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NRW: Schnelltest-Anbieter warten auf Erstattung – Kassenärztliche Vereinigung weist Kritik zurück

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Von: Lydia Schauff

Eine Mitarbeiterin der Firma CoviMedical in einem Corona-Testcenter in Dresden
Eine Mitarbeiterin der Firma CoviMedical in einem Corona-Testcenter. Der Chef der Firma hat die schleppende Erstattung der Kosten durch den Bund kritisiert. © Robert Michael/dpa

Noch immer warten Corona-Schnelltestzentren in NRW auf die Erstattung der Kosten. Es läuft alles korrekt, sagt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein.

Köln – Müssen Corona-Schnelltestzentren in NRW demnächst schließen? Unter dem Namen 15minutentest.de betreibt CoviMedical auch in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Testzentren, unter anderem in Bonn, in Köln, Hürth, Königswinter oder Münster. Doch mit dem Testen könnte es demnächst vorbei sein. Grund: CoviMedical wartet bis heute auf die Erstattung der Kosten für die Tests. So haben Nutzer in Sozialen Medien berichtet, dass an einigen Orten zeitweise das Buchen von Tests bei CoviMedical nicht möglich war.

Die Schnelltests sind in Kommunen in NRW mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 ein wichtiges Mittel, um Lockerungen trotz hoher Inzidenz beizubehalten. So musste auch Düsseldorf die „Notbremse“ ziehen und setzt nun auf Schnelltests.

Corona in NRW: Schnelltestanbieter warten auf Erstattung der Kosten

Anfang April hatte sich deshalb CoviMedical-Geschäftsführer Christoph Neumeier in einem Offenen Brief an die Bundesregierung gewandt. So sei in der Teststrategie der Bundesregierung festgelegt, dass die Abrechnung der kostenlosen Bürgertests über die Kassenärztlichen Vereinigungen erfolge.

„Bis heute haben wir allerdings weder eine schriftliche Zusage der Kostenübernahme erhalten, die uns helfen würde, kurzfristige Zwischenfinanzierungen oder Kredite zu erhalten, noch eine konkrete Information, von wem wir wann die Kosten erstattet bekommen“, heißt es in dem Offenen Brief, der auf der Webseite 15minutentest.de veröffentlicht ist. Bereits Anfang April hatte sich die noch zu erstattende Summe bereits auf rund vier Millionen Euro belaufen.

Private Corona-Schnelltestzentren warten auf Geld vom Bund für die Corona-Schnelltests

Auch der Betreiber der Medi-Care Schnelltestzentren in NRW, Marc Schurath, äußerte gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger, dass die Erstattung der Kosten für die Corona-Schnelltests ein Problem sei. Für den Gertrudenhof in Hürth, der derzeit am Aufbau einen Schnelltest-Zentrums arbeitet, war die Klärung der Modalitäten rund um die Abrechnung der Tests ein Grund mit der Öffnung zu warten. Laut Gertrudenhof-Inhaber Peter Zens sei es nicht möglich mit Zehntausenden von Euro in Vorleistung gehen.

Die Erstattungen der Kosten für die Corona-Schnelltests läuft über die Kassenärztlichen Vereinigungen und das Bundesamt für Soziale Sicherung.

KV Nordrhein reagiert auf Kritik: viele Teststellen erst seit Ostern im Abrechnungsportal registriert

Zu den Problemen bei der Abrechnung hat auch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein Stellung bezogen und ein Statement auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Die KV Nordrhein will die Kritik nicht auf sich sitzen lassen: „Es kann an dieser Stelle nicht sein, dass wir als Kassenärztliche Vereinigung hier instrumentalisiert werden sollen. Wir kommen unserem Auftrag vollumfänglich nach und gewähren aus Kulanz sogar verlängerte Abrechnungsfristen. Da wundern mich die Aussagen mancher Teststellen-Betreiber doch sehr“, sagt Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

Die Abrechnung für den Monat März 2021 erfolge im April. Im zweiten Schritt werden die Leistungen einen Monat später beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) abgerechnet. Sobald das Geld vom BAS da sei, überweise die KV Nordrhein die Vergütung an die Teststellenbetreiber. Die Zahlung der Ausgaben vom März würde also regulär im Mai erfolgen.

Abrechnung für Corona-Schnelltests: KV Nordrhein berücksichtigt Eingaben bis 8. April

„Aus Kulanz hat die KV Nordrhein alle Eingaben in Ihrem Abrechnungsportal bis zum 8. April 2021 berücksichtigt. Hiermit können dann bereits im April erste Zahlungen an die Teststellen geleistet werden“, heißt es in dem Statement weiter.

Hiervon habe laut KV Nordrhein nur rund die Hälfte der Teststellen, die den Registrierungsprozess zur Abrechnung durchlaufen haben, auch Gebrauch gemacht und Abrechnungsdaten eingetragen. Viele Teststellen hätten den Registrierungsprozess außerdem erst kurz vor Ostern vorgenommen, sodass die entsprechende Freischaltung für die Abrechnungen so kurzfristig noch nicht erfolgen konnte.

Insgesamt werde KV Nordrhein im Monat April rund 26 Millionen Euro an die Leistungserbringer der Testverordnung ausschütten.

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