Greenpeace schimpft über Merz-Koalition: „Vertrag ist scheinheilig“

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Von: Lisa Gilz

Kritiker sagen, Merz und Koalition haben in der Energiewende einen Schritt zurück gemacht. Anderen gehen die Ansagen zum Thema Erdgas nicht weit genug.

Berlin – Erdgas als Übergangslösung in der Energiewende bleibt umstritten. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es: „Wir wollen Potenziale konventioneller Gasförderung im Inland nutzen“. Während einige sich mehr Initiative von der neuen Regierung gewünscht hätten, reagieren Umweltorganisationen mit Kritik. Doch wie groß ist das Erdgasvorkommen in Deutschland überhaupt noch?

CDU-Wirtschaftsrat hätte sich mehr von Merz und dem Koalitionsvertrag gewünscht

Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, befürwortet weiterhin die Gasförderung im Inland. Er betont: „Die Aufnahme der heimischen Erdgasförderung in den Koalitionsvertrag ist im Vergleich zum vorherigen Vertrag tatsächlich ein klarer Fortschritt. Notwendig ist jetzt, dass die Genehmigungsprozesse zügig angegangen und realistische Zeitpläne für erste Förderprojekte vorgelegt werden“. Eine stabile und erschwingliche Energieversorgung sei nur möglich, wenn Deutschland seine vorhandenen Ressourcen effektiv nutze.

Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, würde bei der heimischen Erdgasförderung nicht nur auf konventionelle Methoden setzen.
Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, würde bei der heimischen Erdgasförderung nicht nur auf konventionelle Methoden setzen. © Wirtschaftsrat/Schicke

Steiger sieht die Nutzung heimischer Gasquellen als entscheidend an, auch durch unkonventionelle Methoden wie Fracking, „selbstverständlich unter höchsten Sicherheits- und Umweltstandards“. Er kritisiert, dass unkonventionelle Fördermethoden im Koalitionsvertrag nicht berücksichtigt werden. Angesichts der geopolitischen Lage sei es für ihn unverständlich, dass Deutschland auf seine eigenen Reserven verzichte und stattdessen Abhängigkeit vom Ausland in Kauf nehme: „Wer Wettbewerbsfähigkeit sichern will, muss auch unbequeme Debatten führen.“

Heimisches Gas fast aufgebraucht: Kleine Vorkommen lohnen sich wirtschaftlich kaum

Bernd Ebeling, ein Bauingenieur mit über zehn Jahren Erfahrung in der Beratung zur Erdgas- und Erdölförderung, weist hingegen darauf hin, dass die Erdgasreserven in Deutschland weitgehend erschöpft sind. In niedersächsischen Gemeinden, wo einst große Vorkommen existierten, versiegt das Gas: „Die Lagerstätten sind relativ erschöpft.“ Über 90 Prozent der deutschen Erdgasvorkommen befanden sich dort. Bis 2011 wurde in Niedersachsen Fracking genutzt, um das Gas zu fördern.

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Neue Erdgasprojekte, wie sie etwa in Bayern geplant waren, wurden durch Bürgerinitiativen gestoppt. In Reichling, einer Gemeinde in Oberbayern, sollte Anfang des Jahres eine Probebohrung stattfinden. Doch die Grundstückseigentümer verweigerten die Nutzung ihres Landes für Transportmaßnahmen wie das Verlegen von Rohren.

Greenpeace-Aktivisten kritisieren Merz und Koalition beim Thema Energiewende

Ebeling sieht in den Plänen des Koalitionsvertrags keine schnelle Lösung. Der Weg von einem Antrag beim Bergamt bis zur Probebohrung könne Jahre dauern: „Von Umweltuntersuchungen, Betriebsplänen, die eingereicht werden müssen oder Gemeinden und Landkreisen, die Stellung beziehen sollen.“ Einen großen Erdgas-Boom erwartet er nicht: „Im Prinzip ist alles untersucht worden, ob mit seismischen Messungen oder durch alte Bohrungen. Kleine Vorkommen haben wirtschaftlich keine Relevanz.“

Mira Jäger ist Energieexpertin der Umweltschutzorganisation Greenpeace und spricht sich gegen heimische Erdgasförderung aus.
Mira Jäger ist Energieexpertin der Umweltschutzorganisation Greenpeace und sieht im neuen Koalitionsvertrag einen Rückschritt in der Energiewende. © Lucas Wahl/Greenpeace

Umweltorganisationen kritisieren den Koalitionsvertrag als Rückschritt für die Energiewende. Mira Jäger von Greenpeace erklärt: „Das Bekenntnis zu den Klimazielen im Koalitionsvertrag ist scheinheilig, denn die neue Regierung setzt noch immer auf dreckige fossile Energiequellen.“ Neue Gasförderungen, wie vor Borkum oder in Reichling, seien rückwärtsgewandt.

Um die schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise zu verhindern, müsse der Gasverbrauch in den kommenden Jahren drastisch reduziert und in Deutschland bis 2035 beendet werden. „Es darf keine neuen Gasbohrungen mehr geben – weder hier noch sonst wo auf der Welt“, fordert Jäger. „Für eine sichere, zukunftsfähige und bezahlbare Strom- und Wärmeversorgung müssen wir die Energiewende mit voller Kraft vorantreiben, statt in gestrige Geschäftsmodelle zu investieren.”

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