Streit um Einkommensteuer-Senkung – Rechnung zeigt, was die Pläne von Union und SPD bedeuten würden
Die Merz-Regierung will die Einkommenssteuer für kleine und mittlere Einkommen senken. Beim Wie scheiden sich die Geister bei CDU/CSU und SPD jedoch.
In Sachen Einkommenssteuer hatten sich SPD und Union im Koalitionsvertrag ein klares Ziel gesteckt: „Wir werden die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen zur Mitte der Legislatur senken“, heißt es dort. Jetzt geht es an die Umsetzung und der Teufel steckt wie immer im Detail. Während beide Parteien grundsätzlich an dem im Koalitionsvertrag vereinbarten Plan festhalten, herrscht Uneinigkeit, wie hoch die Erleichterungen ausfallen sollen und wie mit den Gutverdienern umgegangen werden soll.

Die CDU will diese ebenfalls deutlich entlasten und die Grenze, ab der der Spitzensteuersatz fällig wird, auf 80.000 Euro brutto (für Single-Haushalte) anheben. Die SPD signalisierte in dieser Hinsicht sogar ein Entgegenkommen – sofern gleichzeitig der Spitzensteuersatz von 42 auf 47 Prozent erhöht werde, berichtete das SPD-Magazin vorwaerts.de. Ein Vorstoß, dem Bundeskanzler Merz jedoch klar eine Absage erteilte. „Ich rate uns dringend, deren Belastung nicht noch weiter nach oben zu setzen“, sagte der Kanzler“, erklärte er der Nachrichtenagentur AFP zufolge.
Einkommenssteuer-Pläne von SPD und CDU im Vergleich
Einig sind sich beide Parteien bei der Anhebung des Grundfreibetrags; dieser soll um 1.000 Euro steigen. Doch was genau bedeutet das für Sie als Verbraucher? Das hängt ganz davon ab, welche Seite sich mit ihren Plänen durchsetzen kann. Bei der SPD werden vor allem die geringen Einkommen entlastet, mit deutlich geringeren Erleichterungen für mittlere und hohe Einkommen. Hier sind die Ersparnisse nach den Plänen der CDU deutlich höher. Hier die Ersparnisse durch die Plänen von CDU/CSU im Überblick.
Für Singles, kinderlos:
| Einkommen | SPD-Tarif jährl. Senkug | Senkung der Steuerlast in % |
| 2.500 Euro | 190 Euro | 8,4 % |
| 5.000 Euro | 174 Euro | 1,9 % |
| 7.500 Euro | 118 Euro | 0,6 % |
| Einkommen | CDU-Tarif jährl. Senkung | Senkung der Steuerlast in % |
| 2.500 Euro | 197 Euro | 8,7 % |
| 5.000 Euro | 424 Euro | 4,5 % |
| 7.500 Euro | 1028 Euro | 5,3 % |
Familie, Alleinverdiener, 2 Kinder:
| Einkommen | SPD-Tarif jährl. Senkug | Senkung der Steuerlast in % |
| 4.000 Euro | 380 Euro | 15 % |
| 7.000 Euro | 370 Euro | 3,4 % |
| 10.000 Euro | 360 Euro | 1,7 % |
| Einkommen | CDU-Tarif jährl. Senkung | Senkung der Steuerlast in % |
| 4.000 Euro | 380 Euro | 15 % |
| 7.000 Euro | 526 Euro | 4,9 % |
| 10.000 Euro | 726 Euro | 3,4 % |
Quelle: Bild mit Zahlen des DSi (Deutsches Steuerzahlerinstitut des Bundes der Steuerzahler)
Einkommenssteuer-Reform der Union bringt auf dem Papier mehr für Verbraucher – aber es gibt einen Haken
Rein rechnerisch profitieren die Verbraucher einkommensunabhängig mehr von den Plänen der Union. Allerdings geht das laut Handelsblatt mit einem Einnahmenminus von 111 Milliarden Euro für den Staat einher. Geld, das wahrscheinlich durch Steuererhöhungen oder Leistungskürzungen andernorts wieder eingetrieben werden muss.
Zwar verweisen CDU/CSU darauf, dass mit der flächendeckenden Einkommenssteuersenkung auch wachstumsbedingte Mehreinnahmen einhergehen, Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge liegen diese jedoch gerade einmal bei über 30 Milliarden Euro. (Quellen: Koalitionsvertrag, AFP, vorwärts.de, Handelsblatt, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) (sp)