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Gasumlage verständlich erklärt: Höhe, Dauer, Rechner – alle Infos

  • VonNils Bothmann
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  • Oliver Schmitz
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Für Gas-Kunden sollte ab 1. Oktober 2022 die Gasumlage kommen. Doch auf den letzten Metern wurde sie für eine Gaspreisbremse gekippt.

Gasumlage gekippt – dafür kommt die Gaspreisbremse

Nach langer Diskussion wurde die geplante Gasumlage auf den letzten Metern gekippt. Für die angeschlagenen Gasimporteure Uniper, Sefe und VNG würden stattdessen „maßgeschneiderte Maßnahmen“ entwickelt, teilten Kanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grünen) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) am Donnerstag (29. September) gemeinsam mit.

Stattdessen wird eine Gaspreisbremse kommen, um die steigenden Gaspreise in Deutschland dämpfen. Die Regierung habe sich auf ein Paket von bis zu 200 Milliarden Euro geeinigt.

Erstmeldung vom 10. August 2022: Köln – Während der Ukraine-Krieg weiter geführt wird und ein Ende nicht in Sicht ist, wird über die Abhängigkeit von russischem Gas und die möglichen Folgen diskutiert. Bereits seit Sommer steigen die Gaspreise rapide an, werden aber im Herbst nochmals einen Sprung machen. Denn die Bundesregierung hat die „Gasumlage“ als Instrument zur Bewältigung der Energiekrise beschlossen. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff? Alles was man zur Gasumlage wissen muss im Überblick.

Bedeutung Gasumlage: Was ist das? Warum wird sie eingeführt?

Da die Zufuhr von russischem Gas auf den deutschen Markt immer wieder unterbrochen wird und die Gasimporteure stattdessen den Bedarf auf dem teureren Kurzzeitmarkt decken müssen, entstehen den Lieferanten Mehrkosten. Sie haben Lieferpflichten gegenüber ihren Abnehmern – darunter auch die deutschen Stadtwerke, die sie erfüllen müssen. Damit Energiekonzerne wie Uniper nicht aufgrund der Mehrkosten pleitegehen, dürfen sie ihre Verluste auf ihre Abnehmer umlegen. Dadurch steigen dann die Gaspreise für Endverbraucher an.

Gasumlage erklärt: Wen betrifft sie? Für wen gilt sie? Wer muss zahlen?

Alle Gas-Verbraucher sind gleichermaßen betroffen. Für jeden, der Gas bezieht, gilt also auch die Gasumlage. Bei Mietverhältnissen, können Vermieter die Mehrkosten durch eine Erhöhung der Nebenkosten direkt an die Mieter weitergeben.

Ab wann kommt die Gasumlage?

Der offizielle Starttermin für die Gasumlage ist der 1. Oktober 2022. Einige Energie-Unternehmen wie RheinEnergie und EWE haben aber angekündigt, diese aber erst ab 1. November 2022 zu erheben.

Gasumlage: Wie lange ist sie gültig?

Die Gas-Umlage soll bis zum 1. April 2024 gelten.

Mehrkosten-Höhe für Gaspreise: Wie hoch ist die Gasumlage?

Die Höhe der Gasumlage berechnet sich nach den Mehrkosten der Gasimporteure. Diese liegt bei 2,419 Cent pro Kilowattstunde für die Verbraucher, also 24,19 Euro pro Megawattstunde, wie die zuständige Trading Hub Europe GmbH (THE) am 15. August 2022 bekannt gab. Zuvor hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck Mehrkosten in Höhe zwischen 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) geschätzt.

Gasumlage: So kann man die Höhe berechnen

Wie hoch fallen die Mehrkosten für Gas-Kunden ab Herbst 2022 genau aus? Das kann man mit dem einer Formel heraufinden. Wie diese geht, zeigt unser Gasumlage-Rechner.

Gasumlage: Wann merke ich die Folgen?

Wahrscheinlich werden sich die Folgen mit leichter Verzögerung zeigen. Das Wirtschaftsministerium rechnet damit, dass die Mehrkosten im November oder Dezember beim Endverbraucher ankommen.

Mehrwertsteuer auf Gasumlage: Gibt es Ausnahmen und Entlastungen?

Um die Bevölkerung von den Zusatzkosten der Gasumlage möglichst zu entlasten, hat die Bundesregierung angekündigt, zeitgleich einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz auf Erdgas verlangen. Die Steuer solle laut Kanzler Olaf Scholz von bisher 19 auf 7 Prozent verringert werden. Laut dem SPD-Politiker würden damit Gaskunden insgesamt deutlich stärker entlastet als sie durch die staatliche Gasumlage belastet würden. Scholz erwarte von den Unternehmen, dass sie die Steuersenkung eins zu eins an die Verbraucher weitergäben. Eigentlich hatte die Bundesregierung komplett auf die Mehrwertsteuer verzichten wollen, doch das wegen des EU-Rechts nicht möglich.

RWE und Shell verzichten auf Gasumlage – müssen ihre Kunden trotzdem zahlen?

Einige Energie-Unternehmen wie RWE und Shell haben bereits angekündigt, auf die Gelder aus der Gasumlage verzichten zu wollen. Beide werden etwaige Gewinn-Einbußen somit selbst tragen. Doch für die Kunden den Unternehmen ändert das erstmals nichts, sie müssen die Gasumlage dennoch bezahlen. Aber: Umso mehr Gas-Anbieter auf die Gelder verzichten, desto niedriger dürfte die Gasumlage letztlich ausfallen.

Wird die Gasumlage auf die aktuelle Situation angepasst?

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wird die Gasumlage monatlich berechnet und kann alle drei Monate angepasst werden. Sollten die Gasimporteure keine Mehrkosten haben, etwa weil Russland wieder vollumfänglich Gas liefert, kann die Preisanpassung auf Null gesetzt werden.

Gilt die Gasumlage auch für Flüssiggas, Fernwärme oder Öl-Heizung?

Flüssiggas ist nicht von der Gasumlage betroffen. Darauf hat der Deutsche Verband Flüssiggas hingewiesen. „Flüssiggas ist nicht zu verwechseln mit Erdgas beziehungsweise verflüssigtem Erdgas“, sagte ein Sprecher. Der Unterschied zwischen Flüssiggas und verflüssigtem Erdgas liege in der Art der Verflüssigung und damit der Nutzung. So bestehe Flüssiggas, sogenanntes „Liquefied Petroleum Ga“ (LPG) aus Propan und Butan. Bei Erdgas sei der Hauptbestandteil Methan, das sich unter Druck bei Raumtemperatur nicht verflüssigen lasse, wobei man dann vom „Liquefied Natural Gas“ (LNG) spricht.

Auch Fernwärme-Kunden werden von der Gasumlage aktuell generell „nicht erfasst“ teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, jedoch würde an einer Lösung gearbeitet. Tatsächlich haben einige Energie-Anbieter wie die RheinEnergie bereits angekündigt, die Kosten der Gasumlage auch an Fernwärme-Kunden weiterzugeben.

Für Menschen mit Öl-Heizungen gilt die Gasumlage auf jeden Fall nicht.

Kritik an Gasumlage: Gaspreise steigen auch so bereits in vielen Bereichen

Durch die Gasumlage kommen Mehrkosten auf Verbraucher zu.

Verbraucher sind bereits mit verschiedenen Preiserhöhungen konfrontiert. Neben höheren Spritkosten, die nur teilweise durch den Tankrabatt aufgefangen wurden, stiegen auch die Lebensmittelpreise um teilweise 40 Prozent an. Die Gasumlage bedeutet eine weitere Belastung von Privathaushalten.

Befürworter sehen die Gasumlage als Anreiz zum Energiesparen an: Wer weniger verbraucht, zahlt auch weniger Umlage. Viele Kritiker erachten die Maßnahme allerdings als Rettung von Konzernen, allen voran Uniper, durch das Geld der Bürger. Der Sozialverband VdK warnte, dass die zusätzlichen Energiekosten ärmere Haushalte in den Ruin treiben könnten. Energiearmut war schon vor Beginn des Ukraine-Kriegs ein Problem, das sich durch die aktuellen Preissteigerungen akut verschärft. Nach Ansicht der Kritiker würden viele Versorger dagegen geschont. Im August hatte zum Beispiel RheinEnergie seinen Gaspreis um 133 Prozent erhöh., worin die Gasumlage noch nicht miteinberechnet war. (nb/os mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Hinweis: Dieser Text wurde am 9. September inhaltlich aktualisiert.

Transparenz-Hinweis: Die vorherige Formulierung, dass RheinEnergie „Milliardengewinne“ ausschüttet, wurde korrigiert. Einerseits fielen die Gewinne der RheinEnergie bisher nicht so hoch aus und andererseits hat das Unternehmen laut eigenen Angaben seit der Preiserhöhung keine Gewinne ausgeschüttet.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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