Russlands Atomwaffensilos: Bayerisches Unternehmen weist brisanten Bericht zurück

Aktualisiert:

Von: Bona Hyun

Bayerisches Familienunternehmen an russischen Atomwaffen-Silos beteiligt? Die Firma weist die Behauptungen entschieden zurück.

Hamburg – Erneut werfen Berichte die Frage auf, ob und inwieweit Wladimir Putin Unterstützung aus dem Westen bekommt. Im Fokus steht ein Familienunternehmen aus Bayern. Das Russland-Geschäft des Baustoffherstellers steht seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine stark in der Kritik. Das Unternehmen widerspricht nun der Darstellung, dass Material wie Gips oder Zement für den Ausbau von russischen Atomwaffenstützpunkten genutzt worden sein könnte.

Westliche Baustoffe für russische Atomwaffenstützpunkte? Firma aus Bayern im Fokus

Dem vorausgegangen waren Recherchen des Magazins Spiegel und des dänischen Investigativ-Portals Danwatch. Demnach befinden sich die zahlreichen russischen Knauf-Tochterunternehmen zu 100 Prozent im Besitz und unter Kontrolle des deutschen Mutterkonzerns. Dem Spiegel liegen unter anderem Ausschreibungen vor, die belegen sollen, dass zum Beispiel Gips von Knauf hergenommen wurde, um russische Atomwaffensilos zu bauen.

Knauf soll zudem keine Produkte der eigenen Marke aus Deutschland exportieren, sondern in Russland produzieren. Als Beispiel nannte der Spiegel das Knauf-Produkt Uniflott. Dieses wurde nach Kriegsbeginn zwar nicht mehr nach Russland geliefert, dafür werde dort nun der Gipsspachtel Unihard produziert und verkauft.

Der russische Präsident Wladimir Putin
Bekommt Putin Hilfe aus dem Westen im Ukraine-Krieg? © Anton Vaganov/dpa

Baustoffhersteller Knauf widerspricht Bericht: Keine Unterstützung für Russland

Knauf widerspricht den vorgebrachten Vorwürfen „in aller Deutlichkeit“. Insbesondere widerspreche man dem Vorwurf, Knauf würde wissentlich den Bau und Betrieb von Nuklearwaffenbasen durch direkte Produktlieferungen unterstützen, teilte das Unternehmen auf Anfrage von IPPEN.MEDIA mit.

Das Unternehmen unterhalte keine vertraglichen Beziehungen mit dem russischen Verteidigungsministerium oder mit Behörden, die dem Ministerium unterstehen. „Entsprechend verkauft und liefert Knauf auch keine Produkte an solche Stellen“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Russische Tochtergesellschaften von Knauf verkaufen in Russland hergestellte Produkte demnach nahezu ausschließlich an den unabhängigen Baustoffhandel. Die russischen Tochtergesellschaften haben keine Möglichkeit, diese Händler anzuweisen, mit welchen Kunden sie Geschäftsbeziehungen unterhalten dürfen. 

Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft: Firma aus Bayern weist Vorwürfe zurück

Auch den Vorwurf, Knauf helfe dem russischen Staat aktiv bei der Umgehung von Sanktionen, weist das Unternehmen zurück und betont, dass Knauf sich seit Beginn des Krieges sanktionskonform verhalte. Zudem unterstütze die Firma die Ukraine und beschäftige in Kiew rund 420 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Westen des Landes (Stadt Borshchiv/Region Ternopil) habe Knauf mit dem Bau von zwei neuen Werken begonnen, einem Gipsputzwerk und einem Gipsplattenwerk.

An einem Rückzug aus Russland arbeite man weiterhin. Doch das Verfahren sei hoch komplex und würde diverse und recht langwierige Genehmigungen in verschiedenen Jurisdiktionen erfahren. Wie schwierig ein Rückzug für westliche Unternehmen aus Russland ist, hatte auch bereits Sanktionsexperte Dr. Prof. Dr. Viktor Winkler erklärt. „Bei einem Rückzug der deutschen Unternehmen aus Russland gibt es eine ganze Fülle von enormen Risiken“, sagte Sanktionsexperte im Gespräch mit unserer Redaktion.

Das größte Problem ist laut Winkler das Thema Enteignung. „Die russische Regierung hat ein Gesetz verabschiedet, dass es einen Abschlag geben muss, von rund 50 Prozent auf den Kaufpreis des verkauften Unternehmens. Ein zu hastiger Rückzug oder überhaupt ein Rückzug, läuft also immer Gefahr, dass es russische Enteignungen gibt“, so Winkler.

Firma Knauf arbeitet an Rückzug aus Russland – Kritik bleibt

Es ist nicht das erste Mal, dass Knauf im Mittelpunkt von Berichten über mögliche Verstrickungen in Russland-Geschäfte steht. Ein Bericht des ARD-Magazins „Monitor“ hatte angedeutet, dass Knauf beim Wiederaufbau der von Russland besetzten ukrainischen Stadt Mariupol mithelfe und sich nicht an Sanktionsauflagen halte. Das Unternehmen betonte daraufhin, seit Februar 2022 keine Waren mehr nach Russland zu liefern und auch nichts mehr aus Russland zu exportieren. Knauf liefere aus der EU auch keine Baustoffe nach Mariupol. 

Das Unternehmen distanziert sich zudem weiterhin von Russland. „Die Geschäftsleitung der Knauf-Gruppe und die Familie Knauf verurteilen den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und weisen jegliche Vorwürfe entschieden zurück, diesen Krieg bzw. die Aufrüstung des russischen Militärs direkt oder indirekt zu unterstützen“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion.

Kommentare

$Teilen