1. 24RHEIN
  2. Rheinland & NRW

Nach der Überflutung in Stolberg – „Wir müssen eine komplette Innenstadt wiederherstellen“

Erstellt: Aktualisiert:

in Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) läuft durch das überflutete Stadtarchiv.
Das Stolberger Stadtarchiv wurde überflutet. Die „komplette Stadtgeschichte ist abgesoffen“ © Marius Becker/dpa

Nach der Überflutung in Stolberg kämpft die Stadt mit den enormen Schäden. Auch das Stadtarchiv ist betroffen. „Jetzt muss man versuchen zu retten, was zu retten ist.“

Stolberg – Das Unwetter hat Stolberg schwer getroffen. Wertvolle historische Dokumente des Stolberger Stadtarchivs sind in Gefahr. In der Unwetterkatastrophe hatten Wassermassen den Keller überflutet, Urkunden und andere Schriften drohen zu verschimmeln. „Unsere komplette Stadtgeschichte ist abgesoffen, das ganze Archivmaterial stand im Wasser“, sagte Stolbergs Bürgermeister Patrick Haas (SPD) am Montag der dpa. „Jetzt muss man versuchen zu retten, was zu retten ist.“

Stolberg: „Komplette Stadtgeschichte ist abgesoffen“ – Köln schickt Hilfe

Es gebe zahlreiche Helfer vor Ort, zudem habe das Kölner Stadtarchiv Experten zur Unterstützung geschickt – die Domstadt hat nach dem Einsturz ihres Stadtarchivs im Jahr 2009 Erfahrung mit der Sicherung von Materialien unter widrigen Bedingungen. Aus Köln wurde am Montagnachmittag ein Kulturgutschutz-Container erwartet, den die Domstadt im vergangenen Jahr gekauft hatte.

In ihm sollen Dokumente gesäubert und sichergestellt werden. Die Dokumente müssen schockgefroren werden, damit kein Zersetzungsprozess beginnt. Es gehe unter anderem um Urkunden aus dem Mittelalter, aber auch um normale Bauanträge - letztere seien wichtig, etwa um zukünftig Ausbauten zu genehmigen, erklärte der Bürgermeister.

Stolberg: Stadtgeschichte vielleicht nicht mehr zu retten

Freiwillige Helfer befreien vor dem Standesamt beschädigte Dokumente vom Schlamm.
Viele Dokumente wurden zerstört © Marius Becker/dpa

Der Kommunalpolitiker betonte die Bedeutung des Archivs für seine Stadt. „Die historischen Wurzeln sind den Menschen sehr wichtig“, sagte er. „Wir haben eine lange Stadtgeschichte und gerade noch über den Bau eines Historicums nachgedacht, um den Menschen moderne Archivräume und Ausstellungen bieten zu können.“ Solche Pläne seien nun vorerst vom Tisch. „Jetzt denken wir darüber nach, ob wir in Zukunft überhaupt noch Archivmaterial und damit Zeugnisse unserer Stadthistorie haben werden, die wir zeigen können.“

Stolberg bezeichnet sich als „Kupferstadt“, was auf die Ansiedlung von protestantischen Kupfermeistern zurückgeht, die eine lange Tradition der Metallverarbeitung in der Stadt begannen. „Es geht um unser historisches Gedächtnis, was gerettet werden muss.“

Stolberg: Nach Überflutung – „Wir müssen eine komplette Innenstadt wiederherstellen“

Der Wiederaufbau der von der Unwetterkatastrophe verwüsteten Stadt Stolberg wird nach Einschätzung des Bürgermeisters immens teuer. „Wir müssen eine komplette Innenstadt wiederherstellen.“ Stolberg hat 57.000 Einwohner und einen Jahreshaushalt von rund 200 Millionen Euro. Die Stadt benötige dringend umfassende Hilfen von Bund und Land.

Bürgermeister Haas befürchtet langfristige Folgen. „Wenn die Industrieunternehmen nach den massiven Zerstörungen ihrer Anlagen keine angemessene Hilfe bekommen, könnten sie sich überlegen, ob sie nicht wegziehen und irgendwo auf der grünen Wiese einen Neustart machen.“ Das hätte gravierende Folgen für Stolberg, weil dann viele Arbeitsplätze verloren gingen (dpa/lnw)

Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage

Auch interessant