpferischer und aufsässiger Sinn für Humor sei aber intakt“, zitiert die Deutsche Presse Agentur (DPA) den Sohn Zafar Rushdie.

Der mutmaßliche Attentäter plädierte in einer Gerichtsanhörung am Samstag (13. August) auf unschuldig, wie AFP berichtet. Nachdem der Angriff in westlichen Staaten zu großer Empörung geführt hat, wird der Angriff in iranischen Zeitungen gelobt. Als „mutigen Mann“, der dem „lasterhaften“ Rushdie „den Hals mit einem Messer aufgerissen“ habe, lobte die ultra-konservative iranische Zeitung „Kayhan“ den Attentäter.

Update vom Sonntag, 14. August, 06.00 Uhr: Salman Rushdie soll auf dem Wege der Besserung sein. Berichten zufolge wird er nicht mehr künstlich beatmet. Am Samstag (Ortszeit) habe der britisch-indische Autor bereits wieder sprechen können, berichtete die New York Times unter Berufung auf seinen Literaturagenten Andrew Wylie. Gegen den Mann, der den Schriftsteller im US-Bundesstaat New York auf der Bühne angegriffen hatte, wird laut Polizei wegen versuchten Mordes zweiten Grades und Körperverletzung zweiten Grades ermittelt. Der 24 Jahre alte mutmaßliche Täter sitzt demnach in Untersuchungshaft. Zu einem Tatmotiv gab es weiter keine Angaben. 

Rushdie wurde laut US-Medien am Samstag weiter in einem Krankenhaus in Erie im angrenzenden Bundesstaat Pennsylvania behandelt. Aber sein Zustand scheint sich etwas gebessert zu haben. Sein Schriftstellerkollege Aatish Taseer hatte auf Twitter geschrieben, Rushdie mache schon Witze. Der Tweet wurde aber offenbar später wieder gelöscht.

Der israelische Regierungschef Jair Lapid sah die Schuld an dem Angriff auch bei der Führung des Irans. Der Vorfall sei „das Resultat von Jahrzehnten der Aufwiegelung, angeführt durch das extremistische Regime in Teheran“, schrieb Lapid am Samstagabend bei Twitter. Von Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hieß es: „Wer diesen Mordanschlag nun auch noch rechtfertigt, verbreitet nichts anderes als Hass und Extremismus. Wer an ein friedliches Zusammenleben glaubt, muss sich dem klar und konsequent entgegenstellen.“

Anschlag auf Salman Rushdie: Polizei gibt Details zum mutmaßlichen Täter bekannt

+++ 23.00 Uhr: Nach dem Messerangriff auf den 75-jährigen, widerständigen Schriftsteller Salman Rushdie in den USA hat die Polizei nähere Details zum Täter bekannt gegeben. Demnach soll es sich um einen 24 Jahre alten Mann aus Fairfield im nahe New York gelegenen Bundesstaat New Jersey handeln. Die Identität wurde ebenfalls veröffentlicht (Die Redaktion sieht von einer Namensnennung ab). Gegen den Mann wird den Angaben der Nachrichtenagentur AFP zufolge, wegen versuchtem Mord ermittelt.

Der mutmaßliche Täter soll „in den USA geboren und aufgewachsen“ sein. Die Familie des Mannes soll jedoch ursprünglich aus dem Libanon stammen. Der geschiedene Vater soll sich laut AFP immer noch dort befinden. Das könnte insoweit eine Relevanz für das bisher weiterhin als unklar geltende Tatmotiv haben, als dass der Libanon enge Verbindungen zum Iran pflegen soll.

Anschlag auf Salman Rushdie: Olaf Scholz verurteilt den Angriff

Der damalige iranische Revolutionsführer Khomeini hatte das Opfer Salman Rushdie seiner Zeit zum Tode verurteilt. „Der Iran hat seine Interessen im Libanon bislang ebenso entschlossen wie erfolgreich vertreten“, ordnete die Deutsche Welle die Verbindungen zwischen Iran und dem Libanon ein. Gar als „faktische Provinz des Iran“ bezeichnet Rami Dabbas, den Libanon in einem Artikel der Nachrichtenagentur Israel Heute.

Seinen furchtlosen Einsatz für die Meinungsfreiheit würdigte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und sprach von einer „abscheulichen Tat“. Auch der britische Premierminister Boris Johnson verurteilte mittlerweile den Angriff, wie AFP schreibt. Zuvor war bereits eine Welle der Verurteilung durch die Reihen der politischen Würdenträger:innen in Europa und den USA gegangen.

+++ 13.25 Uhr: Eigentlich wollte der Schriftsteller Salman Rushdie in den USA über verfolgte Künstler sprechen. Doch plötzlich wurde er auf offener Bühne zum Opfer eines brutalen Angriffs. Ein 24-Jähriger stach mehrmals auf den 75-Jährigen ein und verletzte ihn schwer. Rushdie wurde in ein Krankenhaus gebracht, operiert und seinem Manager Andrew Wylie zufolge an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Neue Informationen zu seinem Zustand gab es am frühen Samstag zunächst nicht.

Die Attacke löste weltweit Entsetzen aus. „Diese Gewalttat ist entsetzlich“, sagte der nationale Sicherheitsberater Jack Sullivan laut Mitteilung des Weißen Hauses. UN-Generalsekretär António Guterres reagierte ebenfalls mit Entsetzen auf den Angriff. Der US-Senator und Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, schrieb auf Twitter, die Tat sei ein „Angriff auf die Rede- und Gedankenfreiheit“. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb, Rushdie sei von „Hass und Barbarei“ getroffen worden. Der deutsche Schriftsteller Günter Wallraff, der Rushdie 1993 in seinem Haus in Köln-Ehrenfeld versteckt hatte, sagte, die Nachricht sei „natürlich ein Schlag für mich“ gewesen.

Anschlag auf Salman Rushdie: Hintergründe weiter unklar

Update vom Samstag, 13. August, 06.05 Uhr: Nach dem Angriff auf Salman Rushdie ist der Schriftsteller seinem Manager zufolge an ein Beatmungsgerät angeschlossen. „Die Nachrichten sind nicht gut“, schrieb Andrew Wylie am Freitagabend (Ortszeit) nach Angaben der New York Times. Der 75-Jährige könne nicht sprechen und werde wahrscheinlich ein Auge verlieren. Nervenstränge in seinem Arm seien durchtrennt und seine Leber beschädigt worden.

Nach Darstellung der Polizei stürmte der junge Mann die Bühne der von Hunderten Menschen besuchten Veranstaltung gegen 11 Uhr örtlicher Zeit (17 Uhr MESZ) und stach auf Rushdie ein. „Mehrere Mitarbeiter der Veranstaltung und Zuschauer stürzten auf den Verdächtigen und brachten ihn zu Boden“, sagte ein Sprecher. Ein Polizist habe den 24-Jährigen daraufhin festgenommen. Unterdessen wurde Rushdie von einem Arzt aus dem Publikum behandelt, bis Rettungskräfte eintrafen und der Autor schließlich per Helikopter in eine Klinik gebracht wurde.

Zu den Hintergründen des Angriffs gab es zunächst keine Details. Ob dieser im Zusammenhang mit einer jahrzehntealten Fatwa steht, blieb zunächst offen. Rushdie war vor über 30 Jahren zum Tode verurteilt worden: Wegen seines Werks „Die satanischen Verse“ („Satanic Verses“) aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini das religiöse Rechtsdokument veröffentlicht, das zur Tötung des Autors aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt.

Salman Rushdie bei einem Angriff am Hals verletzt

+++ 18.34 Uhr: Der weltberühmte Autor Salman Rushdie ist bei einem Angriff auf einer Bühne im US-Bundesstaat New York am Hals verletzt worden. Der 75-jährige Schriftsteller sei mit einem Hubschrauber in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht worden. „Über seinen Zustand ist nichts bekannt“, teilte die New Yorker Polizei mit. Um 11 Uhr vormittags (Ortszeit, 17 Uhr MESZ) „rannte der männliche Verdächtige auf die Bühne und griff Rushdie und einen Interviewer an“, hieß es. Der Angreifer wurde festgenommen.

Die New York Times zitierte eine Zeugin: „Es gab nur einen Angreifer“. Und weiter: „Er war schwarz gekleidet. Er hatte ein loses schwarzes Kleidungsstück an. Er rannte blitzschnell auf ihn zu.“

Update vom Freitag, 12. August, 18.27 Uhr:  Der Autor Salman Rushdie ist während eines Vortrags auf einer Bühne in Chautauqua, USA mit einem Messer angegriffen worden. Bei dem Angriff wurde er Polizeiangaben zufolge am Hals verletzt. Der Täter sei am Freitag in der Veranstaltungshalle im US-Bundesstaat New York festgenommen worden, teilte die New Yorker Polizei mit.

Erstmeldung vom Freitag, 12. August: Chautauqua – Der Autor Salman Rushdie ist auf einer Bühne im US-Bundesstaat New York angegriffen worden. Die Polizei bestätigte laut Angaben der Nachrichtenagentur AFP einen Messerangriff vor Ort, machte aber zunächst keine Angaben zur Identität des Opfers.

Polizei und Einsatzkräfte seien zu dem Veranstaltungshaus im Ort Chautauqua im Westen des Bundesstaats New York gerufen worden, bestätigte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur.

Autor Salman Rushdie auf Bühne in New York angegriffen

Wegen seines Werks „Die satanischen Verse“ (1988) war Rushdie einst mit einer Fatwa belegt worden, die zu seiner Tötung aufforderte. Einige Muslime fühlten sich durch das Werk in ihrem religiösen Empfinden verletzt. Irans Revolutionsführer Ajatollah Khomeini erließ ein islamisches Rechtsgutachten, das zur Tötung Rushdies und all derer aufrief, die an der Verbreitung des Buches beteiligt waren. Ein japanischer Übersetzer wurde später tatsächlich getötet. Rushdie musste untertauchen, erhielt Polizeischutz.

Geboren wurde Rushdie im Jahr der indischen Unabhängigkeit 1947 in der Metropole Mumbai (damals Bombay). Er studierte später Geschichte am King‘s College in Cambridge. Seinen Durchbruch als Autor hatte er mit dem Buch „Mitternachtskinder“ („Midnight‘s Children“), das 1981 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichnet wurde. (sne/lm/cs mit dpa/AFP)

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