1. 24RHEIN
  2. Welt
  3. Wirtschaft

RWE: Energiekonzern mit langer Geschichte – und Imageproblem

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Mirjam Ratmann

Ein Bagger fährt vor der Kulisse des RWE-Kraftwerkes Niederaußem durch den Tagebau Garzweiler.
Braunkohlebagger vor Kohlekraftwerk Garzweiler. © dpa/Oliver Berg

RWE ist einer der größten Energieversorgungsunternehmen Deutschlands. Doch zwischen Kohleausstieg, Energiewende und Gaskrise musste sich das Unternehmen stets neu ausrichten.

Seit ein paar Jahren kommt RWE kaum noch aus den Schlagzeilen raus: Atomausstieg, Proteste im Hambacher Forst und in Lützerath, Energiewende und Kohleausstieg. Und auch: Die Vergangenheit des Unternehmens während der NS-Zeit hat bis heute einen negativen Beigeschmack. Das traditionsreiche Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Essen musste sich immer wieder neu erfinden und ist ein wichtiger Arbeitgeber in NRW. Bei Klimaschützenden steht der Konzern indes auf der Feindesliste.

RWE
Gründung1898 als Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG
HauptsitzEssen
Mitarbeiterzahletwa 18.000
Umsatz jährlich24,5 Milliarden Euro (Stand 2021)

Wer steckt hinter RWE?

RWE steht ausgeschrieben für „Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk“ und ist ein Energiekonzern, der seinen Hauptsitz seit der Gründung am 25. April 1898 im Ruhrgebiet in Essen, hat. Als Teil der Stadtwerke Essen war das Unternehmen für die Stromversorgung der Essener und Essenerinnen verantwortlich. 1914 stieg RWE in die Braunkohleverstromung ein und betätigte sich ab den 1920er Jahren auch selbst am Braunkohlebergbau. Am 1. Mai 1933 trat der RWE-Vorstand geschlossen der NSDAP bei und galt während des Zweiten Weltkrieges als einer der Hauptversorger der Rüstungsindustrie. Durch die deutsche Teilung wurde RWE in den 1950er Jahren in der Bundesrepublik zum größten Energieversorgungsunternehmen.

Was gehört alles zu RWE?

Das Kerngeschäft des Energieunternehmens ist in vier Bereiche eingeteilt, für die jeweils eine Gesellschaft steht:

RWE als Stromproduzent

Während RWE bis in die 60er Jahre auf eine Mischung aus Wasserkraft und Braunkohle setzte, stieg der Energieversorger in den 70er Jahren auch in die Kernenergie ein: 1962 und 1967 gingen die ersten zwei Atomkraftwerke in Kahl und Grundremmingen in Bayern an den Start. Die 80er Jahre waren geprägt von Firmenübernahmen, sodass sich RWE innerhalb kürzester Zeit neben der Stromversorgung auch in die Branchen Mineralöl, Chemie, Bergbau, Maschinenbau, Anlagenbau und Gerätebau einstieg.

Mit den Jahren wuchs der Konzern immer mehr, sodass die AG schließlich auch ins Ausland expandierte: In Großbritannien gründete RWE Innogy, in Tschechien Transgas, in der Slowakei VSE und in Polen ging Stoen an den Start. Im Jahr 2000 fusionierte RWE zudem mit dem Konkurrenten Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen (VEW). 2009 folge die Übernahme des niederländischen Energieversorgers Essent.

Doch das neue Jahrzehnt brachte auch neue Herausforderungen mit sich, denn mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 und dem sich daran anschließenden Atomausstieg, musste sich auch RWE neu orientieren. 2021 wurden die deutschen Energiekonzerne, darunter auch RWE, für ihre finanziellen Verluste, die sie durch den Atomausstieg erlitten hatten, entschädigt: RWE erhielt rund 880 Millionen Euro. Trotz der aktuellen Energiekrise sprach sich der RWE-Chef Markus Krebber für einen endgültigen Stopp der bislang noch laufenden Atomkraftwerke bis Ende April 2023 aus.

RWE und die Braunkohle

RWE ist der große Player im Rheinischen Braunkohlerevier – dem größten Braunkohleabbaugebiet Europas. 100 Millionen Tonnen Kohle werden im Durchschnitt jährlich von RWE gefördert. Damit ist RWE auch ein wichtiger Arbeitgeber für die Region und das ganze Bundesland: Allein rund 8.000 Arbeitsplätze bei RWE Power und zweimal so viele bei Lieferanten und Dienstleister hängen von der Braunkohle ab. Doch in sieben Jahre soll Schluss sein mit dem Braunkohleabbau. Darauf hat sich die Landesregierung Nordrhein-Westfalen mit RWE geeinigt. Der Kohleausstieg, der von der Bundesregierung auf spätestens 2038 festgelegt worden war, wird somit in NRW acht Jahre früher vonstattengehen. Schon 2012 wurde beispielsweise das Braunkohlewerk in Neurath bei Grevenbroich stillgelegt, im September 2021 schloss auch das Kraftwerk Frimmersdorf endgültig. Dennoch musste RWE in den vergangenen Jahren immer wieder Proteste und Klagen von Umweltaktivistinnen und Aktivisten aushalten, die einen noch früheren Braunkohleausstieg gefordert haben. Dabei sind vor allem zwei Orte regelmäßig im medialen Fokus gewesen: der Hambacher Forst und Lützerath.

Im Hambacher Forst, der zwischen Köln und Aachen liegt, rodet RWE seit den 1970er Jahren für die Kohle. Gegen die Rodung der schließlich verbliebenden Fläche des Waldes protestierten Aktivistinnen und Aktivisten zwischen 2012 und 2020, indem sie das Gebiet besetzten – und hatten Erfolg. Nachdem das Camp 2018 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Armin Laschet (rechtswidrig) geräumt worden war, beschlossen Bund und Länder nur zwei Jahre später, 2020, den Hambacher Forst zu erhalten. Die Siedlung Lützerath, ebenfalls gelegen zwischen Aachen und Köln, hatte da weniger Glück: Auch hier hatten Aktivistinnen und Aktivisten jahrelang in Baumhäusern lebend gegen den Abriss des Dorfes protestiert. Doch 2022 beschlossen Bundes- und Landesregierung, dass Lützerath bis Februar 2023 vollständig geräumt werden soll.

Was macht RWE heute?

Seit beschlossenem Atom- und Kohleausstieg versucht sich RWE verstärkt als Vorreiter erneuerbarer Energien zu stilisieren und ist inzwischen, was Solar-, Wind- und Wasserenergie angeht, einer der größten Energieerzeuger weltweit. Selbsternanntes Ziel des Unternehmens ist es, bis 2040 klimaneutral zu sein. Allein in Deutschland will RWE dafür in den kommenden Jahren zwischen 10 und 15 Millionen Euro in erneuerbare Energien investieren. Gleichzeitig gehen die Umsätze, die RWE einnimmt, seit Kohle- und Atomausstieg deutlich zurück. Im Jahr 2021 erzielte der Energieversorgungskonzern nur noch rund 24,5 Milliarden Euro Umsatz. Zum Vergleich: Noch zehn Jahre zuvor, im Jahr 2011, lag der Umsatz noch bei 52 Milliarden Euro.

Am Erfolg des Unternehmens hängen auch viele Arbeitsplätze. Im Jahr 2021 beschäftigte RWE europaweit 18.246 Mitarbeiter, allein rund 10.000 davon im Rheinland im Kohle- und Atomenergiebereich. Und auch für die Energiesicherheit in Deutschland ist RWE fast unabdingbar: Allein 2020 produzierte RWE rund 25 Prozent der dem Stromerstabsatzmarkt zuzurechnenden Strommenge – und ist damit Marktführer. 2021 waren es insgesamt 161 Milliarden Kilowattstunden. Den Großteil dieses erzeugten Stromes generiert RWE aus Gas, gefolgt von Braunkohle und erneuerbaren Energien.

Auch interessant