Weiberfastnacht in Köln: Bürgermeister beklagt Zustände – „Habe eine große Traurigkeit in mir“
An Weiberfastnacht wird in ganz Köln Karneval gefeiert, vor allem im Kwartier Latäng kommt es zu Party-Exzessen. Bürgermeister Hupke beklagt die Zustände im Viertel.
Köln – Der Straßenkarneval hat begonnen, Weiberfastnacht in Köln ist in vollem Gange. Zehntausende feiern in den Straßen, die Zülpicher Straße wurde bereits vor 11 Uhr gesperrt. Seit Wochen blickt Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) mit Sorge auf die bevorstehenden Karnevals-Exzesse. Wie bereits am 11.11 begibt er sich auch an Weiberfastnacht direkt ins Getümmel und kommt bereits vor 11.11 Uhr zu einer ersten Bilanz. Im Gespräch mit 24RHEIN spricht er am Donnerstagvormittag über Weiberfastnacht.
Karneval in Köln: Bezirksbürgermeister Hupke im Interview auf der Zülpicher Straße

Herr Hupke, was sind Ihre Eindrücke der Weiberfastnacht bisher?
Ich muss sagen, all die Vorstellungen, die man hatte, treten ein. Dass schon so früh, so viele Menschen hierhergekommen sind, das toppt ja den 11.11. Ich sag‘s mal so, der Zustand der Menschen geht noch einigermaßen, bis auf den ein oder anderen Ausfall den es schon gibt. Ich bete innerlich das heute alles gut geht.
Was ist Ihre schlimmste Befürchtung?
Dass noch viel mehr Massen kommen. Das ist ja erst der Anfang. Weiberfastnacht geht ja bis in die Nacht hinein. Meine schlimmsten Befürchtungen sind, dass jetzt schon harter Alkohol getrunken wird und die Leute aggressiv werden und es zu Ruppigkeiten und Übergriffen kommt. Hoffentlich tritt das nicht ein. Eine weitere starke Befürchtung ist auch, dass bei den ganzen Mengen, die sich in Köln einfinden, dass sie in die Innenstadt stürmen, ins Belgische Viertel, weil sie ins Kwartier Latäng nicht mehr hereinkommen.
Weiberfastnacht in Köln: Hupke wütend wegen Jecken – „Habe eine große Traurigkeit in mir“
Was sind das für Leute, die hier in der Zülpicher Straße feiern?
Das hat mit Köln hier nichts zu tun. Das sind Menschen, die das über die modernen Medien mitbekommen. Der Klassiker, die kommen von außerhalb. Nicht nur von der Umgebung. Im Laufe des Tages sind das echte Karnevalstouristen, das wird sich auch nie ändern, weil wir haben ja kein anderes Konzept. Wenn eine Metropole so einen Ruf hat, dann fahren da alle hin. Da kann man sich dann die Kante geben und auch Rambazamba wie am Ballermann machen. Hier ist aktuell mehr Polizei als bei jedem Champions League-Spiel, wo teilweise gefährliche Hooligans unterwegs sind. Wir müssen da als Stadt endlich anfangen dagegen zu halten und zu den Ursprüngen des Karnevals zurückkommen, wie er in Venedig ist. Ich bin sehr froh, dass der organisierte Karneval da ist, wenn der nicht wäre, wäre es noch viel heftiger.
Was macht das mit Ihnen, wenn sie die ganzen Leute in ihrem Bezirk feiern sehen?
Ich war sehr wütend, auch was den 11.11 anbelangt, dass es da kein Umdenken gab, es gab keine Alternative zur Zülpicher Straße. Im Moment hab ich eine ganz große Traurigkeit in mir. Das wird sich aber auch wieder in einen guten Streitgeist und Kampfgeist wandeln, um nach Karneval nochmal die Stimme zu erheben. Das können wir nicht die nächsten 30 Jahre so weitermachen.
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