Der Preis der Härte: Männer sterben früher – warum?

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Von: Christoph Arens

Ein Stethoskop liegt in einer Praxis auf einem Tisch, im Hintergrund die Silhouette eines Arztes, der sich Notizen macht.
Männer haben mit Vorsorge-Angeboten und Früherkennungs-Untersuchungen oft wenig Berührungen, obwohl sie es eigentlich viel nötiger hätten. © Julia Steinbrecht/KNA

Männer sterben früher – auch, weil sie seltener zum Arzt gehen. Ein Experte erklärt die Ursachen für die männliche Bequemlichkeit. Das sollten Sie beachten.

Bonn (KNA) Typisch Mann. Thomas Gottschalk (75), an Krebs erkrankter TV-Moderator, wollte nach Angaben seiner Frau Karina zunächst erst gar nicht zum Arzt gehen, obwohl es ihm immer schlechter ging. Sie habe einen Termin für ihn vereinbart und ihn in die Praxis „geschoben“, berichtete seine Frau Karina der „Bild“-Zeitung.

Männer gelten als Vorsorgemuffel. Sie gehen ungern zum Arzt und entsprechend selten zur Vorsorge. „Kommt ein Mann zum Arzt...“: Was wie der Einstieg in einen typischen Arztwitz klingt, ist oft bitterer Ernst. Das Auto zum TÜV zu bringen, ist demgegenüber viel selbstverständlicher.

Fest steht: In Deutschland liegt die Lebenserwartung von Männern durchschnittlich fast fünf Jahre unter der von Frauen. Männer werden laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich etwa 78,5 Jahre und Frauen rund 83,2 Jahre. Doch solche Unterschiede sind keineswegs in Stein gemeißelt. Das zeigte etwa die deutsch-österreichische Klosterstudie von 2002. Der Bevölkerungswissenschaftler Marc Luy analysierte die Lebenserwartung von über 11.000 Nonnen und Mönchen in Bayern zwischen 1890 und 1995. Er wies nach, dass unter vergleichbaren Lebensumständen - im Kloster - Mönche annähernd so lange leben wie Nonnen.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA)

Männer führen ein risikoreicheres Leben

„Männer gehen seltener zum Arzt als Frauen. Sie führen ein teilweise risikoreicheres Leben, trinken mehr Alkohol, ernähren sich ungesünder und nehmen seltener an gesundheitsfördernden Angeboten teil“, so fasste es die frühere Chefin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Heidrun Thaiss, vor wenigen Jahren zusammen.

Das zeigen auch die im August veröffentlichten Daten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Krankenkasse Barmer zur Darmkrebsfrüherkennung in Deutschland. Im Zeitraum zwischen 2010 bis 2022 nutzten lediglich 22,9 Prozent der Männer und 55,5 Prozent der Frauen im Alter von 50 bis 54 Jahren mindestens einmal das Angebot eines Stuhltests auf unsichtbares (“okkultes“) Blut. Bis zum Alter von 55 Jahren hatten 77,1 Prozent der Männer und 44,5 Prozent der Frauen keinen einzigen Test durchgeführt.

Angebote auf Frauen zugeschnitten

Erst kürzlich rief deshalb Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) Männer - aus Anlass des Weltmännertages am 3. November - zu mehr Vorsorge und Früherkennung sowie zu einem gesünderen Lebensstil auf. Männern ab 45 Jahren werde eine jährliche Früherkennung für Prostatakrebs empfohlen, ab 65 Jahren zudem eine einmalige Früherkennung für eine erweiterte Bauchschlagader, ein sogenanntes Bauchaortenaneurysma, so die Ministerin.

Daneben gibt es eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen, die sowohl für Männer als auch für Frauen von den Krankenkassen übernommen werden, etwa zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- oder Darmerkrankungen und Diabetes. Überdies wird ab 35 Jahren alle zwei Jahre ein Hautkrebsscreening empfohlen. Gerade jüngere Männer sollten durch Selbstuntersuchung regelmäßig Frühwarnzeichen auf Hodenkrebs abtesten.

Doch warum die Scheu der angeblich so starken Männer vor dem Arzt? Der Kölner Sportwissenschaftler Ingo Froböse, der zusammen mit dem Sportmoderator Peter Großmann das Buch „Der Männer-Gesundheitscode“ veröffentlicht hat, verweist auf das durch Erziehung und Umfeld beeinflusste Selbstbild vieler Männer; sie hätten andere Bedürfnisse als Frauen: „Da wirken starke Prägungen nach: nicht klagen, nicht auffallen, durchhalten“, vermutet er im Interview der „Welt“. Männer redeten auch weniger mit Freunden und Familie über Gesundheit. „Und wenn sie Sport machen, dann oft falsch – ohne Rücksicht auf Gelenke oder Regeneration.“

Angebote auf Frauen zugeschnitten

Das Problem dabei: Viele Angebote für Prävention, Ernährung und Gesundheitstraining in Deutschland würden von Frauen entwickelt, kommuniziert und geleitet – in Krankenkassen, Kurszentren, auch in den Medien. In Präventionskursen seien 90 Prozent der Teilnehmer Frauen. „Entspannungsangebote, Balance-Kurse, Klangschalen. Das funktioniert nicht“, schreibt Froböse. „Männer ticken eher über Begriffe wie Kraft, Ausdauer, Stabilität – oder: Kampf.“

Der Sportwissenschaftler mahnt: Männer haben mit all diesen Angeboten oft wenig Berührung, obwohl sie es eigentlich viel nötiger hätten. „Sie sind das kränkere Geschlecht.“

Folgende Vorsorgeuntersuchungen für Männer werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen:

- ab 18 Jahren: Halbjährliche Zahnkontrolle beim Zahnarzt.
- ab 18 Jahren: Empfohlen wird ein regelmäßiger Eigen-Check auf Hodentumore. In der Altersgruppe zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr ist der bösartige Hodentumor die häufigste Krebserkrankung des Mannes, obwohl insgesamt der Hodentumor mit ein bis zwei Prozent aller Tumorerkrankungen selten ist.
- zwischen 18 und 35 Jahren: Einmaliger Check-up - unter anderem von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes - beim Hausarzt.
- ab 35 Jahren: Alle drei Jahre haben Männer Anspruch auf einen allgemeinen Check-up beim Hausarzt. Neben der körperlichen Untersuchung, der Kontrolle der Blutwerte sowie einer Urin-Untersuchung gehört auch der Check des Impfstatus dazu. Ebenfalls ab 35 Jahren können Männer alle zwei Jahre eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs in Anspruch nehmen. Dabei untersucht der Dermatologe die Haut nach Veränderungen, die auf weißen oder schwarzen Hautkrebs hindeuten.
- ab 45 Jahren: Einmal im Jahr können Männer eine Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs und Krebserkrankungen des äußeren Genitals wahrnehmen. Dabei werden nicht nur die äußeren Geschlechtsorgane sowie die örtlichen Lymphknoten abgetastet, sondern auch die Prostata über den Enddarm.
- 50 bis 54 Jahre: Ab 50 Jahren können Männer das Darmkrebsscreening nutzen. Sie haben die Wahl zwischen einer Darmspiegelung und einer Stuhluntersuchung auf verstecktes (okkultes) Blut. Den Stuhltest können Männer zwischen 50 und 54 Jahren einmal im Jahr wahrnehmen. Die Darmspiegelung können Männer zweimal im Abstand von zehn Jahren wahrnehmen – sofern die erste Untersuchung unauffällig ist. Ansonsten verkürzt sich der Untersuchungszeitraum.
- ab 55 Jahren: Männer können alle zwei Jahre einen Stuhltest durchführen lassen oder sich für die Darmspiegelung entscheiden.
- ab 65 Jahren: Männern steht einmalig die Früherkennung auf ein Bauchaortenaneurysma zur Verfügung. Dabei wird die Bauchschlagader mittels Ultraschall untersucht. Männer sind deutlich häufiger von einem Bauchaortenaneurysma betroffen als Frauen. Für Frauen zählt diese Untersuchung nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.

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