Gelbe Felder, große Sorgen: Wie der ferne Krieg im Iran jetzt die Zukunft des Rapses in Deutschland bedroht

Das ist toll für das Auge. Derzeit sorgen riesige gelbe Rapsteppiche für Farbe in Deutschland. Auf fast zehn Prozent der Äcker wächst Raps. Wofür er verwendet wird.
Deutschland blüht. Neben Schlehe, japanischen Kirschen und ersten Obstbäumen schmeicheln derzeit riesige gelbe Rapsfelder dem Auge. Und der süßlich-schwere Duft geht in die Nase. Bis zu vier Wochen kann die farbenfrohe Blüte andauern.
Für die Ernte 2026 haben Landwirte auf mehr als 1,11 Millionen Hektar Winterraps ausgesät – das sind bis zu 60.000 Hektar mehr als im Vorjahr, wie die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen mitteilte. Damit ist die Krautpflanze nach Weizen, Mais und Gerste die vierthäufigste Anbaukultur. Die größten Anbauflächen liegen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen.
Rund vier Millionen Tonnen des Vielkönners Raps geerntet
Deutschland gehört zu den wichtigsten Rapsanbauländern in der EU. Weltweit wurden 2025 rund 95 Millionen Tonnen Rapssaat geerntet. Allerdings hat die Bundesrepublik dabei keine Spitzenposition. Indien, Kanada und China liegen weit vorn.
Raps in der Fruchtfolge tut auch dem Boden gut, wie die Landwirtschaftskammer NRW berichtet. Er wird bereits im August oder September gesät und entwickelt noch vor dem Winter genug Blätter, um den Boden zu bedecken und damit den Acker vor Erosion zu schützen. Mit ihren tiefen Pfahlwurzeln greift die Pflanze zudem in die unteren Bodenschichten ein und holt Nährstoffe in den Wurzelbereich der Pflanzen zurück.
Multitalent Raps
Raps ist ein Multitalent – und Deutschlands wichtigste nachwachsende Ölquelle. Man findet das Kreuzblütengewächs in Farben und Kosmetika. Zu einem großen Teil dient der Raps aber als Grundstoff für Margarine, Mayonnaise und Speiseöl. Auch die ausgepressten Rapssamen finden noch Verwendung. Sie liefern ein eiweißreiches Futtermittel für Rinder und Schweine und sind damit eine Alternative zu importiertem Soja.
Auch im Energiesektor spielt Raps eine bedeutende Rolle. Ein Teil der Ernte wird zu biologisch abbaubaren Schmierstoffen, Sägeketten- und Hydraulikölen verarbeitet. Biodiesel aus Rapsöl ist im Dieselkraftstoff enthalten. Die CO₂-Bilanz ist allerdings ebenso umstritten wie die Umweltfreundlichkeit insgesamt: Der Anbau in Monokulturen erfordert viel Dünger und intensive Schädlingsbekämpfung.
Artikel der KNA
Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Raps-Importe aus der Ukraine und Rumänien
Im Jahr 2024 wurden nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft rund 9,4 Millionen Tonnen Raps in Deutschland verarbeitet – 3,6 Millionen aus heimischer Ernte. Der Rest wurde importiert, vorwiegend aus der Ukraine und aus Rumänien. Daraus entstanden insgesamt 3,7 Millionen Tonnen Rapsöl.
Landwirte schauen derzeit mit Sorge auf die politische Situation. Die Preisentwicklung für Rapsöl hängt auch am weltweiten Ölpreis, der wegen des Irankriegs derzeit stark schwankt. Durch die Sperrung der Straße von Hormus sind zugleich die Weltmarktpreise für Stickstoffdünger um bis zu 40 Prozent gestiegen. Für die aktuelle Ernte rechnet der Deutsche Raiffeisenverband zwar nicht mehr mit signifikanten Preissprüngen, weil viele Betriebe sich mit Düngemitteln eingedeckt haben. Beim Düngerkauf für die Aussaat im Herbst könnte es allerdings teurer werden.
Raps: Eine relativ junge Kulturpflanze
Raps ist eine relativ junge Kulturpflanze. Sie entstand vermutlich im Mittelmeerraum aus einer natürlichen Kreuzung zwischen Kohl und Rübsen. Schon den Römern war die Pflanze bekannt, aber erst ab dem 17. Jahrhundert gewann der Rapsanbau an Intensität – vor allem in den Niederlanden und im nordwestlichen Deutschland.
Genutzt wurde sein Öl hauptsächlich für Lampen. Mit Beginn der Industrialisierung Anfang des 19. Jahrhunderts und dem steigenden Bedarf an technischen Ölen weitete sich der Anbau in Europa aus. Rapsöl wurde Schmiermittel in Dampfmaschinen.
Im 20. Jahrhundert war der Anbau starken Schwankungen unterworfen. In den beiden Weltkriegen stieg die Anbaufläche wieder an, um danach ebenso rasch wieder abzunehmen. Preiswertes Erdöl und importierte Pflanzenöle ersetzten die heimische Rapsproduktion.
Raps-Produkte zum Verzehr zunächst kaum geeignet
Zum Verzehr war Rapsöl anfangs nicht gut geeignet: Der Grund liegt im bitteren Geschmack. Mit Aufkommen der Margarine um 1875 änderte sich das erstmals ein wenig. Ab den 1970er Jahren kam durch Neuzüchtungen auch ein wohlschmeckenderes Rapsöl auf den Markt. Seit den 2000er Jahren dient Raps auch als nachwachsenden Rohstoff, um Biokraftstoff zu erzeugen. Die Produktion zog wieder an.
Raps ist extrem attraktiv für Bienen. Für viele Imkereien sei die Rapstracht die erste ergiebige Honigernte des Jahres, betonen Imkerverbände und Landwirtschaftskammern. Für Reh, Rot- und Damwild stellt Raps vor allem im Winter eine hochwertige Nahrung dar. Im hochstehenden Raps finden im Frühsommer auch Füchse, Dachse, Waschbären und Marder Ruheplätze und Raum zur Aufzucht des Nachwuchses.