1. 24RHEIN
  2. Welt
  3. Wirtschaft

Warum viele Läden in der Bochumer Innenstadt bald montags geschlossen haben

Erstellt:

Von: Jonah Reule

Die Bochumer Innenstadt ist leer
In der Bochumer Innenstadt wollen einige Geschäfte künftig montags geschlossen bleiben. © Bernd Thissen/dpa

Geschlossene Geschäfte am Montag? In der Bochumer Innenstadt setzt ein Möbelhaus bereit auf eine Fünftagewoche. Weitere Einzelhändler könnten folgen.

Bochum – In der Ruhrgebietsstadt Bochum könnten montags bald nicht mehr alle Geschäfte geöffnet sein. Einige Einzelhändler in der Innenstadt spielen mit dem Gedanken, ihre Geschäfte zum Wochenbeginn geschlossen zu lassen. Das Motto der Aktion: „Green Monday“. Die Unternehmen wollen so unter anderem Energiekosten sparen. Wer etwa beim Möbelhaus Blennemann einkaufen möchte, steht jetzt bereits montags vor verschlossenen Türen.

Green Monday: So funktioniert’s

► Geschäfte bleiben montags geschlossen

► Kunden können dann von Dienstag bis Samstag einkaufen

► Mitarbeiter der Betriebe sollen so lange Wochenenden und mehr Planbarkeit erhalten

► Mit dem „Green Monday“ sollen Energiekosten gesenkt werden

Green Monday: Möbelhaus Blennemann bleibt montags zu

Für die Beschäftigten beutet das nur noch Arbeit von Dienstag bis Samstag. „Die beste Möglichkeit Energie zu sparen, ist, sie gar nicht zu verbrauchen“, erklärt Sebastian Blennemann, der in dem familiengeführten Unternehmen für das Marketing zuständig ist, gegenüber 24RHEIN. Man nehme am „Green Monday“ teil, um den eigenen Energie- und Stromverbrauch nachhaltig zu senken, so das Unternehmen weiter. Durch einen Tag weniger Arbeit in den Verkaufsräumen könne man voraussichtlich mindestens 17 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs einsparen.

Damit die Einsparung gelingt, werden die aktuell eingesetzten Lampen auf der Verkaufsfläche gegen energiesparende LED-Lampen ausgetauscht. An den Montagen sollen dann laut Blennemann alle Beleuchtungen der circa 7.000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche ausgeschaltet bleiben. Die Bereiche Verwaltung und Vertrieb seinen vom „Green Monday“ laut Blennemann nicht betroffen.

Blennemann: Vorteile für Mitarbeiter und Kunden durch Green Monday

In der Umsetzung des „Green Monday“ sieht Blennemann neben den Kosteneinsparungen im Energiebereich auch Vorteile für seine Mitarbeiter. Letztere würden vom festen Ruhetag zu Beginn der Woche gleich doppelt profitieren. Zum einen könne man den Mitarbeitern mehr Planbarkeit ermöglichen. Zum Anderen bekämen die Angestellten durch den festen Ruhetag ein langes Wochenende, so Blennemann im Gespräch mit 24RHEIN.

Idee des Green Monday existiert bereits länger

Gänzlich neu ist die Idee allerdings nicht. Bereits im Herbst hatte der Mittelstandsverband und dessen Fachgruppe Möbel und Küchen dazu aufgerufen, zwischen November 2022 und März 2023 auf den Montag als Öffnungstag zu verzichten. So könnten die von der Politik gewünschten Einsparungen besser realisiert werden, erklärte der Verband weiter.

Das Möbelhaus Blennemann verfolgt die Idee zum Einsparen der Energie ebenfalls seit längerer Zeit. Der Gedanke habe sich letztes Jahr entwickelt, so Sebastian Blennemann. Im Südwesten Bochums findet sich mit dem Einrichtungshaus Rodemann noch ein weiteres Unternehmen, dessen Verkaufsräumen montags für seine Kunden geschlossen bleiben. Dies sei laut dem Handelsverband NRW Ruhr-Lippe jedoch seit einem Jahr so und stehe nicht vorrangig im Zusammenhang mit den gestiegenen Energiepreisen.

Die Energiekrise bekommen in Deutschland bereits Kunden der Supermarktkette Aldi zu spüren. Seit November 2022 können Kunden in Aldi-Supermärkten vielerorts nur noch bis 20 Uhr einkaufen.

Green Monday: Manche Läden machen unbewusst mit – Saturn bleibt bei sechs Öffnungstagen

Nicht alle Läden in der Bochumer Innenstadt haben bislang vom „Green Monday“ gehört. Dennoch arbeiten manche von Ihnen ebenfalls nach dem Prinzip der Fünftagewoche samt freiem Montag. Der Plattenladen Bahlo Records lässt seine Türen nach eigenen Angaben montags für Kunden geschlossen. Allerdings sortiere man in der Zeit neu angekommene Platten für das Sortiment, so ein Mitarbeiter gegenüber 24RHEIN.

Blick auf das Möbelhaus Hardeck in Bochum
Das Möbelhaus Hardeck bleibt in Bochum weiterhin sechs Tage in der Woche geöffnet. © Svenja Hanusch/Imago

Große Ketten, wie beispielsweise der Elektronikriese Saturn und die Möbeleinrichtungshäuser Poco und Hardeck haben in Bochum weiterhin sechs Tage in der Woche geöffnet. Auch das Modehaus Baltz beteiligt sich laut dem Handelsverband Ruhr-Lippe nicht am neuen Konzept

Handelsverband glaubt nicht an dauerhafte Fünftagewoche

Für den Handelsverband macht der „Green Monday“ nicht für alle Einzelhändler der Stadt Bochum Sinn. Gegenüber 24RHEIN erklärte eine Sprecherin des Standorts Ruhr-Lippe, der Green Monday mache beispielsweise nur dann Sinn, wenn sich das Kundenverhalten damit in Einklang bringen lasse. Läden mit vielen Kundenbesuchen am Montag bringe der Green Monday eher weniger, so die Sprecherin. Des Weiteren müssten sich viele Läden am Green Monday beteiligen, damit das Konzept funktionieren könne.

Dass sich das Modell der Fünftagewoche längerfristig etablieren werde, glaubt der Handelsverband nicht. (jr) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant