Frauen erobern die Rennrad-Szene: Ein überraschender Trend entdeckt
Nicht nur E-Bikes boomen, das sportliche Rennradfahren liegt ebenfalls im Trend. Auch jüngere Männer und Frauen begeistern sich für den Sport, bei Radsportevents sind die Teilnehmerzahlen hoch.
Es ist noch früh, kurz nach fünf Uhr, aber auf einer Wiese im Dorf Bimbach bei Fulda ist bereits viel los: Zwischen Wohnmobilen, Zelten und Camping-Vans werden Radsport-Shirts übergezogen, Reifen aufgepumpt und Rennrad-Ketten geölt: „Noch 15 Minuten bis zum Start“, ist die Stimme von Frank Scheiber, dem Vorsitzenden des RSC Bimbach, in der noch kühlen Morgenluft durch die Lautsprecher zu hören.
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Dieser Artikel entstand in einer Content-Partnerschaft mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Es klicken die Pedale, Ketten surren, Männer und Frauen reihen sich mit ihren Rennrädern an der Startlinie ein: Dann geht es los, rund 2.000 Starterinnen und Starter machen sich auf den Weg, einen Rhön-Radmarathon zu bewältigen - mit einer Streckenlänge von 183, 214 oder 256 Kilometern.

Der Weltfahrradtag am 3. Juni erinnert daran, dass Radfahren umweltfreundlich ist und sportliche Betätigung bietet. Die Radsportveranstaltung in Bimbach an Pfingsten steht in dieser Tradition - und zeigt auch, dass das sportliche Fahren im Trend liegt.
Startplätze schnell ausgebucht
„Ich kann mich nicht erinnern, dass unser Campingplatz und die angrenzenden Wege so voll waren“, sagt Scheiber. An zwei Tagen verzeichnete der Verein insgesamt 5.384 Teilnehmer, neben den Marathon-Strecken wurden auch kürzere Varianten - 52 bis 159 Kilometer - über die Berge und Hügel der Rhön angeboten, dazu eine Familientour.
Die 2.000 Marathon-Startplätze waren bereits vor Ostern ausgebucht: „Diesmal sind auch viele Erststarter dabei und immer mehr Frauen“, erzählt Scheiber, der die Rennrad-Szene seit vielen Jahren beobachtet. „Der Radsport ist nicht mehr so angestaubt“, beschreibt er die Veränderung, „es hat heute viel mit Lifestyle zu tun - die Leute haben farbige Trikots und Radhosen und hochwertige Rennräder.“ Dadurch wird offenbar auch eine junge Zielgruppe besonders angesprochen: Auf Social-Media-Kanälen sieht man viele Mittzwanziger aufs Rennrad steigen.
Jünger, weiblicher, internationaler
Sportliches Radfahren ist angesagt - ein Trend, dem sich auch der ehemalige BDR, der „Bund Deutscher Radfahrer“, nicht entziehen kann: Anfang des Jahres hat er sich in „German Cycling“ umbenannt. „Wir müssen jünger, weiblicher und internationaler werden“, sagt Detlef Wittenbreder, Vizepräsident Breiten- und Freizeitsport. „German Cycling“ sehe zwar den Trend zum Radsport, aber profitiere noch nicht ausreichend davon.
„Unsere rund 2.500 Vereine haben ungefähr 153.000 Mitglieder in Deutschland.“ Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren immer leicht gestiegen, stagniere aber aktuell. Es werde oft individuell oder in privaten Gruppen Rennrad gefahren, das sei auch eine Folge von Corona. „Die Teilnehmerzahlen bei den Radtourenfahren (RTFs) der Vereine nehmen aber wieder zu“, sagt Wittenbreder.
Draußen sein und die Gemeinschaft im Verein genießen
Das war auch in Frankfurt am Main zu beobachten: Bei der RTF der Radsportabteilung von Eintracht Frankfurt gingen mehr als 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Start. Darunter auch die beiden Triathletinnen Luna Alvarez, 14 Jahre alt, und Klara Balzer, 15 Jahre alt. Sie legten rund 70 Kilometer und mehr als 600 Höhenmeter bei der Fahrt durch die Wetterau und angrenzenden Höhen des Taunus zurück. „Es war sehr lustig“, sagt Luna verschmitzt - denn die beiden mussten dabei auf ganz junge Radsportler aufpassen, die gerade mal neun oder zehn Jahre alt waren. „Da haben wir uns verantwortlich gefühlt“, sagt Luna.
Die beiden Mädchen engagieren sich schon seit einigen Jahren beim Triathlon in Frankfurt am Main, aber Radsport gehört zu ihrer Lieblingsdisziplin. „Ich schwimme aber auch sehr gerne“, stellt Klara klar. Die 70-Kilometerstrecke war für sie kein Problem, „Weil die Jüngeren dabei waren, konnten wir langsam fahren“, erläutert Luna lachend. Durch ein Trainingslager in der Toskana seien sie gut trainiert. Am Radsport mögen die beiden, „dass man draußen ist“ - und die Gemeinschaft im Verein.
Mehr Rennrad-Fahrerinnen
Radsport und Triathlon boomen, das kann Andreas Hoffmann, Organisator der RTF bei der Eintracht Frankfurt, bestätigen. Jedes Jahr kämen rund zehn Prozent neue Mitglieder hinzu - der Frauenanteil liege aktuell bei rund 20 Prozent beim Radsport und 31,2 Prozent beim Triathlon.
Dass die Zahl der Rennrad-Fahrerinnen steigt, hat Robert Petzold von „quäldich“, einem Anbieter anspruchsvoller Rennrad-Reisen, festgestellt: „An unseren Reisen nehmen rund 1.200 Radsportler teil, darunter immer mehr Frauen.“ Die zunehmende Nachfrage habe dazu geführt, dass in diesem Jahr eine Etappenfahrt nur für Frauen von Genf nach Nizza geboten wird, und im nächsten Jahr soll eine weitere reine Frauenreise dazu kommen.
Eine der Fahrerinnen in Bimbach ist die 28-jährige Janne, die sonst regelmäßig im Münsterland unterwegs ist. In ihrem Bekanntenkreis wachse „das Rennradfieber“, erzählt sie. Ein weiterer Freund kaufe sich jetzt auch ein Rennrad, man treffe sich öfter in kleinen Gruppen zu gemeinsamen Ausfahrten. „Ich glaube, es hat auch etwas mit Work-Life-Balance zu tun.“ Auf dem Rennrad sei man draußen unterwegs, bewege sich und bekomme den Kopf frei.