Türgriffe von Tesla eine „Todesfalle“? Idee von Elon Musk steht in der Kritik
Bei einem Unfall in Deutschland sind zwei Jugendliche auf der Rückbank eines Teslas gestorben. Im Mittelpunkt des Prozesses steht nicht nur der Angeklagte, sondern auch die Türgriffe von Tesla. Wird die Automatik bei Unfällen für Insassen lebensgefährlich?
Potsdam – Am Amtsgericht in Potsdam muss sich derzeit ein junger Mann wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verantworten. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, einen für zwei 18-Jährige tödlichen Unfall auf einer Landstraße durch einen Fahrfehler verursacht zu haben. Doch der Prozess wirft auch eine Frage auf, die bereits in der Vergangenheit für Bedenken sorgte: Sind die Türgriffe von Tesla lebensgefährlich?
Tesla-Insassen können nicht von Rückbank befreit werden und sterben nach Explosion
Der zum Unfallzeitpunkt 17-Jährige war mit Freunden im August 2022 auf einer Landstraße bei Dobbrikow in Brandenburg unterwegs, als das Tesla S Modell gegen einen Baum prallte. Während sich der Fahrer aus dem Tesla befreien konnte, sind die beiden 18-jährigen Freunde auf der Rückbank eingesperrt. Der Fahrer kann die Türen nicht öffnen, auch zwei Bundeswehrsoldaten, die zufällig am Unfallort sind, kriegen die Hintertüren nicht auf. Die Helfer und der Fahrer ziehen sich zurück, kurz bevor der Tesla Feuer fängt. Die beiden Insassen sterben auf der Rückbank. Wie Handelsblatt berichtet, waren die versenkbaren Griffe des US-amerikanischen Konzerns in den letzten fünf Jahren bei mindestens vier tödlichen Unfällen in Europa und den USA von Relevanz. Zuletzt sorgte Tesla wegen der umstrittenen Erweiterungspläne für die Autofabrik in Grünheide für Aufsehen.
Teslas versunkene Türgriffe brauchen Strom – wenn dieser ausfällt, wird es kompliziert
Bei Tesla-Autos verschwinden die Türgriffe beim Losfahren in der Türe und fahren automatisch wieder aus, wenn man mit dem Schlüssel in der Nähe des Autos ist. Bei einem Unfall mit ausgelösten Airbag, etwa in einem des Modell S, sollten sich die Türgriffe automatisch entriegel. Das Problem: Die Automatik ist auf Strom angewiesen. Der Autohersteller räumt laut Handelsblatt ein, dass das automatische Öffnen der Türen bei gewissen Unfällen nicht möglich sei. Um die Türen manuell zu entriegeln, muss man das Handbuch des jeweiligen Modells lesen.

Beim Modell S, in dem die beiden 18-Jährigen auf der Rückbank eingesperrt waren, muss laut Tesla-Handbuch „die Teppichkante unter den Rücksitzen zurück“ geschoben werden, um den mechanischen Entriegelungszug freizulegen. Diesen solle man dann in die Mitte schieben, um die Türen von innen öffnen zu können. Von außen lassen sich die Griffe, von beispielsweise Ersthelfern oder Rettungskräften, gar nicht öffnen, wenn die Stromversorgung des Teslas unterbrochen ist. Auch bei anderen Modellen ist das Öffnen der Türgriffe nicht weniger kompliziert: Bei dem Model X muss ein Lautsprechergitter entfernt werden, bei Modell 3 gibt es keinen Geheimtrick. Dort lassen sich nur die Vordertüren manuell öffnen.
Todesfalle Tesla? Türgriffmechanik zieht in den USA Sammelklage nach sich
Im Fall des tödlichen Autounfalls bei Dobbrikow konnten Experten aufgrund des hohen Zerstörungsgrades des Fahrzeugs nicht mehr feststellen, weshalb sich die Griffe trotz der ausgelösten Airbags nicht automatisch öffnen ließen. Das traurige Fazit: Hätten die Türen wie von Tesla vorgesehen funktioniert, wäre eine Bergung der beiden Menschen vor dem Fahrzeugbrand noch im Bereich des Möglichen gewesen. Bei einem anderen Prozess in den USA kam ein 48-Jähriger in seinem Tesla des Modell S ums Leben - ebenfalls, weil keiner der Ersthelfer die Türen entriegeln konnten. Der Anwalt des Verstorbenen bezeichnete den Tesla als eine „Todesfalle“. In Kalifornien läuft derzeit aufgrund der lebensgefährlichen Türgriffe eine Sammelklage gegen Tesla, das derzeit autonomes Fahren vorantreibt. Auch die Familie der Verstorbenen bei Dobbrikow erwägen nun juristisch gegen den Autohersteller vorzugehen.

Die versenkbaren Griffe der Tesla-Modelle, die laut Verkaufszahlen nicht mehr die beliebtesten E-Auto-Modelle sind, gehören für Fans der Autos mitunter zum Markenzeichen. Die Idee für das futuristische Design soll von Elon Musk selbst gekommen sein. Obwohl Ingenieure den Milliardär vor den Griffen gewarnt hatten, habe er das Design umsetzen wollen.