Er will unbedingt anonym bleiben

Ein „Mystery Shopper“ packt aus: Supermarkt-Kunden, von denen kaum jemand weiß

  • Armin T. Linder
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Die „Mystery Shopper“ gehen in der Masse der anderen Supermarkt-Kunden unter, und das sollen sie auch. Dabei haben sie eine besondere Aufgabe. Jetzt packt wohl einer aus.

München - Vielleicht standen Sie ja irgendwann mal hinter einem an der Kasse, ohne es zu wissen. Aufgefallen sein dürfte es ihnen nicht. Denn „Mystery Shopper“ verhalten sich in Supermärkten und anderen Läden meist sehr unauffällig - das ist Teil ihres Jobs. Sie sind die Kunden, von denen kaum jemand weiß, berichtet tz.de.

„Mystery Shopper“ sind Testkäufer in Supermärkten und anderen Läden

„Mystery Shopper“ ist der Fachbegriff für Testkäufer. „Als Testkäufer bzw. Mystery Shopper überprüfen und bewerten Sie Service und Dienstleistungen unserer Kunden“, schreibt etwa der Anbieter globis-survey.com auf seiner Homepage. Und verrät auch, wie viel Geld man verdienen kann: „Je komplizierter und zeitintensiver der Einsatz, umso mehr Geld wird gezahlt. Man kann von knapp unter 10 EUR bis 50 EUR pro Einsatz ausgehen. Die Tätigkeit als Tester bleibt aber regelmäßig ein Nebenverdienst.“ Um sich zu bewerben, müsse man „ein Gespür für Service und Verkauf mitbringen und eine gute Beobachtungsgabe besitzen. Dazu sollten Sie in der Lage sein, wichtige Informationen in schriftlicher Form wiederzugeben.“

Ein Kunde steht in einer Kassenschlange (Symbolfoto). Ob es ein „Mystery Shopper“ ist? Diese geben sich nicht zu erkennen.

Dass es diese „Mystery Shopper“ gibt, ist also eher ein offenes Geheimnis - nur bekommt man in Supermärkten und anderen Shops eben nichts von ihnen mit. Besonders spannend wird es jetzt bei Reddit. Dort meldet sich ein „Mystery Shopper“ anonym zu Wort und stellt sich den Fragen der Community. Dass er tatsächlich als Testkäufer tätig ist, bleibt unbestätigt, insofern sind seine Angaben mit Vorsicht zu genießen. Doch spannend fallen sie allemal aus.

Angeblicher „Mystery Shopper“ stellt sich Fragen der Reddit-Community

„Ich bin Testkäufer („Mystery Shopper“) und führe Testkäufe im Einzelhandel durch“, lautet der Betreff. Und der Aufruf: „Mache das nebenberuflich in verschiedensten Geschäften & Szenarien. Hauptsächlich aber Tests im Supermarkt, Autohäusern und Fachgeschäften. Gerne alles fragen! Wegwerf-Account, um etwaige Rückschlüsse zu vermeiden.“

Was ein Testkäufer in einem Autohaus mache? Einen Porsche ordern? Das will ein Nutzer wissen. Die Antwort: „Er nimmt einen Termin wahr und lässt sich beraten, seinen Wunschwagen konfigurieren und eben alles bis zum tatsächlichen Kauf.“ Er verdiene dabei „unterschiedlich, je nach Auftragsgeber und Szenario. Reicht aber erfahrungsgemäß von 15 Euro im Supermarkt bis 120 Euro im Autohaus pro Testkauf.“

Ein angeblicher ehemaliger Rewe-Mitarbeiter erklärt, er habe Erfahrungen mit solchen Testkäufern. Sie würden „nicht alle Sachen aufs Band legen bzw. bewusst verstecken. Du als Kassierer solltest dann diese versteckten Dinge routinemäßig beim Abkassieren finden.“ Diese Praxis kann der Reddit-Nutzer nicht bestätigen: „Ich kann nur für meine Jobs sprechen, aber eine bewusste Täuschung war bei meinem Auftraggeber nie Teil des Jobs. Im Grunde wird ein ganz normaler Einkauf durchgeführt und später bewertet.“

Er sehe es auch nicht als Problem an, die Mitarbeiter an der Supermarkt-Kasse zu bewerten. „Nein, weil zum einen ist das Personal nur ein Teil vom gesamten Einkauf. Probleme gäbe es nur, wenn derselbe Mitarbeiter wiederholt explizit negativ angemerkt würde. Zum anderen werden auch nur die Basics abgefragt. Hallo, Tschüss, Bon? Reicht im Grunde schon. Wenn du das dauerhaft nicht hinkriegst, wirst da auch ohne Tester Probleme bekommen.“

„Mystery Shopper“ darf angeblich Teil der Einkäufe behalten

Ein interessantes Detail noch: Der „Mystery Shopper“ dürfe seine Einkäufe teils behalten, verrät er. Damit sind natürlich nicht die im Autohaus gemeint. „Bei Supermarkt-Einkäufen wird es i.d.R. behalten bzw. ist dafür ein Teil der Vergütung vorgesehen. Bei Fachgeschäften besteht die Möglichkeit zur Rückgabe. Ich probiere aber natürlich, etwas zu kaufen, was ich sowieso brauche.“ Wie erwähnt: Bestätigt ist an seinen Angaben nichts - sie decken sich aber in diversen Punkten mit dem, was offiziell in Gesuchen über diese Testkäufer im Netz kursiert. Apropos „Mystery“: Bei Media Markt gibt es „Mystery Boxes“ zu kaufen - was ist da eigentlich drin? Kassenkräfte erklären kürzlich auch öffentlich, welche Sätze sie nicht mehr hören können und wollen. (lin)

Rubriklistenbild: © Martin Wagner/Imago

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